Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 36 (5.9.1919)
- Date
- 1919-09-05
- Page
- Seite 426 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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426 Das Jüdische Echo Nr. 36 ten Phrase zurechtzukommen oder wie leider so viele in der Menschheitsbeglückung durch den Kommunismus und Bolschewismus die Lösung auch des Judenproblems suchen, er wird einsehen müssen, daß der Platz, auf den er sich zu stellen hat, in den Reihen des nationalen jüdischen Volkstums ist. Dr. Mossinson über die zionistische Entwicklung in Amerika. Dr. B. Mossinson, Direktor des hebräischen Gymnasiums in Jaffa, der in Amerika während dreieinhalb Jahren des K^eges über 600 Propagandavorträge für den Zionismus gehalten und über 2Vs Millionen Franken für Palästinazwecke gesammelt hat, hatte die Freundlichkeit, vor seiner Rückreise nach Palästina, während eines Aufenthaltes in Zürich, dem Vertreter der „Jüdischen Preßzentrale Zürich“ über den Stand der Zionistischen Bewegung in Amerika folgende Einzelheiten zu geben: „Als ich Amerika vor 7 Jahren besuchte, gehörte der zionistischen Bewe^unv nur ein kleines Häuflein junger Leute an. Das zionistische Office bestand damals aus einem Zimmer und war im Ghetto untergebracht. Jetzt nimmt es eine ganze Etage in einem großen Gebäude in der 5. Avenue ein, wo über 300 Leute arbeiten. Amerika hat vielleicht zuerst eine wirkliche Organisation des Zionismus geschaffen, speziell sNt dem letzten Jahre, wo das Vereinswesen aufgegeben und eine Organisation gegründet wurde, der jetzt etwa 150 000 organisierte Zionisten angehören die das 18. Lebensjahr überschritten haben. Bis zum Herbst hofft man die Organisation auf eine Viertelmillion Mitglieder zu bringen, was nicht übertrieben ist. Zum Anwachsen der zionistischen Bewegung in Amerika haben der Krieg und die Leiden der Juden in den kriegführenden Ländern, speziell in Osteuropa viel beigetragen. Die Elemente aus dem Osten haben bis zum Kriege fast gar keine Aktivität gezeigt, sie waren von den sogenannten amerikanisierten Juden abhängig und diese waren nicht national. Wählend des Kriegs, wo ihnen die Leiden ihrer östlichen Brüder durch die nach Amerika gekommenen Flüchtlinge so nahe kamen, haben sie begonnen, aktiv tätig zu sein, und als sie aktiv wurden, haben sie die Verantwortung gefühlt, zu denken begonnen und sich mehr in das jüdische Problem vertieft. Sie begriffen, daß die jüdische Frage eine wirkliche Volksfrage und eine nationale Frage aller Juden ist. Im Anfang war der Versuch gemacht worden, die russische Judenfrage als ein russisches Problem hinzustellen. Man wollte nicht anerkennen, daß es sich um ein allweltlich-nationales Problem handelt. Im Erwecken eines nationalen Judentums gl?"Me man eine Gefahr zu sehen. Aber die Leiden der Juden in allen Ländern haben es klar gemacht, daß es ein spezifisch jüdisches Gesamtproblem ist. Das hat ihre nationalen Gefühle angefacht. Die Ostjuden haben sich organisiert und begonnen, auf die Psyche der sogenannten amerikanischen Juden zu wirken. Mit dem Vertuschen des jüdischen Problems wird es nicht weitergehen können. Der Gedanke des jüdischen Kongresses in Amerika war der Prüfstein für dieses Problem. Die assimilierten Elemente haben sich gegen den Kongreß gesträubt. Sie gaben nur allmählich nach, aber die Massen haben darauf gedrungen und den Kongreß durchgesetzt. Der Kongreß war die größte und schönste Dokumentierung der Nationalisierung des amerikanischen Judentums. Den Höhepunkt erreichte der Kongreß, als die palästinensische Resolution und die Forderung bezüglich der nationalen Rechte der Juden in der Diaspora angenommen wurde. Als das Recht der kleinen Nationen auf Selbstbestimmung proklamiert wurde, haben die Juden Mut bekommen auch für sich das Selbstbestimmungsrecht in Anspruch zu nehmen. Andererseits haben sich die amerikanische öffentliche Meinung wie auch die leitenden Kreise ganz klar darüber ausgesprochen, daß dieses Selbstbestimmungsrecht auch für die Juden Anwendung finden müsse. Sowohl die Wilson-Partei, als auch die Republikaner unterstützen den Zionismus. Das alles zusammen hat auf die jüdische öffentliche Meinung zugleich als innerer und äußerer Ansporn gewirkt. Jetzt beginnt der Zionismus auch in sonst ganz amerikanisierte jüdische Kreise zu dringen. Persönlichkeiten, wie Rabbiner Stephan Wise, Martin Mayer und last not least Louis D. Brandeis. der im politischen Leben Amerikas eine sehr hohe Position einnimmt, haben zur Verbreitung des Zionismus. viel beigetragen. Besonders aber hat das Auftreten von Schmariah Lewin geradezu eine Revolution der zionistischen Gedankengänge bewirkt und neue Ideen hervorgebracht, die die Zionisten Amerikas gerne aufnahmen. Es bildete sich eine neue Phase, deren Erscheinen sich bald in der gesamten Bewegung geltend machen wird. Der amerikanische Zionismus wird einen neuen großzügigen Zug in das Wirken des Zionismus hineintragen und ein ernstes Wort mitzusprechen haben, wie es schon das Pittsburger Programm gezeigt hat. Folgende Zahlen illustrieren am besten das Anschwellen der zionistischen Bewegung^ in Amerika: Im Jahre 1914 zögerten die Zionisten Amerikas, ein Budget von 80 000 Dollar aufzustellen und es galt damals als Rekord, ein solches Wagnis auch nur zu unternehmen. Im Winter 1918/19 haben sie bereits ein Budget von drei Millionen Dollar durchgeführt. Wenn noch Gegen- JJlündjner Jteuefte 3lad?nd}fen (9röfjte,tägl.2mal erfdjeinenbe 3ettung ©üb* unb 2nitte(beuffd?» tanb&ftauffräftiger^eferfrete unb über $Deubd)lanb$<9ren8en hinauf gefyenbe Verbreitung. (SJrofierfauf* mann, u.get» erbt, ©tettenmarft Slnerfannt fefyr erfolgreich für Sinnigen aller Slrf. Sinnigen* t>reitf unb Nachlaß nach 2arff. Sesua^reiö monafl.27tf,2.75 bei allen beutühen pojlanflalten SägtidjeSCuHaöe 2maf i6oooo<Sjemp(are/Über‘/2:0TiUion.£efer