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Das jüdische Echo · 1919-11-28 · 48 (28.11.1919) · p. Seite 579

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
48 (28.11.1919)
Date
1919-11-28
Page
Seite 579 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 579 Aus der Jüdischen Welt Palästina. Der Arbeitsmarkt in Palästina. Dem Kopenhagener Zionistischen Büro wird aus Palästina berichtet: In Jaffa entwickelt sich das Bauwesen in der letzten Zeit in größerem Maße. Außer den Häuserbauten der Gesellschaft „Haboneh“ und den Häusern der Handwerkerzentrale werden auch verschiedene Privathäuser errichtet. In der Nähe von Tel Awiw auf dem Wege von Jaffa nach Sarona wird ein größeres Gebäude gebaut, das für Geschäftslokale bestimmt ist. Der Waad von Tel Awiw teilt soeben mit, daß er demnächst mit dem Bau von Geschäftsgebäuden auf der Pinskerstraße beginnt. Wie es heißt, soll die Handwerkerzentrale demnächst an den Bau von 60 neuen Häusern herantreten. Auch in der Chevra Chadaschah soll demnächst ein großes Geschäftshaus errichtet werden. Alle diese Bauten werden größtenteils durch jüdische Arbeiter ausgeführt. Auch in Haifa werden jetzt mehrere Gebäude errichtet, hauptsächlich durch die Gesellschaft Haboneh. Vom Straßenbau in Palästina. Das Kopenhagener Zionistische Büro berichtet: Etwa 700 Mann, meist Fellachen, sind für die Ausbesserung der Wege in der Nähe von Jerusalem engagiert worden. Da die betreffenden Stellen ziemlich weit von der Stadt entfernt liegen, ist es für die jüdischen ungelernten Arbeiter schwierig, sich an diesen Arbeiten zu beteiligen. (?! d. Red.) Die Verwaltung hat auch Geld für die Ausbesserung der Straßen in Jerusalem selbst bewilligt, hierzu ist aber viel Wasser erforderlich, das zur Zeit ziemlich knapp ist. Der Stadtrat hat demgemäß beschlossen, mit den Reparaturen in der Stadt bis zur Zeit der Regenfälle zu warten, um dann die Arbeiten in der Stadt, sowie die Ausbesserung des Weges nach Jaffa sofort in Angriff zu nehmen. England. Assimilanten und Araber. Für das Einverständnis und die Zusammenarbeit der englischen Assimilanten mit den syrischen Gegnern des Zionismus ist ein Brief kennzeichnend, den Haba Loftala Bey in dem neugegründeten Organe der englischen Assimilanten, dem „Jewish Guardian“, •veröffentlicht. Loftala Bey, der als der Delegierte der „Syrischen Union“ nach Europa kam, bezeichnete die Gründung eines selbständigen syrischen Staates als die Forderung seiner Union. Er stellt fest, daß das Programm der Union vollständig mit dem der englischen Assimilanten übereinstimme. Er lehnt entschieden die Anerkennung der Juden als eine besondere Nation ab. Libanon, Mesopotamien und Palästina müssen zu einem Staate unter dem Namen Syrien vereinigt werden. Der Gouverneur dieser drei Länder müsse der nationalen syrischen Partei angehören. Ein syrisches Parlament und Senat müsse in Bälde zusammentreten, die die Staatsform Syriens und die Frage entscheiden müßten, ob die Kontrolle einer Großmacht gestattet werden soll. Zum Schluß erhob er die Forderung, Amerika diese Fragen entscheiden zu lassen. Wie Berichte aus Paris melden, hat der Versuch des Emir Faisul, eine amerikanische Intervention in der syrischen Frage zu erlangen, völlig Schiffbruch gelitten. Belgien. Die Juden in Belgien. Das Londoner jüdische Korrespondenzbüro meldet: Die belgische Regierung erleichtert den Juden, die in den ersten Monaten des Krieges das Land verlassen mußten und zumeist nach Holland geflüchtet waren, die Rückkehr nach Antwerpen. Bekanntlich liegt die für Belgien so bedeutsame Diamant - Industrie Antwerpens in jüdischen Händen. Deutschland. Errichtung einer jüdischen Volkshochschule in Breslau. Vertreter aller religiösen Richtungen der Breslauer Synagogen-Gemeinde haben sich zusammengefunden, um einen Verein zur Begründung und Erhaltung einer freien jüdischen Volkshochschule in Breslau ins Leben zu rufen. Ihr Zweck soll sein, durch volkstümliche Vortragskurse und Übungen das Wissen vom Judentum zu verbreiten. Die Volkshochschule hält an dem Grundsatz der Lehrfreiheit fest und gewährt somit allen Richtungen innerhalb des Judentums Raum. Der Verein wird von der Breslauer Synagogen-Gemeinde durch einen einmaligen Beitrag von 5000 Mk. und einen Jahresbeitrag von 1000 Mk. unterstützt. Die Organisation schätzt die jährlichen Kosten auf ungefähr 20 000 Mk. Diesen Betrag hofft sie durch Mitgliederbeiträge und Eintrittsgelder aufzubringen, sodaß die Volkshochschule sich späterhin zum größten Teil selbst erhalten würde. Das Unternehmen ist gesichert, die Eröffnung der Volkshochschule steht unmittelbar bevor. Hamburg. (Austritt aus der Religionsgemeinschaft.) Dem Kollegium der hiesigen Bürgerschaft liegt ein Antrag seines Ausschusses zur Beratung vor, wonach eine frühere Verordnung des Arbeiter- und Soldatenrates betreffend den Austritt aus der Religionsgemeinschaft durch einen Gesetzentwurf betreffend Austritt aus der Religionsgemeinschaft ersetzt werden soll. Demnach erfolgt der Austritt durch mündliche Erklärung gegenüber dem zuständigen Standesbeamten. Zur Abgabe dieser Erklärung ist jede Person berechtigt, die das vierzehnte Lebensjahr vollendet hat. — Die demokratische Fraktion der Preußischen Landesversammlung hat dort beantragt, daß die Austrittserklärungen an den berufenen Vertreter der Religionsgemeinde, aus welcher der Austritt erfolgen soll, gerichtet werden müssen, welcher den Empfang innerhalb vier Wochen zu bestätigen hat. Antisemitische Strömungen in der Sozialdemokratie. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hielt dieser Tage eine ordentliche Generalversammlung in Berlin ab. Besonders bemerkenswert war in den Ausführungen des früheren Ministers Landsberg eine scharfe Absage an seines Genossen Winnigs Judenpolitik. Der Redner wandte sich gegen einen von Winnig in der „Glocke“ veröffentlichten Artikel, in welchem dieser als Sozialdemokrat die Auffassung vertritt, daß die Juden in nationalen Fragen nicht mitzureden hätten. Winnig, Oberpräsident von Ostpreußen, habe sich anscheinend seiner Umgebung bedenklich angepaßt. Wenn Winnigs Worte wahr wären, rief Landsberg, wäre ich nicht mehr Abgeordneter. Ich opfere der Partei mein alles, aber niemals meine Ehre. Der nächste Parteitag der S. P. D. wird zum Antisemitismus Stellung nehmen müssen, genau so, wie jede andere Partei Farbe bekennen muß. Aschaffenburg. Zu einer großen Radauversammlung gestaltete sich eine Versammlung der amtlichen Aufklärungsstelle gegen den Antisemitismus, in der der Referent Dr. Lange und der sozialdemokratische Redakteur Matthes gegen

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