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Das jüdische Echo · 1919-09-24 · 39 (24.9.1919) · p. Seite 469

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
39 (24.9.1919)
Date
1919-09-24
Page
Seite 469 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 39 Das Jüdische Echo 469 erhob ein Klagegeschrei. Ein alter dicker Fichtenbaum versuchte bei Waanachnu-Kaurim sich bückend bis zur Erde herabzulassen . .. und konnte sich kaum noch wieder aufrichten . . . Und ein Krächzen entstand; ein ehrliches Krächzen ging durch den ganzen Wald, von Eck zu Eck. Der Nachmittag rückte heran, und die Stimmung begann allmählich nachzulassen. So ist einmal die Natur des Waldes . . . Das junge Volk schickte sich anscheinend an, zu Taschlich zu schreiten, und die Alten standen und unterhielten sich. Ein närrischer Erlenbaum erzählte stolz von seinem Großvater und seinem Vater seligen Angedenkens. Sein Großvater, als er verschieden war. wurde sorgfältig zersägt, und aus seinem Holz machten sie einen Thron für die Königin von Saba, und aus seinem Vater schnitten sie Mastbäume für die Schiffe des Königs Hiram. „Solch ein Glück! Solch ein Glück!“ nickten ihm die Zuhörer begeistert zu. Und der Erlenbaum fuhr fort: ..Sollte mir am heutigen Rosch-Hoschanah beschieden sein, dies Jahr von der Welt zu gehen, so wünsche ich mir keinen besseren Tod . . .“ Ein frommer Kastanienbaum versteifte sich* „Wenn schon der Tod, so wünsche ich allerdings lieber, daß man aus mir einen Rabbinerstuhl für einen großen Rabbi mache und aus meinen Zweigen Deutgriffeln schnitze, womit man den Kindern in den Schulen auf das heilige Aleph-Beth deuten solle.“ „Weltfremd!“ dachte sich ein langer, dürrer Faulbaum . . . Eine junge einsame und unfruchtbare Linde ließ die Augen hängen und flüsterte verschämt: „Wenn schon sterben, so soll man aus meinem Leib Kinderwiegen machen . . .“ Die Nachmittagstunden waren vorbei. Das junge Geschlecht am Bach hatte inzwischen sein Taschlich begonnen; es schüttelte seine welken Blätter ab, die ins Wasser fielen. Eine junge Birke trieb indessen einen Flirt mit einem leichtsinnigen Westwind; ... sie tändelten und plauderten vertraulich und wurden nur minutenweise durch die Stimme des greisen Tannenbaumes gestört, der noch immer abseits stand und müde und schläfrig seine T’hilim sang, die er von vorne angefangen hatte: „Lamah ragschu goym ulumim jehegu rik, Warum toben so die Völker und trachten die Nationen Böses,“ Die Heiligkeit des Jaum-Hadin war nun ganz entschwunden, und das junge Volk nahm sein gewohntes Rauschen wieder auf . . . Plötzlich aber ereignete sich etwas Ungewöhnliches. Ein alter Rabe war krächzend und kreischend angeflogen gekommen . . . „Ein Wahrsager, ein Wahrsager ist erschienen!“ In wenigen Minuten wußte es der ganze Wald, daß ein Wahrsager gekommen ist. Die junge Birke war die erste: „Kinderchen, wollen wir uns nicht Karten legen und wahrsagen lassen!“ Die ganze Gemeinde lachte; jeder stellte sich so, als ob er an solche Narrheiten nicht glaube: im Herzen aber zog und zog es mächtig dahin zum krächzenden schwarzen Rropheten . . . Die Birke natürlich war wiederum die erste gewesen. Sie reichte ein Zweiglein dem Raben, der an den Linien abzulesen begann: „Siehst du hier diese mittlere Linie?“ sagte er krächzend und kreischend, „sie geht hinauf und oben ist sie spitz; da droben zieht sich eine andere Linie über die Spitze hinweg und fällt an den Seiten in zwei Enden herab. Wisse! bevor noch das Jahr herum ist, wirst du unterm Beil fallen, und aus deinem Holze wird man einen Galgen machen, und an dem Galgen wird ein armer unschuldiger Mensch hängen. Einige Minuten wird er dort zappeln und dann sterben. Eine arme Witwe mit hungrigen Waisen werden ihn beweinen.“ „Genug! Genug! Die Birke zog mit Todesschauer ihr Zweiglein zurück und wandte sich hastig ab. Ein junger Eichenbaum, ein halber Freigeist, streckte mit gezwungenem Lächeln mutig einen Zweig aus. Der Rabe besah ihn sich und begann nachsinnend seine Prophezeiungen. „Bevor noch dreimal drei Tage ins Land ziehen, wird eine Axt dein Haupt zerschmettern, und aus deinem Holze wird man von der einen Hälfte eine Tragbahre und eine Leichenbahre machen und von der anderen einen Sarg. Ein Schrecken wirst du sein für alle, die dich sehen, ein Abscheu für alle Menchen.“ Der Eichenbaum rückte hurtig seitwärts ab. Plötzlich aber ließ sich der greise fromme Tannenbaum räuspernd und schaukelnd vernehmen: der Wind schien ihm etwas zugeflüstert zu haben. Er ließ von seinem T’hilim und streckte dem Raben einen Ast entgegen. „Keine dreimal drei Monate werden vorbei sein und aus der Hälfte deines Holzes wird man eine Bank machen. Weißt du aber, was für eine? Eine Bank für Angeklagte wirst du im Gerichtshof stehen, und sitzen wird auf dir ein unglücklicher Mensch. Eine schmähliche falsche Beschuldigung hatte ihn dort hingebracht: er trinke Blut von kleinen Kindern . . . Aus der anderen Hälfte deines Holzes wird man einen schönen Richterstuhl herstellen . . . und auf diesem wird derjenige sitzen.der das Urteil über den Unglücklichen auf der Bank fällen wird . . .“ Der Tannenbaum verhüllte das Angesicht in seine Zweige und wollte nicht weiter hören. Und gerauscht hatte wieder der Wald und gerauscht, gelärmt hatte er und geplappert, und wohin der Wind weht, dorthin hatten sich die Bäume geneigt ... (Aus dem Jüdischen übersetzt und bearbeitet von O. G r o ß v o g e 1.) Gemeindenu. Vereins-Echo Jüdischer Wanderbund Blau-Weiß München. Sonntag, den 28. Sept. 1. Zug: Isartal. Treffp. 7 Uhr Ostfriedhof (Billett nach Grünwald) M. 1.50, 2. Zug: Unterhaching, Treffp. 7.30 Uhr Giesinger Bahnhof, Mk. 1.—, 3. u. 4. Zug: Immertshausen. Treffp. 8 Uhr Steinhausen (Linie 19), Mk. 1.—. 5. Zug: Ebersberg. Treffp. 7 Uhr Ostbahnhof Mk. 1.—. 1. Gr. Unt. Isarauen, Treffp. 8.15 Uhr Bogenhauserbrücke, 10 Pfg„ 2. Gruppe: Puchheim, Treffp. 8 Uhr Starnberger Bahnhof, 80 Pfg„ 3. Gruppe: Starnberg, Treffp. 6.20 Uhr Starnberger Bahnhof. M. 1.60. 4. Gruppe Schwaben. Treffp. 8 Uhr Prinzregententheater Mk. 1.50. Spendenausweis Münchner Spendenausweis. Nationalfondsspenden: Benno Lamm, München, Aufrufspende bei Dr. Simon, Heidelberg 20.—; Dr. Raphael Strauß u. Frau grat. z. Verlob. Prins-Fränkel 1.—; M. Stiefelzieher u. Frau anl. d. Verlob, ihrer Tocht. 10.—; Geschw. Stiefelzieher anl. d. Verlob, ihrer Schwester 5.—; J. Wainschel u. Frau anl. der Verlob, ihres Sohnes Oskar mit Frl. Henr. Stiefelzieher 10.—; Geschw. Wainschel anl. d. Verlob, ihres Bruders 5.—; Jakob Nußbaum u. Frau anl.

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