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Das jüdische Echo · 1919-09-05 · 36 (5.9.1919) · p. Seite 429

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
36 (5.9.1919)
Date
1919-09-05
Page
Seite 429 (sequence 9)
Language
German
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 429 i d) daß, da die gewählten zwei Vize-Direktoren Nichtjuden sind, ein dritter Vize-Direktor aus der Anglo Palestine Company ernannt werde. In der ersten Sitzung der Kammer wurden diese Forderungen vorgebracht, von denen die ersten drei einstimmig angenommen wurden. Die vierte Forderung wurde dem militärischen Befehlshaber vorgelegt, der dieser Forderung zustimmte und Herrn Dr. Izchak Levi zum dritten Vize-Direktor ernannte. Zur Eröffnung der hebräischen Kurse in München. Die Sprache ist nicht nur ein Gefäß, in dem uns die Kultur eines Volkes dargereicht wird, sie ist vielmehr ein Teil der Kultur selbst, einer ihrer wesentlichsten. In der Verschiedenheit der Sprachen drücken sich viele wesentliche Eigenarten der Völker aus und deshalb ist jedes Volk, das seine Eigenart wahren, stärken und' fortentwickeln will, darauf bedacht, die Kenntnis seiner Sprache zu vertiefen. Bei allen Völkern, die ein geschlossenes nationales Leben führen, ist intensive umfassende Arbeit, die bis in die tiefsten Tiefen der Volksschichten dringt, das positive Produkt dieser Erkenntnis. Wir Juden haben zwei Nationalsprachen und müssen uns zuerst klar darüber werden, welche wir zu „der“ nationalen machen sollen, diejenige, die tatsächlich gesprochen wird, oder die, in der das jüdische Volk in seiner wertvollsten Zeit gelebt hat. in der der größte Teil seiner Kultur und sein Geist Ausdruck fand. Der Kampf tobt um uns. In den Ländern, in denen Juden in kompakten Massen leben, ist die Frage brennend und ihre Lösung ungemein schwer, da auch mit der natürlichen Trägheit des Volkes zu rechnen ist. Am schwierigsten ist die Lösung der Frage in Palästina, wo neue Kriterien geschaffen werden; aber für uns m Deutschland gibt es nur eine eindeutige Lösung der Frage, die Entscheidung für Hebräisch. Wir müssen der Pflege des Hebräischen die allergrößte Aufmerksamkeit widmen und den kürzesten Weg suchen. Es ist uns nun hier in München gelungen, den gesamten hebräischen Unterricht systematisch in einer Hand zusammenzufassen es wird jedem Gelegenheit gegeben sein, hebräisch zu lernen. Herr Dipl.-Ing. Avigdor aus Palästina hat sich bereit erklärt, die Kurse zu übernehmen und wird sowohl allgemeine Kurse und Sprachzirkel als auch Einzelunterricht erteilen. Auch ist an die Einrichtung eines Palästinakurses gedacht. Die Preise werden mäßig gehalten sein und es wird allen Verhältnissen nach Möglichkeit Rechnung getragen werden. Anmeldung und Besprechung der Kurse findet am Dienstag, den 9. September, abends 7.30 Uhr. im V.J.St.. Baj'erstraße 67/69, statt. Außerdem können Anmeldungen auch in der Redaktion des Jüdischen Echos. Herzog Maxstr. 4, erfolgen. Aus der jüdischen Welt Lebensmittel-Preise in Palästina. Das Kopenhagener Zionistische Bureau veröffentlicht folgende Liste der Lebensmittel-Preise in Palästina während des Monats Juli dieses Jahres. 1. Lebensmittel: Reis pro kg. Frs. 1.10, Eier (10 Stück) 1.35. Rindfleisch pro kg 4.15, Käse 4.15. Fische 5.20, Heringe 3.—, Oliven 1.15. Milch pro Liter 1.15, Butter (jüdische) pro kg 13.05. Butter (arabische) 4.25, Buttermilch pro Liter —.60. Tomaten pro kg —.10, Kartoffel —.85, Zwiebel —.40 Salz —.45, Zucker 2.50, Linsen 1.05, Mehl —.80—1.10. Olivenöl 3.75, Sesamöl 4.50. Tee 7.—. Trauben —.60. 2. Bedarfsartikel: Streichhölzer pro Schachtel —.06, Nähgarn (200 Yard) —.50, Petroleum pro kg —.60, Spiritus 11.50. Kerzen 2.—, Toiletten-Seife 2.75, Holz —.17, Kohle —-.37 Frs. Die neuen Eisenbahnen in Palästina. Der britische Oberkommissar in Konstantinopel hat kürzlich einen Bericht über die Tätigkeit der britischen Behörden in Palästina veröffentlicht, aus dem hervorgeht. daß die britische Verwaltung mehr als 500 Kilometer von neuen Schienenwegen in Palästina fertiggestellt hat. Zwischen Haifa und Cairo verkehren mit allem modernen Komfort ausgestattete Expreßzüge. Die Aufforstung der Hügel in der Umgebung Jerusalems und des Karmel hat begonnen. Heimreise der Palästina-Flüchtlinge. Das Palästinaamt hat mit Hilfe von Rabbiner Dr. Chajes und anderer jüdischer Persönlichkeiten die Heimbeförderung der palästinensischen Flüchtlinge organisiert. Am 19. August haben sich die Flüchtlinge in einem Extrazuge nach Italien begeben, von wo sie nach Palästina Weiterreisen sollen. Außer den Repräsentanten vieler jüdischer Institutionen kamen auch Vertreter der englischen und italienischen Missionen zum Abschied auf den Bahnhof. Gründung einer Industriegesellschaft für Palästina. In New-York wurde eine Aktiengesellschaft mit einem Stammkapital von 10 Millionen Dollars gegründet, mit dem Zweck, in Erez Jisroel diverse Industriezweige wie: Baumwolle. Zuckerrohrpflanzung, Früchte u. Fruchtkonserven. Viehzucht, Leder und öle einzuführen. Der amerikanische Konsul in Palästina A. Glasbrook hat die Gründung der Gesellschaft befürwortet. Anläßlich der Misrachikonferenz in Cincinnati wurde von den Teilnehmern Aktien im Betrage von 50 000 Dollars übernommen. Entlassung der lüdischen Beamten in Ostgalizien. Nach Meldungen Wiener Blätter hat die polnische Regierung sämtliche jüdischen Beamten in Ostgalizien entlassen. Durch diese Maßregel, die damit begründet wird, daß sie während der ukrainischen Herrschaft auf ihren Posten geblieben wären, also gegen die* Interessen Polens gehandelt hätten, wurden etwa 2500 Beamte und Lehrer betroffen. Pogrom in Shmerinka. Eine Depesche aus Lemberg besagt, daß während der Eroberung des Knotenpunktes Shmerinka durch die Ukrainer ein entsetzlicher Judenpogrom stattgefunden hat. Der Pogrom wurde durch die Legende verursacht, daß die Juden Freunde der Bolschewiki seien. Selbst Frauen und Kinder wurden nicht verschont. Die Depesche gibt die Zahl von 450 ermordeten Juden an. Große Spende Jakob Schiffs. Im Juli hat der bekannte jüdische Philantrop Jakob Schiff der zionistischen Organisation in Amerika 35 000 Dollars zur Verfügung gestellt, u. z. 25 000 Dollars für Erziehungs-Institutionen und 10 000 Dollars für Sanitätswesen. Inklusive dieser 35 000 Dollars erreichen die von Jakob Schiff zugunsten der verschiedenen zionistischen Institutionen in Palästina seit Januar 1918 gespendeten Gelder die Summe von 85 000 Dollars.

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