Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 36 (5.9.1919)
- Date
- 1919-09-05
- Page
- Seite 427 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 427 Sätze zwischen den östlichen und amerikanischen Zionisten bestehen, so werden sie ohne Zweifel, in der gemeinsamen Palästina-Arbeit, in der sie beide so wetteifern, ihren einigenden Ausgleich finden. Wiener Gründungsversammlung der Palästina-Ballgesellschaft. Kürzlich fand in den Räumen des Wiener Palästina-Amtes eine Versammlung der zu gründenden Palästina-Baugesellschaft statt, zu welcher als Delegierte aus Berlin Architekt Alexander L e w y. Bankier A. G. Hermony und Davis T r i e t s c h erschienen. Nachdem Dr. Egon Zweig namens des Palästina-Amtes die erschienenen Vertreter der technischen Studiengruppe Achusa. Jischuw Erez Israel, Reise- und Transportgesellschaft und die andern Interessenten begrüßt hatte, referierte Architekt Lewy. Er wieß auf die große, in der nächsten Zeit zu erwartende Masseneinwanderung nach Palästina hin, wo keine Wohngelegenheiten für Einwanderer bereit stehen, wie auch sonst noch keine baulichen Vorkehrungen für die künftige technische und industrielle Entwicklung getroffen worden sind Der Referent teilt mit, daß schon vor einigen Wochen in Berlin eine Palästina-Baugesellschaft in. b. H. gegründet wurde, an deren Spitze Prof. Dr. Otto Warburg, Mitglied des engeren Aktionskomitees und bekannte Fachleute stehen; demnächst sollen Schwestergesellschaften, wie bereits in Prag beschlossen, für Böhmen, später für Deutschösterreich gegründet werden, um sie dann allesamt in eine große Baugesellschaft mit dem Sitze in Palästina zusammenzufassen. Der Zweck dieser Baugesellschaften wird es sein, sämtliche technische, wirtschaftliche und wissenschaftliche Bauprobleme zu studieren. Vorbereitung für die Herstellung von orovisOT sehen Bauten, für die Anlage von Siedlungen, öffentlicher und industrieller Bauten, und die Anschaffung von Baumaterialien zu treffen, dann mit den einzelnen Kolonisationsgesellschaften (Achusa), öffentlichen Körperschaften und industriellen Pnternehmungen wie auch Einzelpersonen zwecks Übernahme von Bauaufträgen in Verbindung zu treten. Die Gesellschaft wird ihren Sitz, sobald die Einwanderungsmöglichkeit vorhanden sein werde nach Palästina verlegen und die Tätigkeit sofort juinclimea Der Beginn des Baubetriebes in Palästina sei so gedacht, daß ein Stab von tüchtigsten Fachleuten dortselbst die notwendigsten vorbereitenden Arbeiten, wie die Durchführung der Parzellierung, der Wasserversorgung, die Beschaffung von Baumaterialien, die Regelung der Bauarbeiter- sowie der bauhygienischen Fragen usw. organisieren wird. Neben den rein praktischen Arbeiten wird sich die Gesellschaft mit wissenschaftlichtechnischen Fragen, wie die Lösung von Siedlungsproblemen (Haustypen. Normalien für Fenster und Türen usw.) und künstlerischen Bauproblemen zu befassen haben, um derart die technischen und kulturellen Bestrebungen der letzten Jahrzehnte in das Bauwesen Palästinas einzuführen, was bei Anknüpfung an die altüberlieferten Bauformen zur Enstehung einer bodenständigen jüdischen Baukunst in Erez Israel führen wird. Die rechtliche Form der Baugesellschaft lasse sich erst in Palästina finden, wenn wir die dort geltenden Rechtsvorschriften kennen werden. Als Anfangskapital werden zirka 2 Millionen Franken benötigt. Die Höhe der zu zeichnenden Anteilscheine soll seitens der Baugeseilschaften der einzelnen Länder bestimmt werden. Hierauf besprach Herr Hermony die Bedeutung seiner Bankgründung, welche die Aufgabe haben wird, den technischen Aufbau Palästinas durch Finanzierung beim Bau von Kolonien, Gartenstädten, öffentlichen und privaten Bauten usw. zu fördern. Außerdem wolle sich die Bank mit allen anderen Bankgeschäften befassen sowie der Erleichterung der Handelsbeziehungen zwischen Palästina und den anderen Ländern dienen. Als Zeichen des großen Interesses seien für diese Gründung in Berlin und Prag schon zirka eine Million Mark in Aussicht gestellt worden. Sobald die definitiven Zeichnungen die Höhe von zwei Millionen Franken erreicht hätten, soll die Bank vorläufig in einem neutralen Lande Europas, gegründet und später, so bald als möglich, nach Palästina verlegt werden. Anschließend besprach Davis Trietsch die Bedeutung dieser Gründung für den technischen Aufbau Palästinas. An der regen Diskussion beteiligten sich unter anderen die Gesinnungsgenossen Baudirektor Architekt Dr. K a r p 1 u s , Direktor Ing. Hartmann und Ing. B a d j a n. Es wurde beschlossen, eine Palästina-Baugesellschaft m. b. H. in Wien zu gründen und mit der Durchführung der Vorarbeiten die technische Studiengruppe des Palästina- Amtes betraut. Zirka 100 000 Kronen wurden für die Baugesellschaft sogleich gezeichnet. Auskünfte an Interessenten in Angelegenheit der zu gründenden Palästina-Baugesellschaft in Wien erteilt das Palästina-Amt (Technisches Referat). 2. Bezirk, Zirkusgasse 33. Mißhandlung und Beraubung jüdischer Heimkehrer unter Mithilfe der Kärtner Volkswehr. Auf dem Bahnhofe Villach, wo die Italiener unsere Kriegsgefangenen an die deutsch-österreichischen Militärbehörden übergeben, spielen sich schreckliche Szenen ab. Nach Abzug der italienischen Wachmänner stürzen sich Kriegsgefangene auf ihre Kameraden und mißhandeln und berauben sie. Anfangs trugen diese Ausschreitungen den Charakter der Lynchjustiz. Die betroffenen Personen, einige sollen getötet worden sein, wurden beschuldigt, ihre Kameraden in der Gefangenschaft gequält und übervorteilt zu haben. Bald aber nahmen diese Gewalttaten rein antisemitischen Charakter an. Jetzt sucht man sich Juden heraus und verprügelt und beraubt sie. Die Volkswehr, welche berufen ist. Ordnung zu halten, bleibt teils untätig, teils ermuntert sie die Exzedenten. Bei den Offizieren finden die Bedrängten keinen Schutz, sie müssen sich mit höhnenden antisemitischen Bemerkungen abspeisen lassen. Im Spital des Kriegsgefangenenlagers Villach-Warmbad liegen über 20 Opfer der antisemitischen Barbarei. Abgeordneter Stricker hat sofort nach Eintreffen dieser Meldungen beim Staatsamt für Heerwesen Protest gegen diese unerhörte Roheit eingelegt und energische Maßregeln gegen die von seiten der Offiziere und Mannschaften der Kärntner Volkswehr auf dem Villacher Bahnhof betriebene antisemitische Hetze und Pogromagitation gefordert. Staatssekretär Dr. Deutsch hat dem Abgeordneten sofortiges energisches Einschreiten zugesagt und die verlangte Untersuchung gegen die