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Das jüdische Echo · 1919-09-12 · 37 (12.9.1919) · p. Seite 443

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
37 (12.9.1919)
Date
1919-09-12
Page
Seite 443 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 443 7. Diese Verfügungen treten am gleichen Tag in Kraft, an dem der Vertrag von den rumänischen Delegierten unterschrieben wird. Alle entgegengesetzten Verordnungen. Gesetze oder Verfügungen, sei es von dem alten Königreich Rumänien, sei es vom den annektierten Ländern, sind und bleiben aufgehoben. 8. Der Völkerbund ist beauftragt über die genaue und vollständige Ausführung des vorliegenden Vertrages zu wachen. Nichtunterzeichnung des Friedensvertrages durch Rumänien. Paris, 3. Sept. Rumänien erklärt, die von Wilson verlangten Klauseln zum österreichischen Friedensvertrag betreffend die Rechte von Minoritäten nicht akzeptieren zu können. Diese Klauseln verpflichten Rumänien, sowie die anderen Grenzstaaten Verbindlichkeiten einzugehen, welche die alliierten Mächte später für nötig halten werden. Rumänien wird demzufolge den Friedensvertrag mit Österreich nicht unterzeichnen. Nach Meldungen der Pariser Presse demissionierte Ministerpräsident Bratianu. Der wirtschaftliche V ernichtungskrfeg gegen die slovakischen Juden. Das tschecho-slovakische Preßbureau berichtet, daß der Minister Srobar eine Verordnung herausgegeben hat, mit der alle bis zum 15. August 1919 verliehenen Lizenzen zum Groß- und Kleinverkauf von Spirituosen aufgehoben werden, ebenso alle Haupt- und Kleintrafiken, weiters alle Lizenzen zu Freilagern von Spiritus, alle Denaturationsanstalten, sowie die Konzessionen zu Fabriken auf Liköre und Rum. Die Besitzer der bisherigen Berechtigungen können die ihnen zukommenden Rechte bis zu deren Verleihung an einen der Gesuchsteller ausüben. Entlassung Jüdischer Volksschul» lehrer in Ostgalizien. Sämtlichen jüdischen Volksschullehrern in Ostgalizien wurde vom Vorsitzenden der Kommission des Landessschulrates in Stanislau. Jessenitzki. eine Erklärung zugeschickt, daß sie infolge ihrer Eidesleistung zur Zeit der ukrainischen Herrschaft jetzt in die polnischen Schulen nicht übernommen werden. Charakteristisch ist, daß ukrainische Lehrer, die sich jetzt zum Dienste melden, ohne weiteres angenommen werden. Den polnischen Lehrern, die seinerzeit den Ukrainern den Eid geleistet haben, werden ebenfalls keine Schwierigkeiten gemacht. Damit ist es klar, daß es sieb um eine Maßregel handelt, die zielbewußt auf die Entfernung der jüdischen Lehrkräfte arbeitet. Eine neue Rede Weizmanns. Wie das Kopenhagener Zionistische Büro meldet, sagte Weizmann im Laufe einer längeren Rede an die englische Zionistenföderation: Die Führer betrachten die Ungeduld der Zionisten als natürlich, aber das Schweigen entspringt nicht dem Wunsche, etwas zu verheimlichen, sondern es waren eben keine neuen Tatsachen mitzuteilen. Er betonte die ernste Situation der letzten Monate infolge der Unruhen in Ägypten und Syrien. Die Gegner Englands und der Juden benutzten Balfours Erklärung für die Ausbreitung der panarabischen Bewegung. Die Friedenskonferenz hat die Lösung der Frage der früher türkischen Territorien noch nicht entschieden. Weizmann hofft aber, daß die Entscheidung innerhalb der nächsten Monate, vielleicht Wochen erfolgen werde. Trotz widriger Umstände und im vollen Bewußtsein der wahrscheinlich zu erwartenden Konsequenzen hat die englische Regierung von neuem ihre Entschließung bestätigt, und zwar solcherweise, daß die Administration Palästinas künftig die Entwicklung eines jüdischnationalen Heims in Palästina begünstigen werde. Dies ist der wichtigste Schritt seit der Erklärung Balfours. Die jüdische Heimstätte in Palästina ist bereits eine politische Tatsache, nur die Details fehlen noch. Die Hauptprobleme sind das des Landankaufes, der öffentlichen Arbeiten und der Einwanderung. die anfangs beschränkt werden muß. um die Kräfte zu produktiveren. Weizmann betonte nachdrücklich, daß die Friedenskonferenz alle Bedingungen, die für die Erfüllung der Deklaration wesentlich sind, gewährt, daß die Zukunft hauptsächlich von uns selbst abhängt. Nach zahlreichen Fragen, die zufriedenstellend beantwortet wurden, wurde ein Vertrauensvotum für die Leitung einstimmig angenommen. Jüdisches Sportlest in München. Die Leichtathletik-Wettkämpfe, die am vergangenen Sonntag auf dem Sportplatz an der Grünwalderstraße ausgefochten wurden, bildeten ein Ereignis für die Münchener jüdische Jugend und ihre Freunde. Zum erstenmal konnten unsere Münchener Leichtathleten ihre Kräfte an den Leistungen, die in den Brudervereinen in anderen deutschen und deutsch-österreichischen Städten erzielt werden, messen und man muß sagen, unsere Münchener haben in anbetraebt der kurzen Spanne Zeit, die sie erst trainieren, wohl ihren Mann gestellt. Besonders gut schnitten unsere Damen ab, die sowohl im 50 m-Lauf, als auch im viermal 100 m-Staffellauf ihren Berliner und Breslauer Turnschwestern bei weitem überlegen waren. Dagegen zeigten die letzteren im Hochsprung und Kugelstoßen glänzende Technik, die ihnen mit Leichtigkeit die ersten Preise sicherten. Bei den Jugendwettbewerben konnte der Münchener Bar- Kochba im Kugelstoßen den ersten Platz belegen, während sich im 80 m-Lauf, Weitsprung und Dreikampf Hakoah-Wien überlegen zeigte. Zu den Seniorenwettbewerben hatte der Wiener Hakoah zwei Mannschaften aufgestellt, die die sich mit Ausnahme des Kugelstoßens, in dem Breslau siegte, sämtliche erste Preise holten. München und Berlin mußten sich bei diesen Konkurrenzen mit zweiten und dritten Preisen begnügen, während die Nürnberger und Frankfurter Mannschaften keine Siege erringen konnten. Im ganzen boten die Wettkämpfe ein herrliches Bild von Kraft und Frische, dem sich die zahlreich erschienenen Zuschauer mit großer Freude hingaben. Der Abend vereinigte dann die Turner samt ihren Angehörigen zu einem literarisch - musikalischen Abend, der den Geist, der in unserer Jugend steckt, in kräftigen Worten zum Ausdruck kommen ließ, und der neben Rezitationen aus berufenem Munde, Violinvorträgen und von tiefjüdischem Geiste durchwehten Klavierkompositionen tadellos exakt ausgeführte Turnübungen von kombinierten Mannschaften am Barren brachte.

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