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Das jüdische Echo · 1919-11-21 · 47 (21.11.1919) · p. Seite 530

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
47 (21.11.1919)
Date
1919-11-21
Page
Seite 530 (sequence 6)
Language
German
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566 Das Jüdische Echo Nr. 47 den Zeitraum nach der Entlassung der ersten Regimenter gemäß dem Vertrage, der zwischen den letzteren und der englischen Regierung geschlossen worden ist, ist es notwendig, von der englischen Regierung die Genehmigung zu erhalten, neue jüdische Regimenter zu bilden aus den Reihen der palästinensischen Juden im Auslande (Kaukasus, Rumänien, Polen und anderen Ländern). Die neuen Regimenter werden die sämtlichen verschiedenen Militär-Abteilungen umfassen (Infanterie, Kavallerie. Artillerie. Flieger uswj. Die Erhaltung der jüdischen Militär-Abteilungen im Lande ist unter den im Lande herrschenden Bedingungen ein Lebensbedürfnis und eine nationale Notwendigkeit. b) Arbeit für die Regimenter: 5. Sämtlichen Angehörigen der jüdischen Regimenter, die im Lande verbleiben wollen, muß die Möglichkeit gegeben werden, sich für einen Arbeitsberuf vorzubereiten, noch während sie in der Armee sind, wie es auch in den englischen Regimentern geschieht, wo viele Soldaten noch vor ihrer Entlassung nach Handwerker-Schulen und technischen Kursen abkommandiert werden, um verschiedene Handwerke zu erlernen. Auch in den jüdischen Regimentern sind solche Versuche gemacht worden. Etwa 100 Legionäre sind nach der landwirtschaftlichen Schule in Mikweh Israel zwecks landwirtschaftlicher Ausbildung abkommandiert worden. Die Zionistische Organisation besitzt einige Farmen im Lande, wo es eine Leichtigkeit wäre, für die jüdischen Soldaten nach dem Beispiel in Mikweh Israel landwirtschaftliche Kurse und Feldarbeits-Übungen einzurichten. Zu diesem Zweck könnte man auch die jüdischen kooperativen Arbeitergruppen benutzen. Ebenso muß allen denjenigen, die sich in der städtischen Industrie ausbilden wollen, die Möglichkeit gegeben werden, an den von der Regierung für die Soldaten errichteten technischen Kursen zwecks ihrer Ausbildung in ihren Spezialfächern teilzunehmen. 6. Außer den 1000 jüdischen Legionären aus dem Regiment Nr. 40 gibt es etwa 600 jüdisch amerikanische Soldaten, die größtenteils dem Regiment Nr. 39 und in geringer Anzahl auch dem Regiment Nr. 38 angehören, die sich im Lande niederlassen wollen mit der Absicht, sich am Aufbau des Landes zu beteiligen und einen produktiven Arbeitsberuf auszuüben. Die zionistische Organisation ist daher verpflichtet, jetzt schon die Mittel zu ergreifen, um die entsprechenden Projekte auszuarbeiten, um all den Freiwilligen nach ihrer Demobilisierung die Möglichkeit zu gewähren, sich produktiv bei der Bearbeitung des Landes zu betätigen. 7. Der größte Teil der Legionäre, die entschlossen sind, im Lande zu verbleiben, hat den lebhaften Wunsch, sich als landwirtschaftliche Arbeiter niederzulassen, sei es in den kooperativen Gruppen auf den Ländereien des Jüdischen Nationalfonds, sei es unter anderen Kolonisationsformen. Viele unter ihnen wollen ihre militärische Erfahrung und Befähigung ausnutzen zum Zwecke der Errichtung von Überwachungs- und Schutz-Siedlungen an den Grenzen des Landes. Die zionistische Organisation muß die erforderlichen Ländereien und die entsprechenden Geldmittel zur Verfügung stellen, damit diese wichtigen Elemente, die im Lande zum Schutz und zur Arbeit verbleiben, ihre ganze Kraft, Energie und Organisations- Fähigkeit dem Lande widmen können, woran doch das verwüstete und verwilderte Land so großen Bedarf hat. 8. Die britische Regierung hat ihren Soldaten Boden und kolonisatorische Hilfe zugesichert für den Fall, daß diese nach ihrer Demobilisierung sich als Landarbeiter niederlassen wollen. Wir schlagen daher der zionistischen Organisation vor, die Frage zu erörtern, ob die britische Regierung bereit ist, für die jüdischen Soldaten, die sich in Palästina niederlassen wollen, genügend Boden zur Verfügung zu stellen und ihnen durch Errichtung von Gebäuden und Zuweisung von kolonisatorischen Hilfsmitteln behilflich zu sein. 9. Ein Teil der Freiwilligen, die im Lande verbleiben wollen, hat die Absicht, in Palästina die Fischerei, Schiffahrt und andere Wasserarbeiten zu entwickeln, Berufe, die sie noch vor ihrem Eintritt in die Armee betrieben haben. Unser Land, das am Meeresufer liegt, hat eine große Zukunft inbezug auf Schiffahrt. Viele von den Soldaten, die ihrem Berufe nach Mechaniker, Techniker, Schlosser, Wagenführer, Chauffeure sind, möchten hier ihren Beruf fortsetzen. Die Zionistische Organisation muß dafür Sorge tragen, daß all diese Elemente die Möglichkeit erhalten, ihre Kenntnisse und ihre Fähigkeiten dem Lande und der Bevölkerung dienstbar zu machen. Ausführliche Projekte betreffs der Realisierung der angeführten Punkte müssen zusammengestellt werden durch die Vertreter der zionistischen Organisation unter Beteiligung der Angehörigen der Regimenter und der Vertreter der organisierten Arbeiter in Palästina. T5 Liberales Judentum’ Am 13. Oktober fand in den überfüllten Prinzensälen in München eine Versammlung des Vereins für die Interessen des liberalen Judentums statt, in der Rabb. Dr. Cäsar Seligmann (Frankfurt a. M.) und Generalsekretär Rechtsanwalt Heinrich Stern (Berlin) sprachen. — Es war nicht leicht, sich aus den Ausführungen des Herrn Dr. Seligmann ein klares Bild seine#’ Wollens herauszuschälen. Vieles war gut. wenn auch nicht neu; anderes widerspruchsvoll und gefährlich. — Sein Hymnus auf das „geliebte“ München war ebenso unnötig wie die Erwähnung der Tatsache, daß neben deutschchristlichem auch „deutschjüdisches“ Blut im Kriege geflossen ist. Sympathisch berührte die Absage an den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens wegen seiner Taktik in der Bekämpfung des Antisemitismus. Als er weiter auf das Judentum, die jüdische Familie zu sprechen kam, wurde er warm; hier war etwas von Idealismus zu spüren, den jetzt leider so viele ganz vermissen lassen. Das jüdische Haus, so sagte er. muß unser warmes Nest sein und bleiben, wir müssen uns darin wieder so heimisch fühlen, daß uns Angriffe von außen her nicht stören. Die alte Burg des überlieferten Judentums ist heute baufällig geworden; manches hat der Strom der Zeit weggerissen. Um unserer Kinder willen müssen wir die Lücken wieder auffüllen und den Bau der Gegenwart anpassen. Wir stehen nicht auf dem unerbittlichen Standpunkt der Orthodoxie, die sagt: Entweder Schulchan Aruch— oder nichts. Wir wollen alles erhalten, was erhalten werden kann (z. B. (!!) „Einsegnungen, Konfirmationen“). Von unseren Bekennern fordern wir mehr als alle Parteien im Judentum: Die traute Poesie des Freitagabends wollen wir nicht missen, jederzeit wollen wir eingedenk sein der hohen Bedeutung des Judentums, das da reinste Menschenliebe, erhabenste Friedens- und Sittenlehre predigt,

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