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Das jüdische Echo · 1919-11-21 · 47 (21.11.1919) · p. Seite 532

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
47 (21.11.1919)
Date
1919-11-21
Page
Seite 532 (sequence 8)
Language
German
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568 Das Jüdische Echo Nr. 47 Die Schrift B.’s enthält noch viel interessantes Material zur Geschichte der Juden in Nürnberg und Fürth, das sich hauptsächlich auf Akten und Urkunden des Nürnberger Kreisarchivs stützt. Zu gelegener Zeit wird hierauf zurückzukommen sein. Jac. Fränkel. Major Endres über die antisemitische Hetze In einem Vortrag über „Geistige und wirtschaftliche Kämpfe der Zukunft“ im Kaufmännischen Verein am 14. November wies Major Franz Carl Endres gleich am Beginn darauf hin, daß heute das geistige Kennzeichen des Lebens der Haß sei, der nicht nur die große Politik, sondern auch das innerpolitische Parteileben erfülle. Gegen Ende des Vortrages nahm er den Gedanken wieder auf mit folgenden Ausführungen: Gestatten Sie mir eine Einschaltung, meine Damen und Herren, die mir vielleicht die offene Feindschaft von so und so vielen unter Ihnen einträgt. Ich möchte nicht sagen, daß mir an dieser Feindschaft nichts liegt, aber ich habe mir in meinem Leben schon so viele Feindschaften zugezogen, daß ich dem hohen Ernst, der mich in diesem Punkt erfüllt, auch noch dieses Opfer bringen möchte. Es sind die Vorkommnisse der letzten Zeit in München, die mir als kulturbestrebtem, nach Kultur ringenden Menschen die Schamröte ins Gesicht treiben, ich meine die Form, in der der deutsche Staatsbürger augenblicklich gegen seine jüdischen Mitbürger vorgeht. Man braucht kein Philosemit zu sein, man kann sagen, — über Geschmack läßt sich ja nicht streiten — man kann also sagen: mir ist die jüdische Rasse unsympathisch, die deutsche gefällt mir besser. Gut, aber eine Kulturnation darf sich niemals auf den Standpunkt von Kosaken stellen, und wenn sie das tut, gibt sie sich das größte Armutszeugnis. Wer das Judentum kennt, und ich gestehe offen, obwohl bis ins 16. Jahrhundert hinauf in den Adern meiner Ahnen nicht ein Tropfen jüdischen Blutes geflossen ist, daß ich es kenne, aus meiner Zeit im Orient und aus langem Studium dieses Volkes, und daher weiß ich genau, daß der anständige Teil des Judentums den jüdischen Wucherer, Kriegsgewinnler, Schieber, Frontdrücker genau so verurteilt, wie der anständige Christ es bei den christlichen Vertretern dieser Erwerbszweige tut. Grundfalsch ist es, in einem jüdischen Wucherer das Judentum personifiziert zu sehen, genau so falsch, wie wenn man im Simplizissimus-Leutnant die Armee sieht oder in einem Hetzkaplan die katholische Kirche. Das sind kulturlose Verallgemeinerungen, die eine kritiklose Gesellschaft aufnimmt, weil es eine „Hetz“ gibt. Wer ruhig nachdenkt, muß sich sagen, das kann doch nicht so sein, das ist doch ganz unmöglich. Mir ist gestern ein Vorfall erzählt worden, den ich nur mit Empörung wieder erzähle: In einem Münchener Gymnasium sind durch kleine Kinder von elf Jahren judenhetzerische, schon fast pogromatmende Flugblätter unter Kinder verteilt worden und diese haben sich dann vereinigt, um die paar armen Judenkinder in der Klasse einträchtiglich zu verprügeln. Wo bleibt da der Standpunkt der deutschen Kulturnation? Erzählen Sie ruhig weiter: für mich ist das der Standpunkt einer kulturarmen Nation und für die, die mich dafür morgen oder übermorgen in der Zeitung angreifen, sage ich, daß ich von jüdischer Seite nicht bezahlt bin. Der Vortragende schloß mit dem heißen Wunsch, daß wir uns alle einigen in dem hohen Ideal der Humanität. Es gebe kein innerpolitisches Problem, das nur durch Haß, und keines, das nicht durch Menschenliebe gelöst werden könne. Wir glauben, diese Ausführungen in ihrer klaren Eindeutigkeit für sich allein wirken lassen zu sollen und enthalten uns deshalb jedes Zusatzes. W. L. Der „Gesamtausschuß“ Vor einem Jahre haben die hier bestehenden ostjüdischen Vereine in der* Erkenntnis, daß eine Reihe äußerst wichtiger gemeinsamer Aufgaben besteht, die von einzelnen Personen oder einzelnen Vereinen nicht gelöst werden können, sich zusammengeschlossen und ihre Vertretung, den „Gesamtausschuß der Ostjuden in München“ ins Leben gerufen. Doch äussere und innere Erscheinungen im Leben der hiesigen ostjüdischen Gemeinschaft zeitigten den Umstand, daß der „Gesamtausschuß“ seine Tätigkeit in größerem Maße, wie ursprünglich gedacht, entfaltet. Die Notwendigkeit dieser Institution zeigt sich immer deutlicher. Nicht bloß eine kraftvolle Vertretung nach außen, sowohl der Öffentlichkeit gegenüber, als den Behörden und der jüdischen Gemeindeverwaltung, sondern der Drang nach jüdisch-kulturellem Ausleben eröffnet dem Gesamtausschuß weittragende Aufgaben. In einer durchwegs ungünstig gesinnten Umwelt lebend, müssen die Ostjuden in dieser politisch bewegten Zeit stärker denn je ihre Organisation ausbauen. Mit diesen Fragen beschäftigte sich die vor wenigen Tagen hier stattgefundene Generalversammlung des „Gesamtausschusses“. Der Vorsitzende, Herr Jakob Reich, der die Agenden des „Gesamtausschusses“ mit der er- JJlöndjncr Jlcuefte 3lad?nd?fen <9rö|?te,fägl.2mal erfdjeinenbe 3eitung 6üb* unb 3ttitteibeutfdj* lanb$. tfauffräffiger £eferfrete unb Ober jOeutf$ianb4($ren$en hinauf gebenbe Verbreitung. <5ro&erfauf* männ. u. ge©erbl.6teflenmarff Slnerfannt fefjr erfolgreich für Slnjeigen aller 2frt. Sinnigen* preitf unb 3ia<hlafj nach Sarif. 2e$ugtyrei6 monatf.2JW,3.— bei allen beutföen peftanjfatfen SägUdKSCuflage 2mat leooooßjemjrtare/ÜbetVzSDWUonlefer y

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