Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 38 (19.9.1919)
- Date
- 1919-09-19
- Page
- Seite 455 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38 Das Jüdische Echo 455 Verhandlungen zwischen Hgudas Jisroel und Zionisten. Ein aus Paris in Zürich eingetroffener Gewähremann teilt der „Jüdischen Preßzentrale Zürich“ mit: Der Vorsitzende des „Zentralbureaus der Agudas Jisroel Zürich“, Herr Oberrabbiner Dr. Th. Levenstein, hat als einziger Vertreter der politischen Kommission der „Agudas Jisroel“ in Paris geweilt und mit Nahum Sokolow vertrauliche Verhandlungen gepflogen. Die anderen beiden Mitglieder der politischen Kommission der Agudas Jisroel, die Heren Oberrabbiner Prof. Dr. Margulies aus Florenz und Oberrabbiner Schapiro aus Kowno, waren verhindert an den Verhandlungen teilzunehmen. Bei der Unterredung soll es sich vor allem darum gehandelt haben, eine Verständigung für eine eventuelle gemeinsame Arbeit in Palästina herbeizuführen. Dr. Levenstein hat sich von Paris nach Holland begeben. Aus der Jüdischen Welt Heimbeförderung der Palästinenser. Die in der Wiener Evidenz des Palästinaamtes befindlichen Palästinenser werden hiermit verständigt, daß ihnen Gelegenheit zur Heimreise geboten ist. Anfangs Oktober wird ein Palästinaheimkehrertransport von Wien abgehen. Anmeldungen zur Mitreise werden bei der jüdischen Palästina-Reise- und Transport-Gesellschaft m. b. H.. II.. Praterstraße 9, Tür 5, von Montag, den 15. bis Donnerstag, den 18. d. M. in der Zeit von 4—6 Uhr nachmittags entgegengenommen. Da die Vorarbeiten zu einem Transporte längere Zeit in Anspruch nehmen, wollen sich auch diejenigen anmelden, welche infolge der Feiertage erst zu einem späteren Zeitpunkte abzureisen beabsichtigen. .. Ärzte nach Palästina. Durch Vermittlung der Ärztegruppe des Palästinaamtes sind drei Ärztestellen in Palästina zu besetzen, und zwar für einen Dermatologen. Oto-Rhino-Laryngologen und Neurologen-Psychiater. Bewerbungsfällig sind alle jüdischen Ärzte ohne Unterschied ihrer Staatszugehörigkeit. Reflektanten mögen sich ehebaldigst schriftlich oder mündlich bei der Ärztegruppe des Palästinaamtes. Wien. II.. Zirkusgasse 33, täglich von halb 3 Uhr bis halb 4 Uhr nachmittags melden. _ Theater-Echo Vorführungen jüdischer Theaterkunst in München. Die Gastspiele des „Warschauer jüdischen Theaters“ auf der Bühne des „Neuen Theaters“ und Rudolf S c h i 1 d k r a u t’s in den „Kammerspielen“ boten erwünschte Gelegenheit, zu lebenden Erzeugnissen jüdischer Kultur Stellung zu nehmen. Daher gewährten besonders die ersten Abende beider Veranstaltungen schon äußerlich das Bild großer „Ereignisse“ im Theaterleben Münchens. Auch die allgemeine Presse widmete — in Sonderheit dem großen Darsteller Schildkraut — eine Beachtung, die für ihr Verständnis der völkerpsychologischen Wertung ein günstiges Zeugnis ablegt. Im täglichen Spiel brachten die „Warschauer“ stets wechselnde Darbietungen aus dem Stoffgebiet, das ihnen und ihrem Publikum geläufig' und aus diesem Grunde des kulturhistorischen Interesses nicht entbehrt. Da sie diesen dramatischen Schöpfungen, die sich mehr durch Häufung der Effekte und durch allzu scharfe Kontrastierung als durch dichterische Bewältigung des Psychologischen an den aufnehmenden Sinn des. „Gründlings im Parterre“ wenden, wahrhaftes Leben einzuflößen verstehen, wird die Schauspielertruppe nirgends des Erfolgs bar bleiben. Der Mittelpunkt der Gestaltung, der in den blutvollen Figuren der Frau Anna Jacubowicz lag, strahlte auf die übrigen Darsteller aus. Mit einer Fülle des Temperaments, das den entgegengesetzten Äußerungen in gleich glaubwürdiger W/eise bildhaften Lebensodem einflößte, wirkt sie in unmittelbarster Weise. Die Spannweite ihres Mitfühlens gibt diesen Heldinnen eines echten Volksstückes, das mit reichlicher Rührseligkeit nur „Gut“ und „Schlecht“ kennt, einen Glanz der Verwirklichung, der unbedingt mitreißt. Neben ihr stehen wohl die übrigen Darsteller zurück,, doch sind ihre Leistungen durchaus gut. Herr H. Jacubowicz bemüht sich mit den Herren Krieger, Feiblein und S i 1 b e r m a n n durch Lebhaftigkeit und Eindringlichkeit zu wirken, wobei sie von gutem Erfolg begleitet sind. Die Damen, Frau S c h ä f f e r , die den Müttern eine warmherzige Gestalt verleiht, und Frl. Perei m a n n, die den vorwitzigen Ton junger Haustöchter in überzeugender Weise zum Ausdruck bringt, runden den Gesamteindruck des- Ensembles in vorteilhafter Weise ab. „„ Die Güte der schauspielerischen Leistung, insbesondere der Verkörperungen durch Frau Jacubowicz. läßt es außerordentlich bedauernswert erscheinen, daß die Wahl der Spielleitung auf Werke geringeren literarischen Wertes gefallen ist. Wenn noch G o r d i n in seiner „Schchiete“. in „Chassie, die Jesoime“ und „Gott, Mensch und Teufel“ ein einigermaßen befriedigendes Bild der jiddischen Literatur gibt, so sind die übrigen zur Aufführung gelangten Stücke doch den Anforderungen des guten Geschmacks zu wenig gerecht geworden. Es würde sich gerade im Interesse der Schauspieler empfehlen, die Kräfte an besseren und weniger auf das äußere Schaubedürfnis eines unwählerischen Publikums eingestellten Werken zu messen. Besonders die Operetten waren nicht geeignet, einem weiteren Kreise einen günstigen Begriff von neujüdischer Kunst zu übermitteln. Dennoch war das Publikum, das „Mammeloschen“ mit sichtbarer Freude aufnahm, durch die lebende Kraft der Darstellung zu starker Beifallsfreudigkeit hingerissen. Und mit Recht. Frau Jacubowicz gab, wie die ganze Gesellschaft, auch in diesen ausgelassenen Proben der heiteren Museein erfreuliches Bild künstlerischer Bewältigung der Gesangsposse. War nur durch die darstellerische Qualität und durch das kulturpsychologische Moment die inhaltliche Darbietung der jiddischen Stücke hingenommen worden, so war diese Diskrepanz nicht minder fühlbar in der Aufführung von S c h a 1 o m A s c h ’s „Gott der Rache“. Einzig Schildk r a u t s überlegene und feinfühlige Verkörperung des Jankel Schepschowitsch, die in den Mitspielern trot? ihres weiten Abstandes eine verständnisvolle Begleitung fand, vermochte es, die harte Eigenart des Stückinhalts erträglich zu gestalten. Dennoch bleibt zu bedauern, daß die große Kunst des Mimen nur in diesem Werke sich bot, umso mehr, als zweifellos die Verdeutschung der Wirkung sehr hinderlich war. Das rein äußerliche Zusammentreffen der beiden Gastspiele bot gerade durch diesen zufälligen Umstand Anlaß zu tieferen Nachwirkungen, die zu ehrlichem Danke verpflichten. Theo Harburger.