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Das jüdische Echo · 1919-10-03 · 40 (3.10.1919) · p. Seite 476

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
40 (3.10.1919)
Date
1919-10-03
Page
Seite 476 (sequence 4)
Language
German
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476 Das Jüdische Echo Nr. 40 Jeder beschäftigt sich mit irgend einem Spezialgebiete. Aber auch: das entlegenste Spezialgebiet hat Seiten, wo es sich mit dem jüdischen Problem berührt. So kann sich z. B. derjenige, der sich mit technischen Problemen beschäftigt, auch die technischen Probleme studieren und sich ihnen zuwenden. die uns für Palästina notwendig sind. Er kann sich für den Ausbau der Wasserkräfte in Palästina interessieren, für die Möglichkeit von Eisenbahnen, für die Möglichkeit der Verwertung der Rohprodukte, die in Palästina gefunden werden und dergleichen mehr. Derjenige, der etwa Schriftfachmann ist. mag daran denken, eine hebräische Stenographie zu erfinden, zu der wohl einige Anfänge, aber nur verunglückte Anfänge existieren. Derjenige, der Maschinentechniker ist, mag unter anderem an eine hebräische Schreibmaschine denken. Es gibt wohl eine solche hebräische Schreibmaschine, die indessen die notwendige Vokalisation nicht besitzt. Es ist das in der Tat ein sehr schweres technisches Problem. Da es aber gelungen ist. auch für die schwierige arabische Schrift eine brauchbare gute Schreibmaschine zu schaffen, so ist kein Zweifel, daß auch für das Hebräische eine solche Schreibmaschine erfunden werden kann. Das sind nur so gelegentlich genannte Themen. Wer sich mit Metereologie beschäftigt, wird der Landwirtschaft in Palästina nützen, wenn er metereologische Studien über Palästina macht, wie sie schon unternommen worden sind, aber gewiß nicht in genügendem Maße. Ganz zu schweigen von Jenen, die gewisses Wissen und ein wissenschaftliches Streben auf speziellen Gebieten der jüdischen Wissenschaft besitzen. Da gibt es spezielle Aufgaben, die der einzelne Forscher nicht machen kann und bei welchen die Mitarbeit eines großen Kreises von Studenten sehr erwünscht wäre. Ich denke beispielsweise daran, daß die moderne jüdische Literatur noch recht arm ist, daß es eine sehr wichtige Aufgabe wäre, sehr vieles aus der allgemeinen Literatur, aus der deutschen, französischen, englischen Sprache usw. in das Hebräische zu übersetzen. Aus jener Zeit, wo ich in Palästina unterrichtet habe, weiß ich aus Erfahrung, wie bald die jüdischen Schulkinder gezwungen waren, zu Büchern in fremder Sprache zu greifen, weil der Lesestoff für die Jugend in der hebräischen Sprache ein sehr beschränkter ist. Zu diesem Zwecke könnten sich diejenigen, die dafür Interesse haben, organisieren, sammeln. Es ist nicht schwer, eine spezielle Abteilung für diese Arbeit zu schaffen und ich kann versichern, daß nach allem, was wir wissen, es an Verlegern hiefür nicht fehlen wird. Die Bücher werden sicher den Weg zum Drucker finden und sicher großen Nutzen stiften können. Eine andere Aufgabe, die der Erfüllung harrt, ist beispielsweise die Schaffung eines deutschhebräischen Wörterbuches. Was bisher vorhanden ist, verdient kaum der Erwähnung. Es ist sehr oft an verschiedene Gelehrte herangetreten worden, ein solches Werk zu schaffen. Der Einzelne kann das nicht, wenn er nicht sein ganzes Leben einer solchen Arbeit widmen will, die nicht Jeden geistig vollkommen befriedigen wird. Kann er sich aber auf einen Stab von willigen Mitarbeitern stützen, denen es beispielsweise übertragen werden kann, das Material aus vorhandenen jüdisch-deutschen Wörterbüchern, das Material aus bestimmten Teilen, den besten Teilen der jüdischen Literatur zu exzerpieren, so wäre es möglich, in relativ kurzer Zeit ein solches Werk zu schaffen, das von großer Bedeutung für die weitere Entwicklung des hebräischen Gedankens sein könnte. Dasselbe gilt beispielsweise für eine Bibelausgabe. Ich weiß nicht, ob es allgemein bekannt ist, daß es eine moderne wissenschaftliche Ausgabe der Bibel nicht gibt. Der einzelne Forscher, der an eine solche Aufgabe herantritt, sieht sich genötigt. Material zu sammeln, das ihm dann so über den Kopf wächst, daß er nicht zum Abschluß der Arbeit gelangen oder nur einen Teil fertigstellen kann, während doch das Ganze ein dringendes Bedürfnis ist. Es wäre unter anderem notwendig, daß sämtliche biblische Parallelstellen zusammen gestellt werden, weil sie ein ausgezeichnetes Material für die Erklärung der einzelnen Stellen bieten würden. Es wäre notwendig, daß in weitem Umfange Parallelstellen aus den verschiedensten alten Literaturen dieser Bibel gesammelt werden, etwas, was wieder ein Einzelner nicht machen kann, der bereits mit bestimmten Aufgaben besetzt ist. Wenn es aber Studenten gibt, die es ernst mit ihrer Aufgabe meinen und die wirklich mitarbeiten wollen, wäre nichts leichter als die Schaffung einer Abteilung für wissenschaftliche Mitarbeit. Ebenso wie es einen Arbeitskreis für jüdische Erziehung gibt, soll es auch eine Arbeitsabteilung für wissenschaftliche Hilfsarbeit geben, der eine bestimmte Aufgabe übertragen werden könnte. All das sind opfervolle Aufgaben. Aber diejenigen, die so oft das Wort im Munde führen, daß sie die größten Opfer bringen wollten, um nach Palästina zu gehen und dort ihren Beruf zu Gunsten eines andern auifzügeben, diejenigen sollten doch im Stande sein, auch hier das kleinere Opfer eines Teiles ihrer Zeit zu bringen und damit unsere gemeinsame Sache zu fördern. Das ist zwar keine Arbeit, die in der großen Öffentlichkeit sobald anerkannt und geschätzt sein wird, aber eine umso nützlichere und fruchtbarere. Damit hätte ich nur einige kleine Anregungen für die weitere studentische Arbeit gegeben. Ich habe, weil ich mich selbst auf diesem Gebiete zu wenig kompetent fühle, nicht ausdrücklich: von der jüdischen Kunst und der hebräischen schönen Literatur gesprochen. Auch hier müßte man ja über manche Einzelheiten sprechen, um Pläne zu entwerfen, auch hier ließe sich vieles tun. Ein Katalog sämtlicher wertvoller jüdischen Bücher und Zeitschriften müßte angelegt werden und wäre für den, der auf jüdisch-wissenschaftlichem Gebiete weiter arbeiten wollte, von großem Nutzen. Desgleichen wären solche statistische Arbeiten wahrscheinlich auch auf dem Gebiete der jüdischen Kunst nützlich, sowohl in Bezug auf Werke, die jüdische Gegenstände betreffen, als in Bezug auf Leistungen jüdischer Künstler. Das alles sind Einzelpunkte. Im Ganzen kann ich nur wiederholen, daß im jüdischen Studenten Ssiicher Kräfte schlummern, großer Wissensdrang und großer Eifer, die sehr viel Nützliches schaffen können. Aber es muß dazu der ernste Wille treten, wirklich an sich und für das Volk zu arbeiten. Reisen nach Palästina. Die Abteilung für Einwanderung beim Palästina- Departement des Zionistischen Zentralbureaus in London macht folgendes bekannt: A. Reise-Erlaubnisse: Die Bedingungen, unter denen Erlaubnis zur Reise nach Palästina erteilt wird, sind während der letzten Wochen nicht wesentlich geändert worden. Die zeitweilige Beschränkung ist noch in Kraft, gemäß der. von ge-

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