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Das jüdische Echo · 1919-10-03 · 40 (3.10.1919) · p. Seite 479

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
40 (3.10.1919)
Date
1919-10-03
Page
Seite 479 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 40 Das Jüdische Echo 479 durch Ereignisse, welche ohne den Umweg der Sprache sich ihnen unmittelbar eindrückten. Nur, nicht wahr, ist es nötig,' daß der Aufnehmende und um wieviel mehr der Kritiker wissen muß, Darbietungen in fremder Sprache gegenüber zu sitzen, und sich im Klaren darüber zu sein, daß, wenn er diese Sprache nicht versteht, das Minus bei ihm zu suchen ist. Um beim Holländischen zu bleiben, von welchem wir ausgingen, dürfte es keinem Kritiker passieren, die Tatsache, daß er das Gesprochene nicht versteht, der Sprache zur Last zu legen, in welcher die Schauspieler sprechen. Das würde er tun, wenn er das Holländische, es mit einem deutschen Dialekt verwechselnd, seiner Unverständlichkeit wegen ärgerlich als „Geschnattere“ oder „Gequatsche“ in seiner Kritik bezeichnete. Die Kritik, welche die „Münchener Neuesten Nachrichten“ einem Abende des Warschauer Jüdischen Theaters widmeten, beginnt mit dem Satze: „Ein Gemauschel, von dem ich kaum ein Wort verstanden habe.“ Es ist die Schuld dieser jüdischen Truppe, wenn sie sich deutschen Kritiken aussetzt; und es ist, nachdem während1 der Kriegsjahre der nahe Osten den Deutschen eindringlich genug als Problemgruppe gegenüber trat, nicht zu verlangen, daß man in deutschen Zeitungskreisen weiß, was es mit dem Yiddischen auf sich hat; diese kleine Tatsache, die man gleichwohl in Philologenkreisen seit sehr langer Zeit weiß: daß Yiddisch nicht Deutsch ist, weder ein Jargon noch ein deutscher Dialekt, sondern eine vom deutschen Sprachstamme abgezweigte eigentümliche und eigengesetzliche Sprache. Professor Strack, welcher ihr einige Arbeit gewidmet hat, stellt sie mit dem Englischen in Parallele: wir haben hier nicht ohne Grund das Holländische als Vergleich vorgezogen; denn wie der Deutsche noch imstande ist, sich aus dem gedruckten Holländisch einen verständlichen Eindruck ungefähr zu holen, gesprochenem Holländisch aber hilflos gegenüber steht, schon weil das Tempo lebendigen Sprechens seine Aufnahmekraft übersteigt, wäre der Kritiker einem in europäischen Lettern gedruckten Yiddisch gegenüber nicht halb so hilflos, wie dem von der Bühne herunter rapide gesprochenen. Holländisch nun, wenn er es nicht versteht, würde kein Kritiker mit Gequatsche oder Geschnattere zu bezeichnen wagen. Yiddisch aber erscheint ihm als Gemauschel. Der Grund für diese charakteristische Unterscheidung liegt vermutlich darin, daß das Holländisch von einem früheren Stadium der deutschen Sprache abgezweigt hat als das Yiddische. Arnold Zweig. Aus der Jüdischen Welt Eisenbahnen in Palästina. Einer Zusammenstellung des L.Z.B. entnehmen wir folgende Mitteilung über den gegenwärtigen Stand des palästinensischen Bahnnetzes. Folgende Linien sind in Betrieb: Kantara—Haifa 415 km. Lud—Jerusalem 69 km. Lud—Jaffa 20 km, Rafa—Berseba 50 km, Haifa—Dera 164 km. Damaskus^-Dera—Maan 460 km. Haifa—Akko 17 km. Eine Deputation der ostgalizischen Judenheit in Warschau. Eine Deputation der ostgalizischen Judenheit, bestehend aus den Herren Dr. Gerson Zipper. Vorsitzender der Zionistischen Organisation in Ostgalizien, Redakteur der „Chwila“ Dr. Rosmarin, Redakteur des „Lemberger Tagblatt“ M. Frostig, Dr. Anselm Halpern aus Stanislau und Rabbiner Schmelkes aus Przemysl ist in Warschau eingetroffen. Die Abordnung intervenierte in einigen Ministerien in Angelegenheiten der ostgalizischen Judenheit, wobei sie namentlich auf die Drangsalierung derselben seitens der verschiedenen polnischen Behörden hinwies. Die Vertreter der Zentralregierung versprachen, die vorgebrachten Beschwerden zu prüfen und die angeschnittenen Fragen im Geiste der Gerechtigkeit zu regeln. Der iüdische Religionsunterricht in der Slowakei. Nach einem Erlaß des Schulministeriums vom 28. August darf der Religionsunterricht für jüdische Schüler in der Slowakei nur noch in diesem Schuljahre in deutscher Sprache erfolgen. Im nächsten Jahre müssen sich die jüdischen Religionslehrer über die Erlangung der slowakischen Sprache ausweisen. Wiederherstellung der Verbindung mit Angehörigen in Amerika. Dem Verband der Ostjuden in Deutschland ist es gelungen, mit namhaften amerikanischen Organisationen, die sich der Wiederherstellung von Verbindungen mit dort lebenden Verwandten widmen, in Fühlung zu treten. Der Verband ist bereit, hier lebenden Ostjuden dabei zu helfen, ihre Beziehungen mit ihren in Amerika sich aufhaltenden Angehörigen wieder aufzunehmen. Auskunft wird im Bureau des Verbandes, Berlin N., Germannstraße 29, zwischen 11 und 1 Uhr vormittags erteilt. Todesstrafe gegen Pogromisten in der Ukraine. Der ukrainische Ministerrat hat auf Antrag des Ministers für jüdische Angelegenheiten beschlossen. die Todesstrafe gegen alle der Beteiligung an Judenpogromen Schuldige zu verhängen. Das Jüdisch-amerikanische Hilfswerk für Polen. Warschau, 9. September. Der Vertreter des Joint Distribution Comitee für Polen. Dr. Bogen, ist für einige Monate nach Amerika abgereist. Einem vor seiner Abreise veröffentlichten Berichte ist zu entnehmen, daß gegenwärtig 889 Orte in Polen durch dieses Komitee unterstützt werden. Die Gesamtsumme der Unterstützungen für die Zeit vom 1. Februar bis 1. September 1919 beläuft sich auf 23 799 731 Mark. Nachforschung nach Vermißten. Unser Gesinnungsgenosse Erich Schmoller. Heilsberg. Ostpr. Durchgangslager, hat sich erboten, Nachforschungen nach Gefangenen und Vermißten aus Rußland zu übernehmen. Anfragen (Name, letzter Truppenteil und letzter bekannter Aufenthaltsort) sind direkt an ihn zu richten. literarisches Echo „Aus dieser und iener Welt“. Jüdische Geschichten von Jizchok Leib Perez. R. Löwit Verlag Wien und Berlin. Preis geb. M. 10.—, brosch, M. 7.—. Im Verlage R. Löwit, der das deutsche Publikum schon mit einer Reihe von Werken dieses großen jüdischen Erzählers bekanntgemacht hat. ist ein Novellenband von Perez erschienen, eine Sammlung von Geschichten. Skizzen und Bildern aus der Welt des Ostens, die ihrem Inhalte nach aus den verschiedenen Sammlungen bekannt sind, deren Zusammenstellung aber neu und ansprechend ist. Der Zwiespalt ostjüdischen Lebens, die innige

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