Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 41 (8.10.1919)
- Date
- 1919-10-08
- Page
- Seite 488 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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488 Das Jüdische Echo Nr. 41 den Versuchen, die Judenhetze in die Reichswehr hineinzutragen, seitens des Reichswehrministers entgegengetreten wird. Mein Kollege Noske hat sich verschiedentlich gegen die Ausbreitung des Aktionsgebietes der Hetzer in der Armee ausgesprochen. Es versteht sich dies ja ohne weiteres für eine demokratische Regierung. Würden nicht alle Mitglieder der Regierung diesen Standpunkt einnehmen, so hätten wir eben keine demokratische Regierung. In einem demokratischen Staat haben Pogrome keinen Platz. Wir brauchen keine russischen Verhältnisse.“ „Ist Euer Exzellenz bekannt, daß sich in Deutschland die Ostjuden organisieren und sich bestreben, den Schutz einer nationalen Minderheit zu erlangen und finden Herr Minister nicht, daß auch die Juden in Polen als nationale Minderheit denselben Schutz und dieselben Rechte genießen sollen, wie sie den Deutschen in Polen zugesichert sind?“ „Soviel ich weiß, handelt es sich nicht um eine Organisation der Ostjuden politischen Charakters, sondern die Ostjuden in Deutschland organisieren sich zu humanitären Zwecken, zu Zwecken gegenseitiger sozialer Hilfe. Ich bin selbstverständlich der Meinung, daß in Polen auch die Juden als nationale Minderheit denselben Schutz und dieselben Rechte genießen sollen, wie die Deutschen, aber das ist ja bereits der Fall. In dem Abkommen der Entente mit Polen über den Minderheitsschutz ist in den Artikeln 8—12 für sämtliche völkischen, religiösen und Sprachminderheiten, sowohl in religiöser als kultureller und philantropischer Hinsicht gesorgt und in Artikel 12 ist die Einhaltung dieser Vorschriften unter die Aufsicht des Völkerbundes gestellt.“ „Wie stellen sich Euer Exzellenz resp. die Deutsche Regierung zu den Bestrebungen des jüdischen Volkes auf Erlangung eines „national home“ in Palästina und wie dünken Euer Exzellenz die Aussichten des jüdischen Volkes in dieser Sache?“ „Ich stehe — und ich glaube nicht fehl zu gehen, wenn ich sage, auch die Regierung — den von den Zionisten verfolgten Bestrebungen in Palästina sympathisch gegenüber. Ich darf auf die Erklärung hinweisen, die s. Zt. der damalige Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, Freiherr von dem Busche-Haddenhausen abgegeben hat. Was die Aussichten des jüdischen Volkes in dieser Hinsicht angeht, so steht, soviel ich informiert bin, die englische Regierung dieser Frage wohlwollend gegenüber. Sollte der jüdische Staat in Palästina verwirklicht werden, so gebe ich mich der festen Hoffnung hin, daß innerhalb desselben die christlichen Stätten auf heiligem Boden alle wünschenswerten Freiheiten haben werden.“ Die Generalversammlung des israelitischen Lehrervereins für Bayern am 1. u. 2. Sept. 1919. Die am 1. und 2. September ds. Js. stattgehabte Generalversammlung des israelitischen Lehrervereins für Bayern mag wohl zu den bedeutungsvollsten aller Zusammenkünfte gezählt haben. Vielleicht bedeutet sie einen Markstein in der Geschichte des Vereins. Von dem Wehen der Zeitstürme blieb auch die jüdische Lehrerschaft nicht unberührt. Sie erwartet von der neuen Zeit, daß sie auch die israelitische Lehrerschaft Bayerns an dem sozialen Aufstiege der wirtschaftlich und rechtlich Schwachen, unter denen die* israelitischen Religionslehrer die bedauernswerteste Schicht bildet, werde teilnehmen lassen. Von der diesjährigen Generalversammlung erhoffte man den Ausgangspunkt in eine bessere Zukunft gezeigt zu erhalten und so hatte sich trotz der sehr ungünstigen Verkehrsverhältnisse und anderer Unbequemlichkeiten die stattliche Anzahl von ca. 150 Lehrern in Würzburg eingefunden. Herr Bürgermeister Freudenberger, Mitglied des Landtags, richtete herzliche Begrüßungsworte an die Teilnehmer. Selbst Sohn eines jüdischen Lehrers kennt er die Not des Standes, an dessen Bestrebungen er lebhaft Anteil nehme. Organisation werde auch diesen wirtschaftlich Bedrängten der einzige und beste Helfer sein! In weiser Voraussicht, es möge die Fülle an Beratungsstoff nicht zu ihrem Rechte gelangen, hatte die Vereinsleitung die doppelte Zeit gegen früher zur Beratung angesetzt und fast schien es, als wäre noch ein Plus nötig gewesen. Die vier Kriegsjahre, die eine große Anzahl jüdischer Lehrer zum Waffenhandwerke gerufen hatten, bewirkten auch eine kleine, zum Glücke aber nur an der Oberfläche verlaufene Erschütterung des Vereinsgefüges. Die jüdische Junglehrerschaft empfand den krassen Unterschied zwischen ihrer Lage und der anderer auf gleicher Bewertungsstufe stehender Stände durch den engen Verkehr im Felde viel heftiger; sie erkannte sehr klar, daß die Stürme, die Deutschland bisher durchrüttelten, nicht einmal ein leises Lüftchen in die Verwaltungsstuben der israelitischen Kultusgemeinden gesandt hatten; lfoch herrscht hier in Bezug auf die den Lehrer berührenden Verhältnisse der Geist von anno dazumal. „Wenn diese Zeitläufte uns nicht in die Bahn des allgemeinen sozialen Lebens einfügen, dann bleiben wir für immer als abgeschleuderte Teile zu einem Leben der wirtschaftlich Abgeschnürten verurteilt. Die Kriegsjahre haben uns der Berufsarbeit, der nötigen Aus- und Weiterbildung entfremdet; wir werden auch beruflich nicht Schritt zu halten vermögen.“ Dies waren die zwei Achsen, um die der Gedankenkreis unserer Jugend abwechselnd rotierte. Nun brachte eine Aussprache, die an Gründlichkeit nach Breite und Tiefe wahrlich nichts zu wünschen übrig ließ, völlige Klarheit. Daß die Überbrückung des Gegensatzes ein völliges Ausgleichen und nicht ein bloßes Uberkleistern war, bezeugte die Tatsache des Beitrittes von 23 „Jungen“ zum Verein, sowie die Bekanntgabe des neuen „Junglehrerprogramms“, das ein auf beruflicher Ertüchtigung basierendes Streben kundgibt und die Zugehörigkeit zum Vereine zur Pflicht macht. Als weiteres Symbol der Einigungsbestrebungen verzeichnen wir den Eintritt der jüdischen Lehrer Bayerns in eine Arbeitsgemeinschaft mit dem Verband. „Der Ring jüdischer Lehrer in Alldeutschland ist geschlossen.“ Den Referenten der Tagung, in ihren Spezialgebieten erfahrenen Arbeitern, war die Aufgabe zugefallen, Richtpunkte zu geben zur Einfügung des israelitischen Lehrerstandes, namentlich des Religionslehrerstandes, in das neu erstehende Wirtschaftsleben. Es dürfte diese Aufgabe des Einfügens hier bedeutend schwieriger erscheinen, da die jüdische Lehrerschaft dank der seitherigen Politik der jüdischen Gemeinden den anderen Ständen gegenüber noch um mehrere Stufen im Rückstände ist. Auf der Suche'nach einem Vergleiche der beruflichen Rechte ergab sich der