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Das jüdische Echo · 1919-11-28 · 48 (28.11.1919) · p. Seite 577

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
48 (28.11.1919)
Date
1919-11-28
Page
Seite 577 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 577 mus bedroht alle Juden. Einige Herren, die Füße unter dem grünen Tisch, beratschlagen wie sie sich und ihresgleichen helfen können. Und sind ungehalten, wenn man ihr Verhalten der dadurch auch in der Folge schwer bedrohten Gesamtheit kundgibt. Folgerungen. Ist seitens der Zionisten und Ostjuden zu schroff, zu schonungslos vorgegangen worden? Haben sie dadurch auch ihrerseits die trotz allem mögliche Einigung erschwert? Sei’s drum! Die jüdischen Organisationen kümmern uns wenig. „Wir lieben sie nicht, wir hassen sie nicht . . .“ Sie sind lediglich Mittel zum Zweck, wollen sie mehr sein, so sind sie Schädlinge. Selbstzweck ist lediglich das schwer bedrohte jüdische Volk. . . . An das wenden wir uns. Mag es sich seine Organisationen, die Tummelplätze übermütiger Notabein, gefügig machen. Mag es sie dazu machen, was sie sein sollen, Instrumente, die starken Exponenten seines Wollens. Das würde der Sinn einer Zentralinstanz zur Bekämpfung des Antisemitismus sein, daß sie die jüdische Gesamtheit Münchens, vielleicht des Reiches, an dem Kampfe teilnehmen läßt, den die Organisationen, stark im Bewußtsein, das jüdische Volk in Deutschland zu vertreten, werden führen müssen. Gewiß soll keine jüdische Organisation, auch nicht der Zentralverein, ausgeschaltet werden, auch wenn man ihn in diesem Kampfe statt von einigen angesehenen Herren von dem Willen des Volkes abhängig macht. . . Was ist das: Volk? Es is die lebendige Liebe allem, jüdisch Geborenen gegenüber, die im Höchsten wie im Niedrigsten noch das Jüdische spürt. Es ist leicht, sich der Propheten zu rühmen und auf bettelarme Ostjuden zu schimpfen. Es ist leicht, mit Verachtung oder Haß sich von denen abwenden, die „Rischus machen“, heißt, die satte Behaglichkeit stören. Wir sehen selbst in jüdischen Notabein schlimmster Art noch den Juden, wenn, wir auch seinen illegitimen Einfluß einzuschränken suchen, wo es möglich ist. „Nicht mitzuhassen, mitzulieben bin ich da.“ Karl Glaser.' Die Jüdische Legion Zu den Fragen, die in Palästina an der Tagesordnung sind, gehört das Problem der Jüdischen Legionäre. Charakteristisch sind folgende Ausführungen, die Herr Abraham Katzenelson im „Hapoel Hazair“ unter der Überschrift „Zur Frage der jüdischen Armee“ veröffentlicht. „Die tschecho-slovakischen Soldaten, die polninischen usw., haben fünf Jahre lang an den Schlachten teilgenommen und stehen auch jetzt noch in den vordersten Reihen unter den schwierigsten Bedingungen. Und wir? Wir, die -wir so dringend eine Zentralisierung unserer realen Kräfte gegenüber den verschiedenen Schwierigkeiten benötigen, wir sehen bei uns nur Demobilisation anstelle von Mobilisation. Wir beschäftigen uns nicht mit der Frage der Existenz und des Niveaus unserer Regimenter, sondern mit der Frage der demobilisierten Soldaten. Unser Volk macht es umgekehrt wie die anderen Nationen: Jene stützen sich auf ihre Kraft, wir auf unsere Schwäche. Dr. Katzeneison schlägt vor: 1. Den Ruf nach neuen Freiwilligen zu erlassen zwecks Ausfüllung der entstandenen Lücken. 2. In den existierenden Regimentern systematisch eine jüdische Atmosphäre zu schaffen. „Es ist nicht genug, für diesen Zweck die alten Kokarden durch eine Menorah zu ersetzen und den alten Namen durch eine neue Bezeichnung. Hier kommt es auf die nationale Atmosphäre an. Es ist notwendig, daß unsere neuen Regimenter „Judäer“ sind nicht nur dem Namen nach, sondern auch dem Geiste nach.“ Diesen Ausführungen trat in der nächsten Nummer des „Hapoel Hazair“ Herr Nathan Chafschi mit einer scharfen Erwiderung entgegen. Derselbe erklärt sich als extremer Gegner eines jeden Militarismus. Das Judentum in Palästina könne seine Zukunft nur auf Arbeit und Frieden bauen, und wir hätten die Pflicht, rechtzeitig den Warnungsruf zu erlassen: „Nicht das ist der Weg!“ An dem Jage, wo wir zu der erschreckenden Überzeugung kommen werden, daß ein Volk ohne die gepanzerte Faust keine Existenzberechtigung hat, werden wir erklären: Lieber wollen wir untergehen, als unsere Hände mit Blut beflecken! Zu diesen Ausführungen nimmt die Redaktion des „Hapoel Hazair“ mit folgenden Worten Stellung: „Die Auffassung unseres Kollegen Chafschi über den Militarismus ist gewiß berechtigt. Aber sobald sie in eine verzerrte Lebensformel und ein totes Dogma verwandelt wird, ist sie für unser Volksleben völlig wertlos. Eine solche Auffassung kann auch das Gegenteil von dem herbeiführen, was sie erstrebt. Man darf nicht ohne weiteres das Militär, das der Gewaltherrschaft, der Eroberungssucht, dem Kapitalismus dient, mit einer nationalen Wehrmacht in eine Reihe stellen, die den einzigen Zweck hat, die Heimat und die Volksgenossen zu schützen, was unter den gegenwärtigen Verhältnissen eine Notwendigkeit ist, von der sich kein Volksgenosse befreien kann. Äufruf des Engeren Äktions-Comites anläßlich des Deklarationstages An das jüdische Volk! Am 2. November dieses Jahres jährt sich zum zweitenmal der Tag, an dem Großbritannien durch die Deklaration Balfours das Recht des jüdischen Volkes auf die Errichtung seiner nationalen Heimstätte in Palästina anerkannt und seine Mitarbeit am Aufbau einer solchen Heimstätte versprochen hat. Als der große Krieg zu Ende ging, hofften wir alle, daß der Augenblick bereits gekommen sei, da mir unsere Arbeit ernstlich aufnehmen könnten. Dieser Augenblick ist aber auch jetzt noch nicht gekommen. Das jüdische Volk teilt das Los der ganzen Menschheit, die nach den schrecklichen Jahren noch immer auf den wirklichen Frieden wartet. Noch schwereres Leid. als den übrigen Völkern hat uns dieser Zeitraum zwischen Versprechen und Erfüllung gebracht, und noch größer waren die Anforderungen an unsere Geduld und Ausdauer, angesichts der furchtbaren blutigen Opfer, die während dieser ganzen zwei Jahre von Tag zu Tag von unserem Volke gefordert wurden. Aber Not und Verfolgung haben nicht vermocht, den Willen unseres Volkes zu schwächen, der fest und unerschütterlich bleibt, gleich der Geltendmachung unserer Forderungen seit dem Tage,

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