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Das jüdische Echo · 1919-11-28 · 48 (28.11.1919) · p. Seite 580

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
48 (28.11.1919)
Date
1919-11-28
Page
Seite 580 (sequence 8)
Language
German
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580 Das Jüdische Echo Nr. 48 den Antisemitismus sprachen. Die Mehrheit der Versammlungsbesucher, die zum Teil mit Pfeifen und Trompeten ausgerüstet waren, schrie die Redner nieder. Eine Entschließung gegen den Antisemitismus konnte nicht zur Annahme gebracht werden. Feuilleton „Über das Talmudstudium bei den Westjuden“ bringt die „Jüdische Presse“ in Berlin aus der Feder des bekannten Gelehrten Dr. Tschern o w i t z beachtenswerte Auslassungen. Der Verfasser tritt zunächst der Behauptung entgegen, als ob im Osten, erfolgreicher als im Westen „gelernt“ würde; diese Vorstellung sei übertrieben. So wurde z. B. in Litauen früher in den Jeschiwoth viel und erfolgreich gelernt, während dies in Südrußland, besonders bei den Chassidim, wo man gar keine Jeschiwoth findet, vielfach nicht der Fall ist und war. Nun ist selbst in Litauen das Talmudstudium unter den Baalebatim sehr zurückgegangen. Im Westen wird dagegen viel Gemoroh gelernt, wenn auch bis jetzt wenige Jeschiwoth bestehen. Trotzdem müssen wir leider gestehen, daß die Unwissenheit hier im Vergleich zum Osten sehr verbreitet ist und unter den Lernenden Verständnis der Gemoroh kaum zu finden ist, trotz der großen Liebe, welche man im Munde und im Herzen für die Thora trägt, und trotz der großen Mühe, welche man sich gibt, um Fortschritte zu erzielen. Der Verfasser untersucht nun, worin der Fehler liegt. In dieser Zeitschrift wurde jüngst von einer Seite dies damit begründet, daß die deutsche Orthodoxie bisher die hebräische Sprache vernachlässigt habe; durch Kenntnis dieser würde eine wesentliche Förderung des Talmudstudiums erzielt werden. Dieser Anschauung kann Dr. T. nicht beipflichten. Überall, wo viel Talmud gelernt wird, wird auch bei den einfächsten Worten der Übersetzung Rechnung getragen. Anderseits wird trotz des Verständnisses des Hebräischen die Kenntnis des Talmuds nicht sonderlich gefördert; ein Beispiel hiefür bieten moderne Schulen in Palästina, wo leider das Talmudstudium vielfach vernachlässigt wird. Der Verfasser untersucht nun, wie das Talmudstudium im Westen zu heben ist und führt dies in erster Reihe auf die falsche Methode der Erklärung zurück. Vor allem glaubt er wird bei der deutschen Orthodoxie die Gemoroh viel zu sehr als heilig betrachtet und das Lernen nicht als Wissenschaft betrieben, sondern nur als „Mizwoh“ angesehen. Man lernt meist “S&T, nicht um sich Kenntnisse anzueignen. Es kömmt den deutschen Juden nicht so sehr auf das Wissen als auf das Lernen an und wenn ihm die Materie auch unverständlich bleibt, so hat er doch seine „Mizwoh“ erfüllt. Im Osten ist das Lernen eine Wissenschaft und man lernt um lernen zu können. Weiterhin muß unterschieden werden zwischen der Methode, Talmud zu wissen und Talmud zu kennen. Der Talmudkenner eignet sich einen beliebigen Abschnitt an, erklärt ihn, ohne den Stoff im Kopf zu behalten; der Talmudwissende hingegen hat sich den Talmud als seine Wissenschaft angeeignet, er kennt sie in- und auswendig und hat in ihr ein unvergängliches Besitztum. Der Verfasser vergleicht einen litauischen mit einem südrussischen Talmudjünger. Der Erstere wird den - Inhalt mehrerer Traktate genau im Kopfe haben, wenn es auch nur 2—3 sind, und deren Stoff gründlich beherrschen. Dadurch wird er ein richtiger „Lamden“ und die Kenntnis des Talmud in den Traktaten, die er nicht gelernt hat, kömmt von selbst, er wird in ganz „Schaß“ lernen können. Ein südrussischer Bachur wird fast ganz „Schaß“ ablernen und schließlich hat er keine richtigen Kenntnisse, denn er ist nicht in die Tiefe gedrungen. Noch eine andere Methode ist bei den polnischen Chassidim und vielfach in Ungarn üblich: Man lernt dort eine bestimmte „Sugie“ ein oder mehrere Semester lang, vertieft sich darin mit allen Erklärern und sieht von den anderen ab. Auch dies hält der Verfasser nicht für richtig, weil da mehr Gewicht auf die Erklärer als auf den Talmud selbst gelegt wird und daher nicht die richtige Talmudkenntnis erzielt wird. In Deutschland wird nach der Ansicht von Dr. T. zu viel Wert auf die Kenntnis (das Kennen) des Talmud gelegt und deshalb erreicht man hier so selten die Stellung eines „Lamden“. Bei den modern geschulten Lehrern wird dazu noch mehr Gewicht, auf das Sprachliche als auch das Sachliche gelegt. Gewiß, um methodisch den Talmud zu studieren, muß man das Sprachliche voranstellen. Hat man aber wenig Zeit und bleibt einem die Wahl zwischen Sprachlichem und Sachlichem, so würde der Verfasser das Sachliche vorziehen. Nicht besser steht es in Deutschland mit den jüdischen Hochschulen und Rabbinerseminaren. Es wird zwar das Absolutorium eines Gymnasiums als Vorbedingung verlangt und in Profangegenständen wird der dermaßen Vorgebildete im Stande sein, den Hochschulvorlesungen mit Verständnis zu folgen. Aber im Gebiete des. Talmud ist er nicht derartig vorgebildet, deswegen Üftündpier 3teuefte 3iad?ndjfen ©röfjte, iägt. 2mal erfdjeinenbe 3eitung ©üb«« unb 2ttiftelbeutfch' lanbö. &auffräftiger£eferfrete unb über £>euifd){anbä($ren$en hinauf gehenbe Verbreitung. <9rojjerfauf* männ.u.geu>erbl.6tellenmarft Slnerfannt fefjr erfolgreich für Slnjeigen aller 21rt. Slnseigen» preii unb Ulachlaj? nach 2arif. 25esug$prei$ monatf.27ff,3.— bei allen beutfchen peftanffolten 3dgtid)e£(uftage 2maf löooooßgemplare/Ubcr^^iUionlcfer-w. a

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