Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 44 (31.10.1919)
- Date
- 1919-10-31
- Page
- Seite 532 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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532 Das Jüdische Echo Nr. 44 jüdischen Volke Palästina als öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte mit dem unausgesprochenen Vorbehalt zugebilligt haben, daß diese Heimstätte auch aufgebaut wird. Die ausgezeichneten Lichtbilder des Herrn Trietsch werden es selbst dlem Skeptiker klargemacht haben, daß die Möglichkeit dazu vorliegt. Besonders interessant in dieser Hinsicht waren die Kartenskizzen, die eine Übersicht über die physikalische und politische Gestaltung Palästinas gewährten. Schon heute besitzt Palästina ein für vorderasiatische Verhältnisse bemerkenswert entwickeltes Eisenbahnnetz, das in nächster Zeit Anschluß an einen der ganz großen Wege des Weltverkehrs erhalten wird, an die Kap-Kairo-Bahn, die erste Etappe der Linie Kapstadt-Kalkutta. Bereits vor dem Kriege iibertrafen die Ein- und Ausfuhrziffern des Landes die entsprechenden Zahlen der Gesamttürkei um das Dreifache. Wenn Jaffa den projektierten Hafen erhalten haben wird, wenn die Wasserfälle der Quellflüsse des Jordans zur Krafterzeugung ausgenützt werden, wenn schließlich die Landwirtschaft beginnen wird, mit den neuen Errungenschaften der Technik zu arbeiten, so ist sowohl mit einem ungeahnten Aufschwung von Landwirtschaft, Industrie und Handel zu rechnen, als auch mit Möglichkeiten der Einwanderung und der Bevölkerungsdichte, die freilich in den gewohnten europäischen Verhältnissen kein Vorbild1 finden. Was schon jetzt unter der türkischen Herrschaft und während des Krieges geleistet werden konnte, zeigten besonders eindringlich eine Anzahl von Fliegeraufnahmen. Kein anderes Bild könnte so wie eine Fliegeraufnahme den blühenden Zustand jüdischer Kolonien deutlich machen. Inmitten einer grauen, toten Fläche liegen wohlbebaute Felder und Pflanzungen, saubere Häuschen, lebendige Beispiele dessen, was jüdischer Fleiß auf palästinensischem Boden feisten kann. Bilder des jüdischen Stadtviertels von Jaffa, von Tel Awiv mit dem hebräischen Gymnasium und seinen Schülern, von den Werkstätten des Bezalel in Jerusalem und seinen künstlerisch oft hervorragenden Erzeugnissen schlossen sich den Koloniebildern gleich bedeutsam an. Das Überraschendste freilich waren die Bilder von Berseba, der südlichsten Stadt Palästinas, die zeigten, was sogar die Türken in Palästina zu schaffen vermochten. Berseba war nach dem Bädeker von 1904 ein verlassener Trümmerhaufen. Im Jahre 1906 fand der Vortragende bereits saubere Häuser und gerade Straßen, und während des Krieges war, wie eine vorgeführte Fiegeraufnahme zeigte, sogar ein Schmuckplatz vorhanden. Was hierder gewiß untätigen türkischen Verwaltung gelungen ist, wird jüdischer Fleiß und jüdische Intelligenz gewiß zu Wege bringen. Herr Trietsch schloß, indem er einige Methoden der Kraftgewinnung und Bewässerung zeigte, die in Südamerika und Ägypten bereits seit längerer Zeit angewandt werden. Es ist zweifellos, daß auf diesem Gebiete noch viel zu tun ist, und daß in der Zukunft auch die Landwirtschaft immer weniger Handarbeit sein und immer mehr die Formen industrieller Tätigkeit annehmen wird. Damit wachsen auch hier die Chancen der jüdischen Einwanderung und überhaupt jüdischer Landwirtschaft. Den Bildern, die das künftige Palästina wenigstens in seinen Anfängen zeigten, gegenüber wirkten viele Darstellungen des gegenwärtigen Palästinas wie traurige und verwahrloste Überreste des Mittelalters. Die engen Straßen der Altstadt von Jerusalem, die Scharen der Trauernden an der Klagemauer, das gedrückte, schmutzige Tiberias von heute sind Überreste einer Zeit, die für Palästina vergangen sein muß. Der Vortrag galt im Wesentlichen dem Palästina der Zukunft. An die Ausführungen des Herrn Trietsch schillossen sich Darlegungen von Herrn Architekten Levi. des Geschäftsführers der Palästina - Bau - Gesellschaft m. b. H. an, der die Notwendigkeit und Möglichkeit der Errichtung gesunder, architektonisch zufriedenstellender Wohnstätten nachwies. Es war geradezu verblüffend, mit wie verhältnismäßig geringen Mitteln die Lösung des brennenden Wohnungsproblems durchzufülhren ist, sobald sich das Privatkapital in dem notwendigen Umfange an dieser auch finanziell recht aussichtsreichen Arbeit beteiligt. Der Eindruck der beiden Vorträge war der. daß, so unsicher auch jetzt noch alle Verhältnisse in Palästina sein mögen, die Arbeit dort gerade vom rein praktischen Standpunkte aus als außerordentlich aussichtsreich erscheint. Palästina wird gewiß nicht die Diaspora beseitigen, aber indem die Diaspora Palästina aufbauen hilft, indem sie den physisch und moralisch bedrohten Massen, denen sich die bisherigen Immigrationsländer jetzt sämtlich zu verschließen scheinen, die Möglichkeit des Lebens und der Arbeit im alten Lande der Väter gewährt, trägt sie mit bei zur Lösung der Judenfrage. Das jüdische Volk ist schon heute ein politischer Faktor, es gehört, wie Herr Trietsch in einer bemerkenswerten graphischen Darstellung zeigte, keineswegs zu) den kleinen und schwachen Nationen, es muß fähig sein die Judennot aus eigener Kraft zu überwinden. Am Donnerstag, den 23. Oktober las Arnold Zweig aus ungedruckten Werken. Einige dramatische Szenen „Der Abtrünnige“ waren stark empfunden und machten sichtlich Eindruck. Der Stoff ist aus der chassidischen Legende bekannt: Es ist die Geschichte von dem Bischof, der einst Jude JJlundincr Jlcuefte JlacfcrtcUen ®röjjte,tägl.2mal erfdjetnenbe 3eitung 6fib* unb Vlittelbeuffch* tanb&ftauffräftiger&ferfreitf unb über £>eutf<hlanb4(5renjen hinauf gehenbe Verbreitung. ©rofjerfauf* männ.u.getoerbl.©tellenmarft JUnerfannt fefjr erfolgreich für 21n$eigen aller 2trt. Slnjeigen* preiä unb 3to<hlafi nach Sarif. Setugtyrei* mona«.27lt3.— bei alten beutfdjen pojtanffalten SdgUcfKSfuftoge 2md leooooßgemjUare/tffcerVsaJUUionlefer wj££