Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 50 (12.12.1919)
- Date
- 1919-12-12
- Page
- Seite 601 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50 Das Jüdische Echo 601 möchte sich in Polen festsetzen, um Deutschland in Schach zu halten. Und während der ganze polnische Staat sich heute noch im Embryostadium befindet, eher Mittel und Wege zur Konsolidierung seiner Verhältnisse und Schaffung einer gesunden Basis suchen sollte, beschäftigen sich die polnischen Staatslenker noch immerfort mit dem „Judenproblem“. Wohl werden keine Synagogen und jüdische Häuser mehr angezündet, keine offiziellen Pogrome mehr veranstaltet, das privilegierte „Bärteschneiden“ hat aufgehört, aber der vor dem Kriege inszenierte wirtschaftliche Boykott wird weiter planmäßig und systematisch durchgeführt. — Jüdische Kaufleute bekommen in vielen Ortschaften keine Bedarfsartikel, das Losungswort „Kaufet nicht bei Juden“ ist auf fruchtbaren Boden gefallen. — Die Polen sind weit davon entfernt, die den Juden versprochenen und in Paris festgesetzten Minoritätsrechte zu gewähren. Einer jüdischen Delegation, die in der Frage der Sonntagsruhe intervenierte, erklärte der Landmarschall, es sei für die Juden sehr ungünstig, wollten sie nicht die Sonntagsruhe einhalten, es könnte deshalb leicht zu Pogromen kommen. Der Landmarschall zeigte sich sehr hold, indem er den Juden riet, sie möchten sich von ihrer religiösen Oberhoheit die Bewilligung einholen, den Samstag auf den Sonntag zu verlegen. Die Erbitterung ist darob sehr groß und eine der größten jüdischen Organisationen „Szlome Emune Jisroel“, die gegenwärtig mehr als 600 Verbände mit zirka 120 000 Mitgliedern zählt, Chederim, Jeschiboth, Waisenhäuser errichtet, Büros in ganz Polen, Litauen, Posen, Mittel- und Westgalizien erhält und früher eine den polnischen Machthabern keineswegs ungünstige politische Taktik verfolgte, wird jetzt angesichts dieser antireligiösen Tendenzen auch ihre politische Haltung anders gestalten. Uber die Anträge, die Sonntagsruhe betreffend, welche die Abgeordneten Thon, Schipper, Grünbaum, Halpern und Hirschhorn einbrachten, ging der polnische Landtag zur Tagesordnung über und so wurde der wichtigste Punkt des Vertrages seitens der Polen offiziell gebrochen. Doch der Kreuzzug gegen die Juden wird nicht nur in wirtschaftlicher und religiöser Hinsicht geführt. Als Z e 1 i g o w s k i mit seiner Division aus Odessa nach Polen einrückte, da überfielen die polnischen Soldaten die landwirtschaftliche Kolonie dör Jca in Slobodka (bei Kolomea), erschossen drei Pfadfinder und der Rest wurde verwundet. In vielen polnischen Städten werden jüdische Pfadfinder, 12—16jährige Burschen, verhaftet und militärischer Ziele beschuldigt; in Wadowice (bei Bielitz-Biala) fand sogar gegen 13 jüdische Pfadfinder eine gerichtliche Verhandlung statt. — Die Judenhetze geht somit weiter planmäßig und systematisch vor sich und die polnische Judenheit, welche von den Untersuchungskommissionen Morgenthau und Stuart Samuel so manche Verständigung und Annäherung zu den Polen erhoffte, erlitten wieder eine Enttäuschung. | Maximilian Spaeth | starb am Donnerstag, den 4. ds. Mts., den Opfertod durch eigne Hand. Dieser unendlich traurige Fall beleuchtet die augenblickliche Lage des deutschen Judentums blitzartig. Wir werden in der nächsten Nummer unseres Blattes den tragischen Vorfall ausführlich behandeln. Aus der Jüdischen Welt Palästina. Die samaritanische Gemeinde in Sichern. Das Kopenhagener Zionistische Büro berichtet: Die samaritanische Gemeinde in Sichern hat kürzlich an die Zionistische Palästina - Kommission ein Schreiben gerichtet, worin sie von der Gründung eines Gemeindekomitees Kenntnis gibt, das den Zweck hat, alle Angelegenheiten der Samaritaner zu leiten, ihre Lage in kultureller und materieller Hinsicht zu verbessern und die Gemeinde vor dem Untergang zu -bewahren. Die Zionistische Kommission hat beschlossen, die Hilfeleistung für die nur noch etwa 100 Familien zählende Gemeinschaft der Samaritaner zu erwägen, die, wenn sie ohne Hilfe gelassen wird, sicherlich der Assimilation an die arabische Bevölkerung anheimfällt. Eine neue jüdische Gärtnerschule. Der Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands und die Berliner Jüdische Gemeinde errichten vor Berlin gemeinsam eine Gärtnereischule. Der Betrieb dürfte bereits im Frühjahr eröffnet werden. Die Bodenpreise in Palästina gefallen. Wie das Londoner jüdische Korrespondenzbüro aus Jaffa berichtet, sind die Bodenpreise in Palästina um etwa 30 Prozent gefallen. Auch die Baumaterialien werden billiger. Man hofft auf ein weiteres Sinken der Preise. Gesellschaft für Tuchfabrikation. Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: In Bialystok ist eine Gesellschaft für Tuchfabrikation in Palästina gegründet worden, die den Namen „Taassija“ trägt. Diese Gesellshaft hat ein Zirkular versandt, dem wir folgendes entnehmen: Vor dem Kriege wurden zirka 180 000 Pud Wolle und Baumwolle mit einem Werte von 5 Millionen Franks Gold aus Palästina exportiert. Der größte Teil der Wolle, die in Palästina und Syrien gewonnen wird, wird im Lande verbraucht. Die Verfertigung geschieht auf primitivste Weise durch hölzerne Spinnrocken. Solcher Spindeln, auf denen Seide, Baumwolle und Wolle verfertigt wurden, waren vor dem Kriege im Lande 25 000 vorhanden. Spezielle Wollwebereien, besonders für „Abajes“. gab es etwa 20 im Lande, die ungefähr 1000 Arbeiter beschäftigen. Der ganze Orient wartet auf den modernen Fabrikanten, der die Zivilisation und die entwickelte Technik in das rückständige asiatische Wirtschaftsleben einführen soll. Um diese Aufgabe zu erfüllen und dadurch Brot und Arbeit für die palästinensische jüdische Bevölkerung zu schaffen, ist die „Taassija“ gegründet worden. Sie will ein Kapital von 5 Millionen Mark aufbringen und in Palästina eine Bialystoker Tuchfabrikation begründen. Das Grundkapital soll, auf 1000 Aktien zu je 5000 Mark verteilt werden. Die Gründer beteiligen sich mit eigenem Kapital; ein Teil von ihnen hat beschlossen, nach Palästina überzusiedeln und aktiv an der Arbeit teilzunehmen. Holland. Qie Arbeit für den Erez Israel Restoration Fund in Holland. Die Zionistische Organisation in den Niederlanden hat eine kräftige Aktion unternommen, um den den Niederländischen Zionisten auferlegten Beitrag von 5000 Gulden für den Erez Israel Restoration Fund aufzubringen. Der „Jood-