Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 41 (8.10.1919)
- Date
- 1919-10-08
- Page
- Seite 491 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 491 Arbeit beschäftigt. Vor dem Kriege beschäftigten die Bezalel-Werkstätten über 100 Mädchen in dieser Industrie. Die Werkstätten haben Maschinen, Fachleute und ausgebildete Arbeiter, mit denen dieser Arbeitszweig sofort begonnen oder wiederbelebt werden könnte. Die Arbeit hängt jedoch zu einem großen Teile von der Möglichkeit ab, Wolle zu beschaffen und den Verkauf und Export zu organisieren. 9. Eisfabrikation. Aus verschiedenen Ländern sind Anfragen über die Möglichkeiten künstlicher Eisfabrikation gekommen. Inzwischen sind im Lande einige Fabriken errichtet worden. Der Preis beträgt zurzeit 1 <£ für 100 Kilo. Bei einem solchen Preise ist natürlich noch Raum für weitere Fabriken derselben Branche. Notwendig sind Fachleute und maschinelle Anlagen. 10. Wäschereien. Moderne Waschanlagen sind im Lande eine große Seltenheit. Das Waschen geht in altmodischer Weise vor sich und wird sehr teuer berechnet. Ein erfahrener Mann, der die notwendige maschinelle Einrichtung mitbringt, würde ein nützlicher und erfolgreicher Kolonist werden können. 11. Töpferei. Diese kann sich zu einer höchst bedeutenden Industrie entwickeln. Die lokalen arabischen Erzeugnisse genügen nicht für die Nachfrage im Lande, und die Industrie hat eine große Zukunft. Noch in diesem Jahre werden Millionen von Blumentöpfen zu landwirtschaftlichen Arbeiten gebraucht. Rohre für die Ent- und Bewässerung werden jetzt aus Ägypten bezogen. Auch Töpfe zur Aufbewahrung von Honig, ,M%melade, Konserven usw. und zum Kochen könnten hergestellt werden. Diese Manufaktur könnte leicht in Jerusalem und Hebron entwickelt werden. Ausgezeichnetes Material zu diesem Zweck findet sich in und um Jerusalem, aber das beste findet man in Hebron- Hamra. Sachverständige und Maschinen sind vonnöten. 12. Konfitüren. Eine in der Schokoladen- und Bonbonbereitung nach europäischer Art erfahrene Persönlichkeit könnte gute Geschäfte machen. Zurzeit werden diese Waren aus Ägypten importiert. 13. Strickerei. Diese wird jetzt als eine Heimindustrie mit kleinen Maschinen mit mechanischen Motoren eingeführt werden. Hunderte von Mädchen könnten dabei beschäftigt werden. 14. B 1 u m e n b i n d e r. Ein erfahrener Blumenbinder könnte ein gutes Geschäft machen. Es besteht Nachfrage nach Blumen, abgesehen von der Industrie der getrockneten Blumen zum Versand ins Ausland. Augenblicklich gibt es keine jüdischen Blumenzüchter und -händler. 15. Perlmutter. Die Perlmutter - Industrie zur Herstellung von Knöpfen und kleinen Schmuckgegenständen könnte entwickelt werden. Das Material kann leicht eingeführt werden, und da hierzu keine besondere Geschicklichkeit notwendig ist, könnten Arbeiter in der Bevölkerung von Jerusalem gefunden werden. Das Gewerbe wurde vor Jahren in Palästina begonnen, mußte aber aus Mangel an modernen Maschinen aufgegeben werden. Nur ein erfahrener Mann sollte das Unternehmen in die Hand nehmen. Er müßte die maschinelle Anlage und Vorarbeiter mitbringen. Aus der Jüdischen Welt General Watson in Jaffa. Am 12. August fand in Jaffa die Begrüßung des neuen Oberhauptes der Britischen Verwaltung in Palästina, General Watson, durch die Bevölkerung statt. Die Einwohner Jaffas unterbreiteten dem General Watson bei dieser Gelegenheit folgende Forderungen: 1. Förderung des Baus eines Hafens in Jaffa. 2. Maßnahmen, um an Stelle der leichten Eisenbahn zwischen Jaffa und Lud die Militäreisenbahn nach Jaffa zu leiten. 3. Die unverzügliche Auszahlung der von der Regierung beschlossenen landwirtschaftlichen Anleihe an die Landeigentümer und Bauern. General Watson versprach, sein Bestes für die Erfüllung der beiden letztgenannten Forderungen zu tun, erklärte aber, in bezug auf die erste Forderung nichts tun zu können, solange das Schicksal Palästinas vom Völkerbunde nicht geregelt sei. Hebräische Stenographie. Lehrer Thomas hat ein stenographisches System der hebräischen Sprache ausgearbeitet und soeben fertiggestellt. Demnächst wird Thomas einen erläuternden Vortrag über sein System halten und auch mit der Aufnahme von Schülern beginnen. Auch Ben Israel hat noch vor dem Kriege eine abgekürzte hebräische Schrift, die auf einem anderen System beruht, ausgearbeitet, mit welcher er sich jedoch während des Krieges nicht beschäftigen konnte. Auch Ben Israel beginnt jetzt mit der Verbreitung seines Systems und der Annahme von Schülern. Der Wiederaufbau Ostgaliziens. Aus Lemberg wird den „Polnischen Stimmen“ telegraphiert: Finanzminister Dr. Bilinski hat für den Wiederaufbau Ostgaliziens eine Reihe von sehr bedeutenden Krediten bewilligt. Es handelt sich nicht bloß um Kredite für den Wiederaufbau der Landwirtschaft (vorläufig etwa 50 Millionen Kronen), sondern auch um Unterstützungsbeiträge für Witwen nach Staatsfunktionären, um Beiträge für den Ankauf der unentbehrlichsten Einrichtungsgegenstände usw. Feuilleton Die Vision einer Mutter. Von J. L. Perez. Aus dem Hebräischen übertragen von M. F. Als das Kind zur Genüge gesogen hatte und satt war, erblühten seine Wangen wie die Feldrosen und seine Wimpern schlossen sich. Die Mutter betrachtete das Kind mit maßloser Glückseligkeit und küßte es ganz leise. Dann legte sie es behutsam in die Wiege und setzte sich zur Seite. Allmählich schlief auch sie ein. Plötzlich schrak sie auf. Einen Engel sah sie beim Kopfende ihres Kindes stehen. Da weinte die Mutter. Dieser ist gekommen, mir meinen Sohn wegzunehmen! Aber kein Wort entrang sich ihrer Brust. Sie verstummte vor plötzlichem Schrecken. Doch der Engel erriet die Gedanken der Frau und er sprach zu ihr mit seiner Harfenstimme: „Nicht deinen Sohn zu holen, bin ich gekommen.“ Da weinte die Frau neuerdings.