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Das jüdische Echo · 1919-10-08 · 41 (8.10.1919) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
41 (8.10.1919)
Date
1919-10-08
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 41 8. Oktober 1919 6. Jahrgang Sukkoth. Gleich dem Pesach- und Schovuosfeste kann man auch das Laubhüttenfest zu den Tagen zählen, welche nicht nur einer religiösen, sondern auch nationalen Unterlage ihr Entstehen verdanken. Das Pesachfest feiert die Erlösung Israels aus der Sklaverei Ägyptens, ein nationales Ereignis, das als größtes in der Geschichte des jüdischen Volkes hervorragt. Das Wochenfest gipfelt in der Offenbarung des Gesetzes, eines Instruments, das 'die Grundlage unseres religiösen und nationalen Lebens bildet. Und das Laubhüttenfest gilt dem Dank an die Vorsehung, die das Volk in den langen Zügen durch die Wüste in ihren Schutz nahm und es seiner nationalen Selbständigkeit entgegenführte. Diesem nationalen Selbstbewußtsein in engstem Anschluß an seine unerschütterliche religiöse Grundlage hat das Judentum nicht zum Geringsten seine Ausdauer zu verdanken. Die Verfolgungen und Bedrükkungen, welche das jüdische Volk im Laufe der Jahrhunderte zu erdulden hatte, die Stürme des Hasses und des Fanatismus, die um sein Haupt tobten, vermochten wohl sein Leben zeitweise auf das Tragischste zu gestalten, aber nicht seine Wifrz'rai zu entkräften. Diese Wurzeln verdanken ihre Kraft der Eintracht, dem Zusammenhalten der einzelnen Stämme im Judentum. Wenn auch im Laufe der Jahrhunderte gar oft mancher Sturm im Innern tobte, innere Kämpfe nicht ausblieben, so war doch stets die brüderliche Teilnahme, der Zusammenhalt nicht zu erschüttern. Als Symbol dieser Einheit dient das Bild des Feststraußes. Die schöne hohe Palme in Verbindung mit der an Wuchs kleineren Myrthe, die herrliche Frucht Esrog in Gemeinschaft mit der unscheinbaren Bachweide mahnen uns einig zusammenzustehen. Reichtum, Frömmigkeit oder hohe Stellung sollen uns nicht übermütig auf unsere Volksgenossen herabsehen lassen, gegenseitige Achtung von Hoch und Nieder sollen die Denkweise unserer Handlungen sein. Die gleiche Mahnung ruft uns die „Hütte“ zu, welche wir nach Vorschrift des Gesetzes sieben Tage bewohnen sollen. Arm und reich, hoch und niedrig soll sich hier vereinen, um in diesem einfachen Raume den Gedanken an die lange Wanderung wach zu halten, auf der unseren Ahnen die Hütten die Häuslichkeit ersetzen mußten. So erwecken „Festesstrauß“ und „Hütte“ in lebendiger und tiefer Weise in uns die Erinnerungen an die Vergangenheit und die Jugendtage unseres Volkes. Mögen auch für unsere Generation diese Bilder ihre wirkende Kraft bewahren und die Einheit und das Zusammenhalten unseres Volkes allen Stürmen trotzen. Fr. Interview mit Minister Erzberger. Reichsminister Erzberger weilte kürzlich in der Schweiz, wo er trotz überaus starker Inanspruchnahme den Herausgeber der „Jüdischen Preßzentrale Zürich“ in Audienz empfing. Wir geben nachstehend das interessante Interview wieder. „Wie verhalten sich Euer Exezellenz zu der antisemitischen Hetze in Deutschland und welche Mittel gedenkt die Deutsche Regierung dagegen zu ergreifen?“ „Ich verurteile die antisemitische Hetze, die zurzeit in Deutschland in gewissen Kreisen organisiert und betrieben wird, auf das schärfste. Meine Auffassung von der staatsbürgerlichen Gleichheit in Rechten und Pflichten für alle deutschen Staatsangehörigen, läßt mich das gewissenlose antisemitische Treiben aus tiefstem Grunde verabscheuen. Meine Auffassung deckt sich mit der deutschen Verfassung. Artikel 109, Absatz 1 besagt, daß alle Deutschen vor dem Gesetze gleich sind. Artikel 135 gibt allen Bewohnern des deutschen Reiches den Genuß voller Glaubens- und Gewissensfreiheit. Artikel 136 besagt, daß die bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten durch die Ausübung der Religionsfreiheit weder bedingt noch beschränkt werden. Der Hintergrund der antisemitischen Hetze ist zur Genüge bekannt. Die Kreise, von denen sie ausgeht, decken sich mit den Kreisen, die ein Interesse daran haben, für die Schuld ihres verwegenen Chauvinismus eine Diversion zu suchen. Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, aus welchen psychologischen Untergründen das Ablenkungsmanöver gespeist wird. Es sind Anzeichen dafür vorhanden, daß neben der Judenhetze eine sozialistische und eine Katholikenhetze parallel geht oder besser gesagt, daß ein System vorliegt, zuerst die Juden, dann die Sozialisten, dann die Katholiken. Ich gebe ohne weiteres die bemerkenswerte Tatsache zu, daß infolge des Überwiegens des jüdischen Elementes in der unabhängigen Führerschaft eine gewisse Voreingenommenheit gegen die Juden begreiflich ist, aber schließlich ist auch diese Tatsache verständlich. Denn es ist klar, daß diejenigen Kreise, die bisher von der Macht so gut wie ausgeschlossen waren, jetzt dafür einen Ausgleich suchen. Meine Stellungnahme zu der antisemitischen Hetze ist umso eindeutiger, als ich von jeher für die Gleichberechtigung unserer jüdischen Mitbürger eingetreten bin. Ich erinnere daran, daß ich u. a. stets die Hintansetzung der Juden in der Armee, namentlich im Ofizierkorps bekämpft habe. Anständige Gesinnung und Tüchtigkeit sollen das Kriterium für jeden Deutschen sein. Gleichberechtigung in bürgerlicher Betätigung und religiöser Ausübung gehören zu den Grundrechten jedes Deutschen. Diese meine Auffassung ist die der gesamten Reichsregierung. Die Regierung ist entschlossen, der antisemitischen Hetze mit allen gesetzlichen Mitteln entgegen zu treten. Sie werden in der Presse gelesen haben, daß es der Regierung gelungen ist, eine Hauptquelle der antisemitischen Hetze aufzufinden und unschädlich zu machen. Dem Staatskommissar für innere Ordnung liegt in Preußen die Unschädlichmachung der Hetze ob. Die Notwendigkeit hierzu ergibt sich ohne weiteres aus den Gefahren für die öffentliche Ordnung, die zu trüben zweifellos die ausgesprochene Absicht der antisemitischen Treiber ist. Es wird Ihnen auch bekannt sein, daß

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