Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 46 (14.11.1919)
- Date
- 1919-11-14
- Page
- Seite 353 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 Das Jüdische Echo 553 lieh, daß umgekehrt „die Zusammenarbeit aller Zionisten auch am gesetzestreuen Judentum nicht scheitern dürfe!!“ Und sein Bekenntnis gipfelt in der schönen Formel frei nach Rabbi Chanina ben Dossa: „Wessen Zionismus größer ist als seine Gesetzestreue, dessen Gesetzestreue hat Bestand; wessen Gesetzestreue größer ist als sein Zionismus, dessen Gesetzestreue hat nicht Bestand. Hier steht die logische Weiterentwicklung der Gedankengänge, von denen der Misrachi sich in die Irre führen läßt, in erschütternder Nacktheit vor uns. Man möchte angesichts solcher Erlebnisse mit Engelzungen reden, um alle diejenigen Misrachisten, in denen noch ein Funke von ehrlicher jüdischer Treue zu Gott und seinem Gesetze glüht, zur Besinnung zurückzurufen, bevor der Misrachi, sehr gegen Wunsch und Willen der meisten seiner Führer, seine Anhängerschar an den Abgrund geführt haben wird. Zionistisches Zentralkomitee Am 2. und 3. November hielt das Zentralkomitee der zionistischen Vereinigung für Deutschland unter starker Beteiligung aus allen Gegenden Deutschlands eine Tagung ab, die neben eingehender Beratung der Palästina-Angelegenheiten und der politischen Lage sich mit dem jüdischen Kongreß und der Frage der Gesamtvertretung der deutschen Juden beschäftigte. In Vertretung des aus London nicht rechtzeitig eingetroffenen Dr. Jacobson referierte Dr. Hantke über „Unsere Stellung zum Actions-Comite“. Wir heben folgendes aus dem Referat hervor: Die Anerkennung der Judenfrage als eines politischen Problems, die Zustimmung zu der zionistischen Palästinaforderung und die ersten Schritte auf dem Wege der nationalen Autonomie seien die drei großen politischen Erfolge des Actions-Comites. Man dürfe freilich keinen zu schnellen Fortgang der Entwicklung verlangen und müsse berücksichtigen, wieviel Jahrzehnte es gedauert hat, bis die 1789 begonnene Entwicklung zur wirklichen Durchführung der Gleichberechtigung geführt habe. Kritik an der Leitung sei gut und notwendig. Was Palästina anbetrifft, so können wir das Mandat Englands als gesicherte Tatsache ansehen, ebenso, daß das Mandat mit der Auflage erteilt wird, in Palästina die nationale Heimat des jüdischen Volkes zu errichten. Die englische Regierung hat auch die ernste und ehrliche Absicht, die Balfoursche Erklärung in die Wirklichkeit umzusetzen. Auch die öffentliche Meinung in England steht unseren Wünschen durchweg günstig gegenüber. Dennoch herrschte vielfach Unzufriedenheit mit der Entwicklung der Dinge. Man weise insbesondere darauf hin, daß der Vertrag mit der Türkei noch immer nicht geschlossen, der Völkerbund nicht gegründet und das Mandat für Palästina noch immer nicht erteilt sei. Dieser Zustand sei aber ausschließlich Folge der allgemeinen politischen Lage. Wann dieses Übergangsstadium beendet sein werde, könne man heute noch nicht übersehen. Beruhigend sei aber, daß die Pläne d'er englischen Regierung bekannt seien, wie ja auch die prinzipielle Zustimmung aller übrigen Mächte vorliege. Man habe dem Actions-Comite vorgeworfen, daß es nicht den Judenstaat verlangt habe. Dieser Vorwurf sei unbegründet. Was die Araberfrage anbetreffe, so würde es bei einer verständigen und gerechten Politik durchaus möglich sein, zu einer ehrlichen Verständigung zu gelangen. Wenn auch die Hauptziele unserer Politik erreicht seien, stehe doch auch weiterhin die eigentliche politische Tätigkeit im Vordergründe der Arbeiten des Londoner Büros. Ebenso sei die Vorbereitungsarbeit für Palästina in London konzentriert. Der Redner ging dann ausführlich auf die Galuthpolitik ein und auf das zukünftige Verhältnis der zionistischen Zentrale zu den Landesverbänden und Fraktionen. Die Organisation müsse sich daran gewöhnen, nicht nur Kritik an der Tätigkeit der Leitung zu üben und Forderungen zu stellen, sondern sich durch positive Mitarbeit mündig zeigen. Das gelte auch von der deutschen Landsmannschaft, die zwar nicht sehr groß und allgemein politisch im Augenblick ohne Bedeutung sei, aber zahlreiche Sachverständige auf den verschiedensten Gebieten unserer Arbeit in ihrer Mitte habe und eine feste zionistische Tradition besitze. Nach einer sehr eingehenden Debatte, in der Trietsch und Ruppin das mögliche Tempo der Einwanderung erörterten, von anderen die Möglichkeit und Notwendigkeit eines freundschaftlichen Verhältnisses zu den Arabern betont, von allen Seiten die Notwendigkeit eines baldigen Kongresses betont wurde, gelangte folgender Antrag Bubers zur einstimmigen Annahme: „Das Zentralcomitee dankt dem Engeren Actions-Comite in London für die von ihm geleistete Arbeit und beglückwünscht es zu seinen bedeutsamen Erfolgen. In der Überzeugung, daß die Einheit der Zionistischen Organisation die Wiederherstellung des demokratischen Charakters der Zionistischen Organisation und Arbeit verlangt, erachtet das Zentralcomitee die. sofortige Einberufung der Jahreskonferenz und die schnellmögliche Ausschreibung des Zionistenkongresses als dringendstes Erfordernis. Bei der Einladung zur Jahreskonferenz sollen alle Föderationen und Richtungen angemessen berücksichtigt werden. Zur Vorbereitung beider Tagungen möge das E. A. C. sofort die öffentliche Diskussion aller aktuellen Fragen zionistischer Arbeit herbeiführen und ihr eine eingehende Darlegung der Grundlagen seiner Palästina- und Galuthpolitik vorangehen lassen.“ In der 2. Sitzung referierte Felix Rosenblüth- Berlin über die Frage des jüdischen Kongresses in Deutschland. Nach der Hauptversammlung des Zentralvereins wurde in einer gemeinsamen Sitzung des Zentralvereinsvorstands mit unserem Geschäftsführenden Ausschuß vereinbart, im September in einer neuen Sitzung endgültig festzustellen, ob wir einen gemeinsamen Kongreß veranstalten wollen. Diese Sitzung hat nicht stattgefunden. Wir müssen heute eine prinzipielle Entscheidung treffen. Wer den Weltkongreß fordert, muß prinzipiell auch den jüdischen Kongreß in Deutschland fordern. Sobald die Weltkongreßbewegung sich soweit entwickelt haben wird, werden wir auch an den jüdischen Kongreß in Deutschland wieder herangehen. Die deutschen Fragen sind aus dem Kongreßprogramm auszuschalten. Br. Klee-Berlin referiert eingehend über die Frage der Gesamtvertretung der deutschen Juden. Er wendet sich gegen den Rosenblüthschen Standpunkt. Man könne heute noch nicht sagen, ob die Weltkongreßbewegung sich ent-