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Das jüdische Echo · 1919-10-03 · 40 (3.10.1919) · p. Seite 477

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
40 (3.10.1919)
Date
1919-10-03
Page
Seite 477 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 40 Das Jüdische Echo 477 wissen Ausnahmen abgesehen, nur solche Personen nach Palästina hineingelassen werden, die bereits früher dort gelebt haben. Es besteht jedoch die Hoffnung, daß die Kategorie der Personen, denen — auch unter den gegenwärtigen Bedingungen — Reiseerlaubnis nach Palästina erteilt wird, demnächst etwas erweitert werden wird. B. Reisemöglichkeiten: Personen, die im Besitz einer Reiseerlaubnis nach Palästina sind und via England zu reisen beabsichtigen, werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Reisemöglichkeiten von England aus gegenwärtig außerordentlich beschränkt sind und daß sie sich wahrscheinlich während der nächsten sechs Wochen nicht bessern werden. Privatpassagiere können nur in ganz besonderen Ausnahmefällen Schiffsplätze von England nach Palästina erhalten. Die Erlaubnis zur Durchreise durch Frankreich ist nur mit größter Schwierigkeit zu beschaffen. Am zweckmäßigsten ist es, via Italien zu reisen; es besteht ein regelmäßiger Verkehr von Triest nach Ägypten und Palästina. Kulturarbeit In Palästina. K. Z. B. Das kulturelle Leben in unserem Lande hat in letzter Zeit einen großen Aufschwung genommen. Zahlreiche Schulen hielten jetzt ihre Abschlußprüfungen /aib, und nur im Hebräischen Gymnasium in Jaffa haben die Prüfungen noch nicht stattgefunden. Eine große Anzahl der Gymnasiasten dient als Freiwillige in der Jüdischen Legion, und viele andere, die seinerzeit durch die Türken zum Eintritt in das türkische Heer gezwungen wurden, befinden sich in Gefangenschaft. Von den letzteren ist bereits ein großer Teil befreit und wird demnächst in Palästina eintreffen. Aus diesem Grunde konnten die Reifeprüfungen im Gymnasium bisher nicht abgeschlossen werden. Sämtliche Schulen sind jetzt dabei, ein neues Schulprogramm auszuarbeiten. Die Frage der Abiturienten beschäftigt zurzeit die leitenden Kreise des jüdischen Palästina im hohen Maße. Wir haben jetzt etwa 200 Abiturienten, die keine Möglichkeit haben, ihre Ausbildung fortzusetzen. Bei dien gegenwärtigen Verkehrs¬ und Grenzschwierigkeiten ist es so gut wie ausgeschlossen, ihnen das Studium in europäischen Universitätszentren zu ermöglichen. Nur etwa 20 jungen Leuten dürfte es gelingen, ins Ausland zu kommen. Es ist daher bei uns das Projekt aufgetaucht, Hochschulkurse zu errichten, um den zahlreichen Abiturienten vorderhand die Möglichkeit zu geben, sich weiter fortzubilden. Die hierfür speziell gebildete Kommission, bestehend aus den Herren Dr. Eder. Dr. L u r i e, J e 11 i n und Dr. Rosen stein, hat bereits das Statut der Hochschulkurse ausgearbeitet. Die Kommission hat an die zionistische Zentrale in London den Antrag gestellt, bereits zu Beginn des nächsten Jahres, d. hi. in etwa drei Monaten, Hochschulkurse in Palästina zu eröffnen und für diesen Zweck eine Reihe von Professoren und Dozenten nach Palästina zu entsenden. In die Verwirklichung dieses Projektes setzen die Abiturienten große Hoffnungen. Viel gesprochen wird bei uns in letzter Zeit von der Universität, Schon längst hat es bei allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung Befremden hervorgerufen, daß nach der großen Begeisterung, mit der man die Grundsteinlegung der Universität seinerzeit gefeiert hatte, ein vollständiger Stillstand eingetreten ist. Man fragt sich1, warum nicht an den Bau der Universität geschritten wird, wo doch die Arbeitslosigkeit in unserem Lande so schmerzlich empfunden wird. Man glaubt, daß es bei energischem Bemühen wohl möglich wäre, die für den Bau erforderlichen Rohmaterialien zu erhalten, um das schöne Werk zu1 beginnen, das für viele Hunderte von Juden eine Ouelle der Arbeit und der Verdienstmöglichkeit werden würde. Der Stillstand in der Ausführung des ganzen Universitätsplanes hat so merkwürdige Formen angenommen, daß in der jüdischen Presse Palästinas Stimmen laut wurden, die Zionistische Palästina-Kommission möge wenigstens dafür sorgen, daß der für die Universität bestimmte Platz vor Verunreinigung und anderem Mißbrauch geschützt werde. Die Zionistische Palästina-Kommission hat sich daraufhin auch veranlaßt gesehen, eine Überwachungskommission für diesen Zweck zu ernennen. Jetzt geben sich viele der Hoffnung hin, daß durch die Verwirklichung des Projektes der Hochschulkurse auch der Universitätsged'anke eine wesentliche Förderung erfahren werde. Der Rückweg aus der Assimilation Ein Aufruf zur Arbeit. Die zionistische Bewegung hat in der ganzen Welt und auch in Deutschland eine nie geahnte Ausdehnung genommen. Man denke sich, daß ein Volk, das national und kulturell längst auf dem Aussterbeetat stand, sich plötzlich seiner nationalen Einheit bewußt wird, ein Volk, dem jegliche Volkskriterien, wie eigenes Land, eigene Sprache, eigene Geschichte fehlten! Man müßte ihm eigentlich alle Fähigkeit eines nationalen Daseins absprechen. Und das wurde auch versucht, bezeichnenderweise nicht so sehr von Christen, als vielmehr von unseren eigenen Stammesgenossen, die so assimiliert waren, daß sie sich der Rassezugehörigkeit nicht mehr bewußt waren oder bewußt sein wollten. Wir wollen eifrig von diesen Leuten abrücken, wollen eifersüchtig den Rest unseres Nationalguts wahten, ihn zu erweitern und zu vertiefen suchen! Wir wollen wieder Ganzjuden sein, wollen uns nicht noch weiter von fremder Kultur auffressen lassen! Wir müssen wieder Werte in uns schaffen, die uns würdig machen, stolze Juden zu sein! — Blicken wir in der Welt umher, so sehen wir nirgends Volljuden, höchstens Juden, die weniger assimiliert sind wie wir. Von denen müssen wir lernen! Zunächst von den Ostjuden. Sie sind gewiß nicht das Ideal, am wenigsten ein großer Teil derer, die nach Deutschland kommen. Aber die Hauptmasse kann unser einstweiliger Lehrer sein. Auch sie sind nicht frei von Assimilation; sie haben von Polen und Russen den angeblich „typisch-ostjüdischen“ Schmutz, die Unsauberkeit in sehr vielen Dingen gelernt. W i r haben uns viel mehr, in fast allen anderen Beziehungen an unsere Wirtsvölker angepaßt und stecken viel tiefer im Pfuhle der Assimilation als jene. Darum brauchen wir sie als Führer in jüdischen Dingen, während sie von uns manches rein Menschliche lernen können. Es genügt uns Zionisten jetzt nicht mehr, rein zahlenmäßig recht stark dazustehen; wir müssen neben extensiver auch intensive Arbeit leisten. Wir müssen von jedem bewußten Juden verlangen, daß er sein Judentum mehr als platonisch liebt. Es ist eine schwere Arbeit, die zweitausendjährige Assimilation wettzumachen. Ganz werden es

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