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Das jüdische Echo · 1919-11-28 · 48 (28.11.1919) · p. Seite 578

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
48 (28.11.1919)
Date
1919-11-28
Page
Seite 578 (sequence 6)
Language
German
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578 Das Jüdische Echo Nr. 48 da sie vor zwei Jahren formell und öffentlich anerkannt wurden. Seitdem sind diese Forderungen durch die Erklärungen anderer großer Mächte und Regierungen bestätigt worden, und die Britische Regierung selbst hat durch wiederholte Schritte gezeigt, daß sie unverbrüchlich an der Erklärung festhält. Und jetzt glauben wir uns der Hoffnung hingeben zu dürfen, daß es nur noch wenige Monate dauern wird, bis diese feierlichen Versprechen in der Gestalt konkreter internationaler Vereinbarungen verwirklicht sein werden. Dieser große Augenblick wird die Organisation nicht unvorbereitet finden. In vollem Bewußtsein ihrer Verantwortlichkeit legen die Leiter unserer Organisation jetzt die letzten Grundsteine für die Aufstellung des großen Planes, der als Basis für die Errichtung eines jüdischen Palästinas dienen soll. Es war immer der Stolz der zionistischen Bewegung, das jüdische Volk zu dem Bewußtsein erzogen zu haben, daß sein Schicksal in erster Linie von seiner eigenen Willenskraft abhängt. Und selbst am heutigen Tage, da wir uns dankbar der mächtigen Hilfe erinnern, die Großbritannien uns versprochen hat, möchten wir uns von neuem ins Gedächtnis rufen, daß fremde Hilfe uns nur die Möglichkeiten verschaffen, uns nur das Fachwerk geben kann, daß es aber bei uns selbst steht, die Arbeit wirklich auszuführen, und daß der Erfolg vor allem von unserer Opferbereitschaft, unserer Geduld, unserer Disziplin und unserer Schaffensfähigkeit abhängt. Wir rufen das jüdische Volk auf, es mit allen in seiner Macht stehenden Mitteln sicherzustellen, daß die Zeit, in der unsere Forderungen, die die Welt jetzt anerkannt hat, in die Praxis umgesetzt werden müssen, uns entschlossen und vorbereitet finden soll. Die Führer der Zionistischen Organisation werden mit der gewissenhaften Sorgfalt und im Geist brüderlicher Zusammenarbeit mit allen Teilen des jüdischen Volkes die Aufgabe weiter verfolgen, das Versprechen vom 2. November 1917 in eine glorreiche Wirklichkeit umzusetzen. Das Executiv-Komitee der Zionist. Organisation. 0. Warburg. N. Sokolow. Ch. Weizmann. S. Levin. V. Jacobson. A. Hantke. Der jüdische Lehrersland in Bayern Am 31. August und 1. September hielt die „Arbeitsgemeinschaft jüdischer Junglehrer Bayerns“ ihre erste Vollversammlung ab, die sehr zahlreich besucht war. Die Tagung war von größter Bedeutung; galt es doch über wichtige innere und äußere Fragen Klarheit zu schaffen und Richtung und Art der künftigen Arbeit festzulegen. Brückheimer-Marktbreit erstattete den Tätigkeitsbericht der Organisation und gab ein ausführliches Bild von der intensiven Arbeit, die seit ihrer Gründung geleistet worden war. „Wie können wir unsere Lage bessern?“ lautete das Thema eines von Weil-Hof gehaltenen Referats, das die traurige Lage der jüdischen Lehrer in Bayern schilderte und Mittel angab, durch die eine Besserung erzielt werden kann. Zielinski-Höchberg legte in seinem Vortag über .„Unsere nächsten Aufgaben“ einen Plan für die künftige Arbeitsfähigkeit vor, der vielseitige Zustimmung fand. Den engsten Zusammenschluß aller Kollegen zur Hebung ihrer wirtschaftlichen Lage forderte Schloß-Aschaffenburg, der sich über „Die Gewerkschaftsfrage“ und den „Anschluß an den Verband“ verbreitete. Die lebhaften Debatten, die sich allen Referaten anschlossen, brachten eine Fülle von Vorschlägen und Anregungen, die teilweise dem Ausschuß zur weiteren Verarbeitung überwiesen wurden, teilweise zu wichtigen Beschlüssen führten. Von den angenommenen Anträgen seien hervorgehoben: 1. Wahl einer Kommission zwecks Aufstellung des Arbeitsprogramms (Vorsitzender Zielinski); 2. Resolution Strauß (Stellung zum Lehrerverein betreffend); 3. Antrag Gutmann (Stellung zu den „Ausländerlehrern“ und „Halblehrern“ betreffend); 4. Erhöhung des Beitrags (10 Mark). Aus der Neuwahl des Ausschusses gingen hervor: Brückheimer-Marktbreit als Vorsitzender, Karl Eisemann- Würzburg als Schriftführer, Hamburger-Würzburg als Kassierer, Adler, Blum, Gutmann und Schloß als Beisitzer. Nachdem noch Hamburger- Würzburg als Kassierer den Kassenbericht erstattet hatte, konnte infolge der vorgerückten Zeit der letzte Punkt der Tagesordnung nicht mehr zur Diskussion gestellt werden. Mit dem Appell: Auf zur Arbeit! Auf zum Kampf für unser Recht! schloß der Vorsitzende die vom. Geiste der Einmütigkeit getragene Versammlung. Folgen der Hetze Die „Münchener Post“ berichtet über antisemitische Flegeleien im Anschluß an monarchistische Kundgebungen: ..Dann drängte eine größere Menge nach der Theatinerstraße. Bin Reichswehrsoldat verfolgte einen anderen, auch in Soldatenuniform gekleideten Menschen. Ob der Verfolgte ebenfalls ein Reichswehrsoldat war, konnte nicht festgestellt werden. „Schlagt ihn nieder, schlagt ihn nieder!“ schrie es durcheinander. Man konnte denken, das gelte dem Fliehenden; es war aber nicht so. Die Menge hatte ein anderes Opfer aufs Korn genommen: einen Juden, dem bereits der Hut vom Kopfe geschlagen war. „Nieder mit den Juden!“ erscholl es im tausendstimmigen Chor. „Hoch Hindenburg, hoch Ludendorff!“ Ein Mann hieb mit dem Regenschirm auf den Bedrängten ein. Endlich umstellten den lebensgefährlich Bedrohten vier Reichswehrsoldaten und hielten die wildgewordene Rotte mit dem Revolver von weiteren Tätlichkeiten ab. Nun ging es wieder zur Feldherrnhalle zurück und alles sang begeistert „Heil unserm König, Heil!“ Der Rummel hatte hier aber der im Gebäude der alten Residenz stehenden Wachabteilung doch schon allzu lange gedauert; sie schritt ein und machte dem Spuk ein Ende. — Den Reichswehrsoldaten, die den unglücklichen Juden vor Schlimmstem bewahrt, gebührt Dank und Anerkennung. Weniger einigen Offizieren, die während des Tumults auf dem Gehsteige der Residenz gleichgültig auf- und abschritten. Von der Polizei, die mit wahrhaft musterhafter Abwesenheit glänzte, wollen wir nicht reden. Wir rufen nicht nach ihr, wir nicht. Wollen die Herren Studenten den Rummel wiederholen, so werden sie eine ganz andere Polizei auf der Walstatt ihrer siegesmutigen Kampffreude finden. Schwielige Hände und Fäuste gibt es genug, ihnen den verdienten Denkzettel in die Wimpern zu reiben.“ Zum Schluß ruft die „Münchner Post“ die Arbeiterschaft zum Protest.

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