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Das jüdische Echo · 1919-10-21 · Sondernummer (21.10.1919) · p. Seite 6

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
Sondernummer (21.10.1919)
Date
1919-10-21
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 Das Jüdische Echo sen wollen, entgegen. Dies gibt, außer einzelnen, auch besonderen Auswanderergruppen, Gesellschaften, die sich zur Gründung von Kolonien oder anderen Niederlassungen oder Unternehmungen gebildet haben sowie den Achusa-Gesellschaften die bisher entbehrte Möglichkeit, ihre eigenen Unterkünfte sowie sonstige Bauten für Palästina vorzubereiten. Der Beginn des Betriebes in Palästina ist so gedacht, daß ein ausreichender Stab von hiesigen, besonders geeigneten und vorbereiteten Fachleuten und Landesexperten unmittelbar nach seinem Eintreffen im Lande die notwendigsten vorbereitenden wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Arbeiten, die Propaganda, die Organisierung des Einkaufs und schließlich die Bautätigkeit selbst in Angriff nimmt. Der Geschäftsbetrieb wird umfassen: A. Ausführung von Bauten, die von Privaten oder Körperschaften in Auftrag gegeben werden gegen Pauschal- oder Einzelbezahlung a) nach vom Auftraggeber gelieferten Entwürfen, b) nach Entwürfen der Architektur- oder Ingenieurabteilung der Palästina-Baugesellschaft, die auf Grund der Angaben der Auftraggeber hergestellt werden. B. Ausführung von Teilarbeiten an Bauten für einzelne Handwerke. (Maurer, Zimmerer usw.) C. Ausarbeitung von Entwürfen durch die Architektur- und Ingenieur-Abteilung der Gesellschaft. D. Übernahme von Submissionen, Bauleitungen und Abrechnungen von Bauten als Treuhänder in der Auftraggeber (C und D bei Ausführung der Bauten durch andere Firmen). Neben der praktischen Arbeit der Gesellschaft sollen einhergehen wissenschaftliche und technische Arbeiten zum Studium der allgemeinen Bauverhältnisse und des Marktes, der Frage der Baumaterialien (Vorkommen, Gewinnungs-, Herstellungs- und Verwendungsmöglichkeiten) der speziellen Bauformen und Bauerfahrungen, der Schaffung von Normalien und der Schaffung von geistigen und technischen Grundlagen für alle Gebiete des neuen Bauwesens in Palästina. —Diese Arbeiten werden entweder von einer besonderen Studienabteilung der Gesellschaft geleistet, oder, falls sie von anderer Seite ausgehen, von ihr gefördert werden. Auch die Ausführung von Versuchen mit Materialien, Grundriß- und Bauformen ist in Aussicht genommen. Auf diese Weise soll die Gesellschaft sich zum Kernpunkt aller fortschriftlichen Bestrebungen im Bauwesen Palästinas zu machen versuchen. Die äußere Formgebung der Bauten soll vom Geiste guten Bauens eingegeben sein, d. h. den Bedingungen des Materials, des Landes, der Bewohner bestens entsprechen. Der voraussichtliche Kapitalbedarf der Gesellschaft ist auch noch nicht annähernd zu übersehen. Doch ist im Hinblick auf die große in Palästina sofort zu erwartende Bautätigkeit und auf die bedeutenden im Auslande bereits für industrielle und landwirtschaftliche Erschließungsarbeiten zur Verfügung gestellten Mittel unzweifelhaft Kapital in jeder Höhe nutzbringend im Baugewerbe anlegbar. Die Aussichten für die Zukunft scheinen uns ganz vorzügliche zu sein. Die Einwanderung wird aller Voraussicht nach von Jahr zu Jahr anwachsen, und wenn für die ersten Jahre mit einer Ziffer von einigen Zehntausenden jährlich gerechnet werden kann, so kann sich diese bei fortschreitender landwirtschaftlicher Erschließung und beginnender Industrialisierung leicht auf hunderttausend und mehr jährlich erhöhen. Wir glauben, daß die Bautätigkeit für Jahre und eventuell Jahrzehnte hinaus Schwierigkeiten haben wird, mit der Größe der Einwanderung Schritt zu halten, da die Transport-, Material- und Arbeiterverhältnisse keine geringen Schwierigkeiten bieten werden. Keineswegs ist jedoch ein Beschäftigungsmangel oder ein Überangebot am Baumarkte zu befürchten. Interessenten für eine Beteiligung an der Gesellschaft, Fachleute zur Beteiligung an unseren technischen Aufgaben und Auftraggeber für Bauten erhalten Auskünfte während der hiesigen Palästina-Woche in der Ausstellung im Bayerischen sehen Hof; dort wird auch Zeichnung auf Anteilscheine entgegengenommen. Palästina-Baugesellschait m. b. H. Der Aufsichtsrat: Prof. Dr. Otto Warburg, Vorsitzender. Die Geschäftsführer: Alwin Löwenthal, Alexander Levy. Es gibt keinen empfindlicheren Seismographen als das jüdische Volk. Wo immer die Erde wankt, wo immer etwas zuzammenbricht und einstürzt, die Juden in den vom Schauplatz der Umwälzung am weitesten entlegenen Gegenden fühlen es sofort. Das ist unser Los. Wir müssen vor der Reaktion zittern und dürfen uns über den Triumph des Fortschritts nicht freuen. Und wenn den Rückschrittsgewalten noch so hart zugesetzt wird, so stark bleiben sie immer noch, dass sie sich an uns rächen können. Max Nordau Geleitwort zum Buche Jiskor. Von Martin Bub er. Dieses Buch ist ein Gedenkbuch. Der Spruch, mit dem wir in heiliger Stunde die Namen unserer Toten heraufrufen, Jiskor, „Er gedenke“, steht über ihm. Deren hier gedacht wird, das sind die gefallenen Schomrim, die Wächter und Arbeiter, die in der Verteidigung unserer Siedlungen in Palästina gegen räuberische Überfälle starben. * * * Siedlung — Arbeit — Wacht. In diesen drei Worten ist die äußere und die innere Geschichte der im Lande Israel werdenden neuen Menschengemeinschaft beschlossen. Man vergegenwärtige sich, daß es eine neue Menschengemeinschaft ist, die im Lande Israel, mitten unter den dorthin verschlagenen trümmerhaften Resten des alten Judenvolkes, aus dessen Blute werden will. Ein Häuflein Juden haben vor fünfundreißig Jahren Palästina zu kolonisieren begonnen: um ihr Heimweh nach der Erde, nach der Erde dieses Landes zu stillen; um ihre Gläubigkeit, den Glauben an die Zukunft zu retten und zu bewahren; und um ihr tödliches Grauen vor der Gegenwart, vor dem Elend ihres steuerlosen Lebens zu überwinden. Im Grauen waren sie den russischen Sektierern nahe, die nach Palästina gingen, um sich von dem Reich des Übels abzulösen; in der

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