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Das jüdische Echo · 1919-09-24 · 39 (24.9.1919) · p. Seite 468

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
39 (24.9.1919)
Date
1919-09-24
Page
Seite 468 (sequence 8)
Language
German
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463 Das Jüdische Echo Nr. 39 Arbeiten publiziert hat. Die Zeitung schreibt: „Die Wahl von Professor Qeddes ist eine sehr glückliche; sein Rat und seine Hilfe werden sicherlich von außerordentlichem Nutzen sein. Seine Ernennung beweist zugleich, daß ein neues Palästina —■ und ein jüdisches Palästina — jetzt erheblich mehr als ein Traum geworden ist. Die zionistische Bewegung ist voll und ganz in das Stadium der praktischen Tätigkeit eingetreten, und der Umstand, daß man die Hilfe solcher Männer wie Professor Geddes heranziehen kann. eröffnet die weitesten Möglichkeiten.Es steht zu hoffen, daß die Friedenskonferenz die Ernennung von Professor Geddes als ein Pfand für den Enthusiasmus des Schaffens ansehen wird, den die Juden an den Tag legen werden, wenn die britische Deklaration in einem großzügigen und weisen Geist interpretiert wird und nicht in pedantischer und engherziger Art und Weise.“ Die Armut im okkupierten Litauen. Der Delegierte des amerikanischen jüdischen Hilfskomitees, der zwecks Hilfsarbeit eine Reihe von kleinen Städten des gegenwärtig von den Polen okkupierten Gouvernements Grodno bereist hat. Herr Lew, berichtete im Warschauer „Moment“ über seine Erlebnisse. In den Städtchen Rushuani, Wolkowisk. Kossowo, Snow herrscht eine buchstäbliche Hungerseuche. Die Sterblichkeit der Juden nimmt einen ungeheuren Umfang an. Flecktyphus und Schwindsucht begleiten die Wie futfffec im Weltfrfeg nimmt l(t fflfitutyuc fügend (tfra MJtcöecauffmu $de6eti£ (tyte ausgeprägt* Stellung unter den deutften UfußrUrten ^eüfitytfften ein. £fe iß nad) tnie not die aj«61mgölettüre ein« ftOett/ der ernß und nocurteUdlo* den 5eit* geiß üerfolgt fcejugdoreid üierteljfifjclftftint. 10.— (Öudftandei oder paß) ltnmitteKor öora Oering in Hollen öerparft mit porto, in Oeutßtyiand Ulf. 12.50 im Sfodland ÜTf. 13.— praftedände 4 Hummern enthaltend Hit. i.fo einzelne Hummern HTf. l.— Ueclag fite Jugenö' JKümfjen, ießingßt. 1 Hungersnot. In Snow fand der Delegierte fast in jedem Haus zwei oder drei Typhuskranke oder Schwindsüchtige. In der Stadt gibt es keine ärztliche Hilfe. Der nächste Arzt sitzt in Baranowitschi und hat in seiner Stadt so viel zu tun, daß er unmöglich für so weit entlegene Ortschaften in Betracht kommt. Die Hilfe, die aus Amerika gebracht worden ist. steht in keinem Vergleich mit der Not der Bevölkerung Ein vollständiger Ruin eines einst so bevölkerten Gouvernements des jüdischen Ansiedlungsrayons! Feuilleton Eine Waldgeschichte. Von David Frischmann. Gerauscht hat der Wald und gerauscht, gelärmt hat er und geplappert, und wohin der Wind geweht, dorthin haben sich die Bäume geneigt. So ist einmal die Natur des Waldes . . . Das ganze liebe Jahr sich abgemüht, tagein. tagaus und niemals Zeit gehabt. Einmal aber an einem schönen Frühlingsmorgen, geschah etwas Wunderbares. Eine junge Birke blickte zufällig auf ihren Abreißkalender und wurde bleich vor Schrecken. Mit ihrer ganzen Kraft rief sie aus: „Du großer Gott im Himmel, morgen ist doch der fünfzehnte Schebat, Rosch-Haschanah!“1) Und der Waldwind, dieser alte Schwätzer, hat bald einen Ausruf von Baum zu Baum weitergetragen. und in wenigen Minuten wußte schon der ganze Wald von Eck zu Eck: morgen ist Rosch- Haschanah! In der Nacht darauf ist alles wie durch einen Zauber verwandelt worden, so daß man in der Frühe den Wald nicht mehr erkennen konnte. Fromm und andächtig standen sie schon bei Tagesanbruch, die Augen gen Himmel gerichtet Mit der Frömmigkeit eines einzigen Tages wollten sie alle Sünden eines vollen, runden Jahres abwischen. So ist einmal die Natur des Waldes . . . Der ganze Wald war in Weiß gehüllt; von frischgefallenem Schnee waren die Taleißim. und die Zizis hingen in langen Eiszapfen herab. Eine alte närrische Fichte hatte sich eine weiße Haube zierlich aufgesetzt. Und ein Zittern entstand; ein ehrliches Zittern ging durch den Wald. Die Zeit der Gewissensregung war gekommen. Sie begriffen plötzlich ihr ganzes nichtiges Dasein. Ihre Augen wurden zum Heizen geholt . . . und ihre Alten werden in Bretter zersägt . . . Nicht beneidenswert sei ihr Los! Ob es wirklich damit getan sei. wenn man sich das ganze Leben lang nach allen Winden schaukelt. . . Und die Bäume fingen bitterlich zu weinen an. An der Seite stand ein müder greiser Tannenbaum und sang seit morgen, halb verschlafen, seine T’hilim. Die Sonne, blaß und trüb, sandte einen schwachen Strahl durch das Gehölz . . . und plötzlich gebot ein junger Ahorn Schweigen und begann sein Adaun-Aulom; sein Jüdisch war schlecht, aber es kam von ganzem Herzen . . . Und fort ging es der Reihe nach, der Baal-Schachris war ein fester .Eichenbaum und der Baal-Mussaf ein stämmiger Erlenbaum. Der Wind blies kräftig das Tekyo-Scheborim-Truyo. und die ganze Gemeinde *) Der 15. Schebat Chamischoassor-beschebat ist nach dem Talmud der Neujahrstag der Bäume, an dem über jeden Baum Gericht gehalten und dessen Schicksal für das kommende Jahr vorausbestimmt wird.

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