Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- Sondernummer (21.10.1919)
- Date
- 1919-10-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo 3 ßung gelangende Gelände sein wird, die Entscheidung ob Erbpacht oder privater Grundbesitz auf die zionistische Flagge zu schreiben ist, die Ungeklärtheit des Zusammenlebens mit den Arabern, die Arbeiterfrage, der Kampf der Weltanschaungen, hie sozialistisch, hie kapitalistisch, alles das sind Dinge, die auf die städtebaulichen Fragen von großem Einfluß sind. In den Rahmen dieser Abhandlung fällt aber nur die technische, hygienische, finanzielle und künstlerische Seite der städtebaulichen Aufgaben. Und hier hat es Palästina entschieden besser als Europa. Es kann die Erfahrungen des Abendlandes als Unterbau benutzen und auf ihnen aufbauend eine städtebauende Tätigkeit entfalten, die eine neue Entwicklung dieser Materie bedeuten wird. Es mag die Frage naheliegen, ob man sich nicht ebenso wie beim einzelnen Haus auch an die arabische Städtebauweise anlehnen könnte. Die Zeit drängt, die Einwanderung wird nach Friedensschluß einsetzen, und für die berufliche Erschließung Palästinas ist noch wenig geschehen. Einzig die Arbeitsgemeinschaft zionistischer Architekten bereitet die Planung der dringendsten Bauarbeiten vor, hat aber infolge der beschränkten, zur Verfügung stehenden Mittel, nur einen aus ihrer Mitte für einige Monate honorieren können, der sich einzig mit diesen Arbeiten beschäftigt, während die übrigen in freiwilliger Arbeit ihre Erfahrungen und Anregungen beisteuern. Geld, Geld und immer wieder Geld ist die Macht, die Palästina aus den kleinen Anfängen heraus zu einem großartigen Siedelungsgebiet machen soll. Woher dieses Geld stammt, ob es der Nationalfonds gibt, ob umfangreiche Sammlungen es herbeischaffen sollen, oder ob Kapitalisten es hergeben, kommt für diese Untersuchung nicht in Frage. Die Hauptsache ist, daß es nutzbringend angewandt und nicht verpulvert wird. Eine straffe Zentralisation für das palästinensische Bauwesen ist erste Bedingung. Kein planloses wildes Bauen ohne Zusammenhänge, ohne leitende Gesichtspunkte, ohne technische, hygienische, städtebauliche, verkehrstechnische Vorkenntnisse, ohne Kenntnis von Land und Leuten und vorhandenen Baumaterialien, ohne Erfahrung in Wasser-, Wind- und Temperaturverhältnissen. Ein Mann soll an die Spitze des palästinensischen Bauwesens gestellt werden, ein Mann, der als Mensch wie als Fachmann, als Verwaltungsbeamter wie als Politiker überragt. Er muß ein Techniker sein, kein reiner Verwaltungsbeamter oder Jurist. Seinen Stab bildet ein Ingenieur, ein Wasserbauer, ein Maschinenbauer, ein Landmesser und ein Kaufmann. Unter diesem Stabe arbeiten Techniker und Gehilfen der verschiedenen genannten Berufe. Damit wäre ein Ministerium der öffentlichen Arbeiten für Palästina oder auch das jüdische Bauamt geschaffen, mit einem Leiter an der Spitze und einer Reihe ihm unterstellter Dezernenten. Die Einsetzung dieses Bauamtes ist meines Erachtens sofort nötig. Denn, wenn es auch erst in Palästina zu voller Wirksamkeit kommen kann, kann es doch schon von hier aus eine Fülle dringendster Aufgaben lösen. Neben der Aufgabe, Klarstellung über die Zahl der Männer vom Bau, die für Palästina zur Verfügung stehen, und darüber informiert zu sein, ob für alle in Frage kommenden Aufgaben des Bauwesens Spezialisten vorhanden sind oder ausgebildet werden, arbeitet die Hochbauabteilung, für die ich hier allein sprechen kann, die Pläne für die in Palästina nötigsten Bauarbeiten aus. Sie projektiert Einwanderungsläger in größtem Stil mit Unterkunftsräumen für tausende verheiratete und unverheiratete Siedler, mit den dazugehörigen Quarantänestationen, Krankenhäusern, Zentralküchen, Waschanstalten usw. Um das Heer der Bauhandwerker und Bauarbeiter, das diese Lager bauen wird, unterzubringen und um den Arbeitergruppen Unterkünfte zu schaffen, die nomadisch bei öffentlichen Arbeiten beschäftigt sind, müssen Zelt- und Barackenlager gebaut werden. Wenn die englische Heeresleitung der palästinensischen Leitung solche Läger käuflich überläßt, so ist dies gewiß zu begrüßen. Wo nicht, müssen Zelte und Baracken so billig wie möglich gekauft werden. Daß für diese Läger Feldküchen, Wasch- und Duschgelegenheiten und hygienisch einwandfreie Abortanlagen beschafft werden müssen, ist selbstverständlich. Das Bauamt legt hier schon auf Grund der Studien von Oppenheimer, Oettinger und anderen und auf Grund der in anderen Ländern gemachten Erfahrungen die Parzellengrößen der einzelnen Siedler fest, nach Maßgabe, ob es sich um gemüsegärtnerische, rein landwirtschaftliche, viehzüchterische, Industrie- oder städtische Siedelungen handelt, und projektiert Idealpläne ganzer Siedlungen, soweit solches ohne genaue Kenntnis der besonderen in Aussicht genommenen Terrains möglich ist. Sie schafft schon hier die Normen und Typen für die in Palästina tausendfach zu erbauenden Häuser und Bauteile. Für Ein- und Mehrfamilienhäuser, für solche mit 1, 2, 3, 4 und mehr Stuben, für Einzelhäuser und Reihenhäuser, für Wirtschaftsgebäude, Scheunen und Ställe; für öffentliche Gebäude in Siedelungen und so fort. Die Bauabteilung stellt ferner Normen fest für Bauteile, die tausendfach in gleichen Dimensionen und in gleicher Ausführung Vorkommen werden, also für Fenster in bestimmten Größen, Türen, Zwischenwände, Dächer u. a. Sie bestimmt die Dimensionen von diesen Bauteilen und gibt durch diese Normalisierung und Typisierung den einzelnen Baugliedern die Möglichkeit raschen und sparsamen Bauens. Das Hochbauamt wird sich die Beschaffung und Lagerung der erforderlichen Baumaterialien in großem Maßstabe angelegen sein lassen. Es muß schon von hier aus palästinensische Steinmetzen in Sold nehmen und sich an den Hauptplätzen des Landes riesige Läger behauener Werksteine, an anderen Stellen Millionen lufttrockener oder gebrannter Lehmsteine herstellen und lagern lassen. Es wird Lagerhäuser errichten lassen» in denen die aus Europa ankommenden Materialien wie Zement und Eisen, Glas und Holz unter Dach und Fach und unter Verschluß zu bringen sind. Ebenso muß es schon jetzt nach den Normen für Türen und Fenster viele hunderte Exemplare bei palästinensischen Tischlern auf Vorrat anfertigen lassen. Schließlich werden Kaufmann und Techniker des Hochbauamtes gemeinsam Verträge mit Unternehmern und Fabrikanten Europas oder Amerikas abschließen über Lieferung von Baumaterialien, die es in Palästina nicht gibt, insbesondere von Eisen in jeder Form, Zement, Glas, Bau-und Tischlerholz, Farben und dergleichen mehr. Diese Männer werden dafür sorgen, daß Geräte und Gerüste, Betonmaschinen, Hobelbänke, Eisenscheren und dergleichen beschafft werden. An seine Hauptaufgabe wird das Bauamt aber erst herantreten, wenn es nach Palästina übergesiedelt sein wird. Niemand, und sei er noch so tüchtig, kann eine Siedelung bauen, ohne das Terrain zu kennen. So muß sich der Nationalfonds oder der sonstige Käufer von dem