Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Sondernummer (21.10.1919)
- Date
- 1919-10-21
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo 7 Gläubigkeit so ihnen wie den deutschen Templern, die hingingen, um das Reich Gottes zu bereiten; im Heimweh waren sie allein, verwandt nur jenen alten Juden, die hingegangen waren, um zu beten und zu sterben — und doch wie unverwandt! Denn nicht nach einem, das vorgefunden werden könnte, sondern nach einem Heim, das sie sich neu erschaffen wollten, ging ihr Weh und ihr Verlangen. In einem aber waren sie allen guten Kräften der Menschheit nahe: in der Sehnsucht nach einem wahren Menschentum. Von der Berührung mit der Heimatserde ersehnten sie die Läuterung, die Verwandlung — das Erwachen eines neuen Menschen im Juden, einer neuen Gemeinschaft im Judentum. An dieser Sehnsucht erwuchs ihrem Grauen die Wagelust, ihrem Heimweh die Entschlossenheit, ihrer Gläubigkeit der bauende Wille. So gingen etliche von ihnen und wieder etliche nach dem Lande Israel. Hunderte folgten, Tausende. Sie erwarben Boden, pflanzten Weinberge und Orangengärten, und ihr Werk gedieh. * * * Das Werk der Siedlung gedieh. Brache der Jahrtausende wurden urbar, in Dörfern und Farmen entfaltete sich mustergültige Wirtschaft, blühend und fruchtend dehnte sich jüdischer Boden. Das Werk der Siedlung gedieh. Aber die Sehnsucht blieb noch unerfüllt. Das Werk der Wandlung schien nicht anheben zu wollen. Auf der Erde der Verheißung wucherte das alte Leben des Fluchs. Da standen Männer auf, Landarbeiter, Studenten und Dichter, und sprachen die erste der einfachen Wahrheiten aus, die bestimmt sind, dieses halsstarrige Volk zu erlösen: Es genügt nicht, daß der Boden jüdisch wird; er muß auch überall von uns selber bebaut werden — erst dann wird er uns zu eigen. Es genügt nicht, daß man zu dem Lande Israel heimkehrt; man muß auch zu der Bauernseele und zu dem Bauernleben Israels heimkehren. Nicht aus der Berührung mit der Erde, erst aus der Vermählung mit ihr durch die Arbeit vollzieht sich die Wiedergeburt. Die Botschaft der Arbeit wurde verkündet, der Gottesdienst der Arbeit kam über das Land. Etwas von der essäischen Weihe der Erdarbeit ersteht in unseren Tagen aufs neue. Das Werk der Wandlung hat begonnen. Und zur Arbeit trat die Wacht, die Verteidigung des Werkes gegen die Angriffe der Raubgierigen. Die jüdischen Schomrim in Erez Israel kämpfen einen reinen Kampf. Sie stehen wahrhaft auf der Wacht, sinnen wahrhaft auf nichts als auf den Schutz des Geschaffenen. Keine bestehende Macht zwingt oder trügt sie in ihren Dienst. Sie dienen dem Kommenden. * * * Einigen Wächtern und Arbeitern, von deren Leben und Sterben dieses Gedenkbuch erzählt, kommt — so geringe und bescheidene Menschen sie im übrigen auf Erden waren — der mißbrauchte Name Helden in Wahrheit zu. Aus sich selber, nicht getrieben und nicht gezogen, nicht mitgenommen und nicht mitgerissen, von keiner irdischen Macht befehligt und von keiner benützt, aus der Einsamkeit ihres Lebens, wissend und gefaßt, entschlossen sie sich zu ihrer Sache, traten, das Tor der Welt hinter sich zuschlagend, in sie ein, und in ihr stehend wagten, taten, erlitten sie das Äußerste. Ich nenne sie Helden. Ich nenne sie jüdische Helden: weil sie die stolze Sache, der Europa und Amerika um Lohn dienen, die Gewaltsache der Scheinkultur, die alle Güter zu vergeben hat, verschmähten und sich der dürftigen, preisgegebenen, schier aussichtslosen Sache des werdenden Geistes, die auf der Flucht ist, zuwandten, sich zu ihr als zu der ihren entschlossen und sich in ihrem Dienst bis ans Letzte bewährten, mit allen Kräften des Leibes kämpfend und doch jenseits des Gewaltreiches. Auch dies, auch dieser Schutz des Werdenden, des Auferstehenden gegen die Horden der Gewalt ist Krieg, wenn ihr es so nennen wollt; aber ein anderer, einer von urwesenhaft anderer Art. Lauschet in die hohe Stille über den galiläischen und judäischen Gräbern: so werdet ihr den Hall der Schofarot anheben hören, vor denen Jericho fiel. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus 80* meinden und Vereinen und von Personalnaohrlohten, die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfllohst eingeladen.) Palästina-Baugesellschaft. Die Palästina-Baugesellschaft veranstaltet am Donnerstag, den 23. Oktober abends 6 Uhr im Spiegelsaal des Bayerischen Hof einen Demonstrations-Vortrag des Hrn. Alexander Levy, Berlin, an Hand der ausgestellten Modelle. Der Vortrag ist für jedermann zugänglich. ^ii.ii.l..n..mniinnaannminmiuu.u.««nn^ Ä. WERTHEIMER MÜNCHEN, Westenriederstr. 4/1 Telephonruf Nr. 23804 ladet ein zur Besichtigung der Ausstellung von Werken der alten und modernen jüdischen Literatur (anläßlich der Palästinawoche) im Spiegelsaal des Hotel Bayerischer Hof, Promenadeplatz Geöffnet: Sonntag von 11 — 10 Uhr j Dienstag und Donnerstag von 3—10 ^hrriiTimrrrxrrrizrrrrimrfxirrrrrtxirrxzrrrrrriirnrirt^