Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1919-10-08 · 41 (8.10.1919) · p. Seite 492

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
41 (8.10.1919)
Date
1919-10-08
Page
Seite 492 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/9072829-9102975-9140176--03080-9075900
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

492 Das Jüdische Echo Nr. 41 „Eine Waise wird mein Kind sein,“ dachte sie, „eine mutterlose Waise. Denn ich habe einen Gottesengel gesehen und werde sterben.“ Aber auch diesmal erriet der Engel ihre Gedanken und tröstete sie: „Auch du sollst nicht sterben! Ich bin ein Engel der Verkündung und zu deinem Sohn bin ich geschickt.“ Und als jetzt die Frau ihr Kind betrachtete, da strahlte sein Gesichtchen vom Abglanze der Flügel des Engels und seiner klaren Augen. Und der Engel verkündete: „Dieser, dein Sohn, soll groß werden und er wird ein Prophet sein!“ Aber die Frau verstand nichts von den Worten des Engels. Sie kniete daher vor ihm nieder und flehte: „Verzeihe gnädigst einer unwissenden Frau! Ich weiß nicht, worin das Recht eines Propheten besteht.“ Worauf der Engel antwortet: „Der Prophet hat kein Recht! Er sucht es erst!“ „Rätselhaft sind mir deine Worte,“ sagte traurig die Frau. Und sie bückte sich neuerdings und fragte: „Sage doch deiner unwissenden Magd: Was ist die Beschäftigung eines Propheten? Baut er etwa große Paläste oder starke, bis in den Himmel ragende Burgen? Oder bahnt er neue Wege, oder wird er gar ein großer Arzt sein?“ Als der Engel diesmal antwortet, entquoll eine Träne seinen Augen. „Der Prophet zerstört und baut. — Hier unten auf der Erde zerstört er und baut sein Reich dort oben in den Himmelsregionen ... Neue Wege bahnt er zwar, aber Eisen verabscheut er. Und führen seine Wege nicht über diese Erde: Geistige Wege bahnt er, für Menschen, die geistige Schwingen haben... Auch das Graben gehört zur Beschäftigung des Propheten, wie du wohl sagtest, nur gräbt er nicht in den Bergen und auch nicht mit einer Hacke: in den Herzen schürft er, und Feuer fördert er, göttliches Feuer! — Auch Wunden schlägt der Prophet, er verwundet Seele und Herz, er heilt aber zugleich kranke, gebrochene Seelen.“ Da weinte die Mutter bitterlich. „0, wie unglücklich bin ich! Du sprichst von meinem Sohne und seinem Lose und ich verstehe nichts davon!“ Und sie bückte sich neuerdings sehr tief und sagte: „Und was wird der Lohn meines Sohnes sein? Vielleicht verstehe ich wenigstens das?“ „Steine!“ antwortet kurz der Engel. Und ein Freudenschimmer zeigte sich in dem Auge der Mutter: „Groß wird mein Sohn sein! Und er wird nicht mit Geld bezahlt werden, wie etwa ein Arzt oder der Baumeister. Sondern mit Steinen, mit teuren kostbaren Edelsteinen.“ Der Engel sagte aber mit trauriger Stimme: „Keine teueren, keine kostbaren Edelsteine. Sonder einfache Feld- und Kieselsteine.“ — „Du treibst, o Engel, Spaß mit mir! Erbarme dich doch meiner und rede deutlich zu einer einfältigen Frau.“ „Der Prophet wird gesteinigt werden, weil er Prophet ist!“ Da schrie die Mutter wild auf und fiel in Ohnmacht. Als sie erwachte, war der Engel verschwunden. Das Gesichtchen des Kindes aber strahlte noch immer. Gemeindenu. Vereins-Echo (Untere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen tue Oe* melnden und Vereinen und von Pereenalnaohriohten, die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfllohst eingeladen.) Aus der Verwaltung der Münchner Kultusgemeinde. In der Sitzung vom 2. Oktober wurde Beschluß über die Wahl des verstärkten Ausschusses für die Zwecke der Revision des Gemeindestatuts, über die wir an anderer Stelle ausführlich berichten, gefaßt. Alsdann wurde über das Stiftungswesen berichtet. Die Kinder der verstorbenen Frau Lina Levinger haben eine Zustiftung von 5000 Mark zu der im vorigen Jahre errichteten Otto und Hugo Levinger-Stiftung errichtet, die mit Dank angenommen wird. — Ebenso wurden einige neue Jahrzeits- und Gräberstiftungen errichtet, deren Annahme beschlossen wird. Eine Stiftung von 10 000 Mark, die vor mehreren Jahren von ungenannter Seite zu Händen des verstorbenen Herrn Rabbiner Dr. Werner errichtet wurde, und deren Erträgnisse für den Unterhalt und die Pflege Kranker und Genesender bestimmt sind, ist nach Ableben des Herrn Rabbiner Dr. Werner von dessen Witwe der Gemeinde zur Verwaltung übergeben worden. Aus dem zum Vortrag gebrachten Einlauf ist erwähnenswert eine Anfrage der Regierung von Oberbayern über die Gehaltsverhältnisse der Religionslehrer und ein Schreiben des Vereins O h e 1 IHle fnsfjec im HJelterleg nimmt die tttändjntt fugend mu$ 6dm Hheöccauf&au H>re ausgeprägte Stellung unter den deutfdjen lüuftrlerten 5ettf(tyrfften ein. 4He Ifl nach tote hat die aie&Imgsskftfae eine* Jeden/ der ernß und öorurtellslos den $eü* geljt üerfotgt Bezugspreis üiettetjätjtlicfy Ult 10.— (Buchhandel oder po|t) Unmfttei6ar oora Betlag ln Hoden herpatft mit Porto, ln Beutf^land me. 12.50 Im Ausland mf. 13.— pro6e6dnde 4 Hummern enthaltend me. 1.50 tflnjelne Hummern me. 1.— Öeclng Oec,fugend' Ütöndjen, tefffugAr. 1

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.