Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 48 (28.11.1919)
- Date
- 1919-11-28
- Page
- Seite 581 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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V Nr. 48 Das Jüdische Echo 581 kann auch das Niveau des Talmudunterrichts auf den Hochschulen kein hochschulmäßiges sein, und es steht in Methode wie im Umfang nicht höher als auf einer Talmud Thora oder kleinen Jeschiwoh in Rußland. Hierzu fehlt nämlich die Voraussetzung der Beherrschung des talmudischen Stoffes, ebenso wie für eine Vorlesung über höhere Mathematik elementare Kenntnisse dieser Wissenschaft Voraussetzung sind. Demnach müssen also die Talmudhochschulen bei der Aufnahme ihrer Schüler höhere Anforderungen an diese stellen, als es bisher geschah. Man muß im Talmud das gleiche Maß von Vorbildung verlangen wie in profanen Fächern. Diese müßten sie sich in einer Talmudschule aneignen. Um eine Besserung herbeizuführen, müßte an einem Zentralpunkt des jüd. Lebens eine große Jeschiwoh errichtet werden, deren Besuch für alle Kandidaten des Rabbiner- oder des höheren Lehramtes in jüdischen Fächern obligatorisch wäre. Dort müßte jeder mindestens zwei Jahre zubringen. Dann könnten auch die jüdischen Hochschulen wirklich Hochschulen werden, wenn sie diese Jeschiwoh zur Vorbedingung haben. Dann würde das Talmudstudium in Deutschland auf eine viel höhere Stufe kommen. Soweit der Verfasser in der „J. Pr.“ Wir glaubten diesen Betrachtungen in dieser Zeitung Raum geben zu sollen, weil wir von manchem Gelehrten derartige Anschauungen. gehört haben; möchten die Talmudwissenden auch bei uns immer mehr an Boden gewinnen. Gemeindenu. Vereins-Echo Vortrag Karl Glaser. Sonntag, den 23. ds. Mts., sprach Redakteur Karl Glaser über „die neue Welle des Antisemitismus“. Alle Schichten der jüdischen Bevölkerung waren vertreten, die Veranstaltung gut besucht. Der Antisemitismus sei keine vorübergehende Erscheinung und Zionismus sei kein Ausfluß, des Antisemitismus. Gäbe es keinen Antisemitismus, die zionistische Weltanschauung bliebe dieselbe. Eine Überwindung sei nur durch produktiv-nationale Leistung unseres Volkes für unser Volk und eben dadurch auch für die Menschheit überhaupt möglich. Darin gipfelte der Grundgedanke des Redners, der in seinem anderthalbstündigen Referate die Zuhörer in Atem tyielt. Der Antisemitismus in Deutschland macht denselben Weg wie im Osten. Er hört auf Volksstimmung zu sein und artet in „wissenschaftliche Objektivitäten“ aus, unter dem Deckmantel der „Gelehrsamkeit“ vergiftet er die Straße und beherrscht das Tun und Lassen der ganzen Umwelt'. Die Konservativen, Deutschnationalen und Deutsch-Völkischen Parteien schüren den Haß, während Demokraten, Mehrheitssozialisten und Kommunisten nicht mit einer erforderlichen Energie entgegentreten, um die gefährlichen Pfeile zu vergiften, ja nicht einmal durchwegs vom Antisemitismus frei sind. Man haßt uns überall, aber nicht der schlechten, sondern der guten Eigenschaften wegen, welche die Juden nicht aufgeben wollen oder können. Glaser weist auf den geistigen De^adenzprozeß im deutschen Judentum hin, analysiert die somatischen und psychischen Unterschiede der Juden von Anderen und erörtert in seinen fesselnden Ausführungen den falschen Versuch des deutschen Judentumes sich von der Gesamtjudenheit zu isolieren. Das Publikum dankte durch stürmischen Beifall. Das Wesentliche der Diskussion behandelt der zweite Teil des heutigen Leitartikels. — Würzburger jüdisches Leben. Die Reihe der Wintervorträge eröffnete am 20. vr. Mts. Herr Reallehrer Dav. Tachauer, der Vorstand der hiesigen Zionistischen Ortsgruppe, mit einem Referat über: Die Bedeutung Palästinas. Den interessanten Ausführungen, die durch persönliche Erfahrungen des Redners besonders anschaulich wurden, folgten auch die Gäste mit lebhafter Anteilnehme, sodaß der Abend als durchaus gelungen zu bezeichnen ist. — Am 25. vr. Mts. sprach Herr Direktor Georg Kareski-Berlin über: Der Aufbau des neuen Palästina, in einem großen öffentlichen Vortrag. Seine hier rühmlichst bekannte Rednergabe fesselte ein zahlreiches Publikum auch von Nichtzionisten. Neben dem ideellen Gewinn ist ein finanzieller Erfolg nicht zum mindesten sein Verdienst. Stuttgart. Sonntag, den 30. November, veranstaltet die zionistische Ortsgruppe Stuttgart im Auftrag des Palästina-Aufbau-Fonds einen Lichtbildervortrag, in dem Herr Davis Trietsch-Berlin, der als der beste Palästinakenner gilt, interessante Aufnahmen aus Erez Israel und den jüdischen Kolonien zeigen wird. Näheres siehe Inserat. Hebräische Kurse. Die Anfangszeiten der Kurse haben sich etwas verschoben und sind nun wie folgt festgesetzt: Dienstag: 1. Kurs (Fortgeschrittene) von 6.45 Uhr bis kurz vor halb 8 Uhr; darauf der Anfängerkurs. Punkt 8.45 Uhr Beginn des Palästinakurses. Donnerstag: 1. Kurs (Fortgeschrittene) von 6.15 Uhr bis 7 Uhr; Anfängerkurs von 7 7.45 Uhr; K. J. V.er-Kurs von 8—8.45 Uhr. Am Dienstag, den 2. Dezember, fällt der Palästinakurs aus. Er wird am Samstag, den 6. Dezember, nach dem Kurs von Dr. Levi verlegt und findet in der Sabel'schen Handelsschule statt. Spendenausweis Münchener Spendenausweis. Nationalfondsspenden. Helene Hanna Cohn, vorläufig Oberstdorf, grüßt alle Münchener Freunde 3.—; Sammlung Agudas Achim: Weinberg-Berlin 30.—, Feuer 5.—, Ruß 5.—, Kornhäuser 10.—, Finkei 5.—, Schenirer 5.—, Vogel-- singer 10.—, Gelbart 10.—, Goldfarb 10.—, Kohn 20.—, Zinn 10.—, Weißbart 7.—, Schindler 5. , Landau 10.—. Gold. Buch Haschachar. Arnold und Golda Wiener grat. Dr. Adolf Fränkel z. Verlobg., dieselben u. Emmi grat. Medi Feuchtwanger 3.—. Gold. Buch Alfred Nothmann. Arnold u. Golda Wiener grat. R.-A. Ehrlich z. Verlobg., dieselben grat. u. grüßen Dr. Emil Margulies 3.—. Hedwig Friedmann s. A.-Garten. Familien Ch. Sarsky, Mchn., a. d. Namen ihrer geliebt. Schwester, Schwägerin u. Tante 5 B. 50.—; Benno Sarsky a. d. Namen s. 1. Tante 1 B. 10.—. Klara Fränkel s. A. - Garten. Sophie Honig z. Verlobg. ihres Bruders Leopold mit Frl. Adele Obernbreit 2 B. 20.—. Rron Pomeranz Frau Else geb. Grünberger Vermählte München KloVember 1919