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Das jüdische Echo · 1919-09-05 · 36 (5.9.1919) · p. Seite 425

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
36 (5.9.1919)
Date
1919-09-05
Page
Seite 425 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 425 Von allen Ereignissen bestürmt und hin und her gezerrt, kommen sie zu keinem festen Standpunkt. Sie werden durch den tosenden Lärm der Judenhetze stärker als seither an ihr Judentum erinnert. von dem sie eigentlich so wenig wie möglich Gebrauch machen möchten und gezwungen, sich irgendwie mit ihm auseinanderzusetzen. Georg Hermann ist in der Tat der typisch jüdische Assimilant und findet auch die für den Assimilanten passende Formel, die geeignet ist, zu oeruhigen und keinerlei Unbequemlichkeiten verursacht. zu nichts verpflichtet. Nach einer ausführlichen Auseinandersetzung, die nichts beweist, als Hermanns Haltlosigkeit und Fremdheit im Judentum, heißt es: „Nicht um einen Staat im Staate zu bilden, nicht um sich als Bekenner gleichen Glaubens fester zusammenzuschließen, sondern einfach um als Rassengemeinschaft Rückhalt aneinander zu finden. Und er will seine Seele, die iezt umhergetrieben wird* wie die Rose von Jericho, die, ein ausgetrockneter Ball, der heiße Wüstenwind über den roten Sand und die glühenden Steinfelder rollt, wieder Wurzel schlagen lassen. Nicht im Zionismus, — ich glaube ihrer harrt mehr als eine Welt, die von Juden für Juden geschaffen werden soll, sondern schlechtweg im Menschentum und in jener Zukunft, zu der es geführt werden soll, — will sie Wurzel fassen und sich verankern. Die Gedanken der Menschheit, sagte ich, sind meines Erachtens von allen westlichen Völkern bei den Juden bisher am besten aufgehoben gewesen. Lassen wir das Leitsatz sein, vergessen wir das nicht. Und wenn wir uns zusammenschließen, so sei unser Zion (nicht örtlich und staatlich begrenzt): die Zukunft der Menschheit.“ Also ein neuer Aufguß der abgestandenen Missionstheorie! Man kann sich zwar nichts Reales dabei vorstellen, aber es klingt schön und beruhigt. Man muß sich wirklich fragen, wie so etwas heute noch möglich ist. Unser Zion, die Zukunft der Menschheit! Hat es jemals in der ganzen Mjssions-Judentums-Theorie, die an sich nichts weiter ist, als eine Phrase, eine flachere und inhaltslosere Phrase gegeben, als die Hermann uns auftischt? Wieviel Unglück hat dabei diese Missionstheorie angerichtet. Alle Entfremdung vom Judentum findet in ihr ihre Rechtfertigung, sie ist es, die den Juden zum „Hans Dampf in allen Gassen“ macht und viele Juden, denen nicht eine leere Phrase genügt, oft geradewegs zum Bolschewismus führt. Kein religiöser und kein nationaler Jude könnte ihn ihm eine aktive Rolle spielen! Das ganze jüdische Volk ringt in schwerer äußerer und innerer Not um sein Dasein. Die jüdischen Menschheitsbeglücker, die wie Trotzky „mit dem Judentum nichts zu tun haben wollen“, es aber gewaltsam in die vorderste Linie eines Kampfes zerren, der nicht der seine ist. sind unser schwerstes Unglück in diesen Tagen, vielleicht das folgenschwerste seit Beginn der Diaspora. Es ist eingetreten, was Herzl mit genialem Scharfblick kommen sah: der soziale Kampf, in dem wir Juden als Kapitalisten und als Sozialisten auf den exponiertesten Stellen stehen, wird auf unserem Rücken ausgefochten. Wir sind die Hauptleidtragenden und die Masse der Juden, die sich gar nicht um diesen Kampf kümmert, der nicht der ihre ist, leidet ungeheuerlich an seinen Folgen. Aber das weiß Georg Hermann nicht. Er spricht so nebenbei von den bedrängten Ostjuden (den unzivilisierten), ohne von ihnen oder von ihrer Bedrängnis etwas zu wissen. Er glaubt sie in den Jakobis dargestellt zu haben, die wir aus „Jettchen Gebert“ kennen! Was uns bitter not tut. ist ein Besinnen auf uns selbst, auf unsere Zukunft und unsere Gegenwart; ist, daß jeder Jude zum Judentum zurückfinde, zu seinen Nöten und Aufgaben. Daß wir aufhören, uns in allen möglichen Dingen zum Anwalt der Völker aufzuwerfen und ihre Kämpfe zu führen, kurzum, daß die Juden sich von der fixen Idee befreien, der Menschheit dienen zu müssen und dafür ihre Pflicht dem jüdischen Volke gegenüber erfüllen. Das. was wir der Menschheit zu geben vermögen, werden wir als Volk in und durch Zion am besten leisten. In diesem Augenblick, da alles darauf ankommt, daß wir alle unsere Kräfte für unsere Zukunft einsetzen. verweist uns Hermann auf die — Zukunft der Menschheit!! Er selbst spürt, daß ein Besinnen aufs Judentum für den Assimilationsjuden, als den er sich selbst bezeichnet, not tut. Er zeigt uns, wie er haltlos herumtastet, ein Fremder im Judentum ohne klare jüdische Inhalte, der doch erkennt, daß es so wie bisher nicht geht. Weiter reicht die Erkenntnis allerdings nicht. Wo es gilt, sich klar zu werden, was getan werden muß, erscheint die Phrase von der Zukunft der Menschheit. Es ist wie ein verblüffend schlechter Abschluß nach einem leidlich interessanten Stück, in dem man sieht, wie ein Fremdgewordener ins Judentum zurücksucht. Wie aber Georg Hermann überhaupt zur Besinnung aufs Judentum kommt! Nicht irgend ein jüdisches Erlebnis zeigt ihm ..die Wesensfremdheiten. die uns von jenen (den Deutschen) trennen“ .... „Die Deutschen haben sich als schlechte Siegelbewahrer des Menschentums bewährt. Und1 was schlimmer ist. sie bewähren sich heute noch als schlechte Siegelbewahrer des Menschentums.. ja heute im Unglück mehr denn je. Und das läßt uns deutsche Westjuden stärker als vordem auf unsere Rasse be s i n n e n. Hermann muß erst die Deutschen schlechte Siegelbewahrer des Menschentums schelten, um sich auf sein Judentum zu besinnen und schließlich hat diese Besinnug kein anderes Ergebnis als daß „die ewige zukunftssuchende Menschlichkeit heute im Westjuden stärker ist, als irgend eine andere Rasse Europas.“ Im assimilierten Westjuden natürlich, anders kann es im Zusammenhang gar nicht gemeint sein. In der Schicht also, die wurzelloser, haltloser und daher auch würdeloser ist. als irgend eine in Europa. Mann kann nur den Kopf schütteln über diese Verirrung. Georg Hermanns Stellung zum Judentum befindet sich offenbar im Anfangsstadium der Entwicklung, in dem die Klarheit völlig fehlt. Jede Zeile seines Aufsatzes zeigt dies. Wenn wir uns mit demselben .trotzdem so ausführlich beschäftigen, so vor allem deswegen, weil Hermanns Name seinem „Bekenntnis“ viel mehr Gewicht geben könnte, als ihm zukommt. Dann aber, weil Hermann in der Tat typisch ist für den Westjuden, der alles zusammenbrechen sieht, was seine geistige Heimat war und der nun nach Surrogaten sucht. Zukunft der Menschheit. Und doch wird der Assimilationsjude, wie Hermann ihn vertritt, sich auf die Dauer mit der Phrase nicht zufrieden geben können. Er wird nicht anders können, als seinen Platz in der wirklichen Welt zu suchen. Wenn nichts anderes, so wird die steigende Feindschaft der anderen jeden zur Besinnung bringen müssen, wohin er gehört, mag er nun wie Georg Hermann versuchen mit einer schlecht gezimmer-

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