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Das jüdische Echo · 1919-11-21 · 47 (21.11.1919) · p. Seite 528

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
47 (21.11.1919)
Date
1919-11-21
Page
Seite 528 (sequence 4)
Language
German
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564 Das Jüdische Echo Nr. 47 reichte und das zu Erreichende zu sieben. Wir begrüßen deshalb den Aufsatz des bekannten russischen Zionisten Pasmanik, Mitglieds der jüdischen Delegation in Paris und der Regierung der Krim in den „Jewish Times“, der im Verlauf einer Polemik mit Zangwill folgendes ausführt: „Was ist Zionismus? Ein jüdischer Staat, den man von einer oder vielen Großmächten erhält, und Schluß.“ So denkt die Masse und so denken bedauerlicherweise alle großen und kleinen „Träumer des Ghetto“. Dies ist aber nicht richtig. Wenn man den Zionismus auf den einfachsten Ausdruck bringen will, so ist er zu allererst kein politischer Erfolg, nur eine Aufgabe für eine Organisation der ökonomischen Kräfte des jüdischen Volkes. Die Verwirklichung des Zionismus hängt nur davon ab, was unser Volk allein mit seinen eigenen Kräften schaffen wird. Je mehr ökonomische Kräfte der Zionismus haben wird, desto schneller wird er politische Erfolge erzielen können. Der Zionismus ist praktisch zu allererst ein Problem der Massenansiedlung von Juden in Palästina, ein sehr schweres Problem und ein Unternehmen, zu dem man Hunderte von Millionen Pfund Sterling benötigt, überhaupt, wenn man von einer Emigration nicht nach New York oder London, in schon fertige ökonomische Zentren, spricht, sondern nach Palästina, wo man alles erst von Grund auf schaffen muß. Es handelt sich nicht um eine Immigration von städtischen Arbeitern und Kaufleuten, sondern um eine solche, die eine landwirtschaftliche Bevölkerung schaffen soll. Dies sind alles Fragen nicht einer gelungenen Politik, sondern einer systematischen Organisierung unserer ökonomischen Kräfte. Bestenfalls kann die Politik für uns bloß Bedingungen für die Arbeit schaffen, aber nicht die Tatsachen, die Wirklichkeit. Seien wir offen; in unserer Epoche von politischer Sentimentalität kann man nicht nach einem jüdischen Staat rufen, wo die Juden vorderhand nur eine Minderheit im Land bilden. Bloß Dichter können die Phrase wiederholen: „Gebet ein Land ohne Volk dem Volk ohne Land.“ Es ist wohl wahr, daß die Juden ein Volk ohne Land sind, aber nicht wahr ist es. daß Palästina ein Land ohne Volk ist. Man darf nicht vergessen, daß unsere wirkliche Politik erst dann beginnen wird, wenn die Juden die Mehrheit der palästinensischen Bevölkerung bilden werden. Mit anderen Worten: wir müssen zu allererst in den nächsten Jahren in Palästina 600 000 Juden ansiedeln. Dies ist eine riesige ökonomische Aufgabe. Laut Berechnung der maßgebendsten Fachleute benötigen wir für die nächsten Jahre mindestens 20 Millionen Pfund, um eine planmäßige Immigration in Palästina leiten zu können, d. h. um raschestens eine jüdische Mehrheit in diesem Lande zu schaffen, eine Mehrheit, die in ihrer ökonomischen und kulturellen Schöpferkraft stark sein soll, stark nicht mit Prätentionen. sondern mit realer Kraft. Dies ist die nächste Aufgabe des Zionismus, die nicht leicht durchführbar ist. Um diese Frage zu lösen, bedarf es der Anstrengung aller Kräfte unseres Volkes, der materiellen und geistigen. Das Volk muß alle Schwierigkeiten der vor uns stehenden Aufgaben kennen und muß verstehen, daß von seiner eigenen Energie, Organisierung und Opferwilligkeit die Erreichung unseres Ideales, d. h. seine Rettung abhängt. Wir stehen jetzt vor einer ganz unerwarteten Schwierigkeit. Die ökonomischen Kräfte des ganzen östlichen Judentums, das am meisten am Zionismus interessiert ist, sind de facto jetzt und noch für mehrere Jahre paralysiert. Zum größten Teil sind die Ostjuden, besonders die Südostrußlands, ausgeplündert und ruiniert, und das Judentum des Ostens besitzt Papiergeld, das auf dem internationalen Markte beinahe gar keinen Wert hat. Außerdem kann es überhaupt nicht organisiert werden wegen des vollständigen Zerfalls von Rußland. Dem westeuropäischen und amerikanischen Judentum obliegt jetzt die Pflicht, die leeren Plätze einzunehmen, die durch den Zerfall von Osteuropa geschaffen worden sind, um dem Zionismus die Mittel zu geben, die zur Organisierung des Anfangs der Massenemigration nötig sind. Ich wiederhole: in der jetzigen Zeit ist der Zionismus keine politische, sondern eine ökonomische Frage.“ Diesen Aufsatz, der ja nur wiederholt, was seitens aller verantwortungsbewußten Zionisten stets betont worden ist, verdient weiteste Verbreitung, weil er durchaus klar feststell't, was der Zionismus augenblicklich will und wie weit sein gegenwärtiges Können reicht und reichen kann. Es ist bereits genug' von diplomatischen Erfolgen gesprochen worden — genug von dem was andere für uns tun werden. Es ist Zeit von dem zu reden und immer wieder zu reden, was wir selbst für uns tun müssen, damit es getan werde. Wir haben alles Vertrauen zu unserem Volke. Aber im Anschluß an die ehrlichen Ausführungen Pasmaniks sei es uns gestattet, darauf hinzuweisen, daß nur das Volk alle Schwierigkeiten überwinden wird, das diese Schwierigkeiten und damit die Größe seiner Aufgabe kennt. Dafür aber scheint uns auch von zionistischer Seite noch nicht genug getan worden zu sein. Die „Enthüllungen über Palästina“, die von Zeit zu Zeit immer wieder erfolgen, müßten überflüssig werden, weil jedermann die Wahrheit kennt, mag sie gut oder schlecht sein. Gewiß bringt jeder Tag eine Fülle von Meldungen aus Erez Jisroel. aber nur wenige sind imstande sich aus diesen Meldungen ein klares Bild zu machen. Man stelle sie zusammen, orientiere die Presse in gewissen Abständen genau über alle Fragen des Aufbaus. Hat man Angst vor Entmutigung? Im Gegenteil; es liegt kein Grund vor zu glauben, daß wir in der Gefahr erschlaffen werden, statt alle Muskeln zur entscheidenden Anstrengung zu straffen. In diesem Sinne möge man die folgenden Fragen verstehen. Für wann ist die Möglichkeit einer größeren Einwanderung zu erwarten? Was tut man. um sie vorzubereiten? Gibt es Anfänge eines Emigrationsamtes, das in allen Zentren des europäischen Ostens ebenso seine Agenten hat. wie in den in Betracht kommenden Hafenstädten? Beginnt man sich die Erfahrungen der großen Schiffahrtsgesellschaften, der Hapag, der Cunard-Linie und der großen jüdischen Wohltätigkeitsorganisationen auf dem Gebiete des jüdischen Auswanderungswesens zu Nutze zu machen? Lichtheim tadelte in seinem Briefe an die Sitzung des Zentralkomitees, daß „die Koloni* sation nicht finanziell vorbereitet werde und daß in Palästina selbst zu wenig Vorbereitungsarbeit geschehe“. Wie steht es damit? —. Wie sieht es im Lande selbst aus? Die Stimmung der arabischen Bevölkerung soll gereizt sein. Ist es wahr, daß die nationalarabische Bewegung und ihr organisatorischer Ausdruck, das Komitee Al Ahd, dessen Seele der bekannte Emir Faissul ist, allein in Syrien und Palästina über 75 Hauptstellen und unzählige Untergruppen besitzt, daß die Macht des scharf judenfeindlichen islamitisch-christlichen Komitees in Jerusalem ständig im Wachsen ist? Ist es wahr, daß Emir Faissul, der in Paris und London erfolglos Palästina für seinen Hedschasstaat

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