Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 35 (29.8.1919)
- Date
- 1919-08-29
- Page
- Seite 416 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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416 Das Jüdische Echo Nr. 35 frischen aufführen zu sehen: alte fette Weiber im „Deandl“gewand, verlebte Börsenjobber in kurzer Wichs, an allen Fingern dicke Rinve, hamsternd wo und wie sie können, mit Fug und Recht von den Eingeborenen zugleich bewuchert und verachtet. Aber selbst wenn nicht so viele Christen sich an diesem widerlichen, in unserer ernsten Zeit besonders widerlichen Treiben beteiligten, wären doch diese Halbasiaten deutscher. oft .auch »nichitdeutscher Staatsangehörigkeit von den Deutschen jüdischer Konfession oder Herkunft streng zu scheiden.“ Das ist schon direkt witzig, so die — Ostjuden darzustellen. Sollte es beim aufmerksamen Lesen dieser Sätze nicht auch bei manchen Leuten, die gar nichts dagegen haben, wenn die Ostjuden Fußtritte kriegen, lange Gesichter geben? So sehr fehlts ihnen doch nicht an Verstand? In dieser Weise müssen die Ostjuden die Folie abgeben für die deutschen Juden. An ein irgendwie tieferes Eindringen in das Wesen der Juden und des jüdischen Problems wird nicht gedacht. Es liegt wohl auch Herrn Dr. Endres zu fern. Die Flut des eifrig genährten Hasses, der uns umgibt, steigt immer höher und — so sehen unsere Verteidiger aus/ h. Der dicke Kobn. In alldeutschen und antisemitischen Berliner Blättern wird seit einiger Zeit angepriesen, „als unfehlbares Mittel zur Bekämpfung des Judentums“ sich den „Dicken Kohn“ anzuschaffen. Hinzugefügt ist den Annoncen der empfehlende Vermerk, daß „Der dicke Kohn“ nur an ..durchaus zuverlässige Personen“ abgegeben werden kann. Preis 35 Mark. Aufklärung über dieses etwas mysteriöse Angebot gab es kürzlich in einer antisemitischen Versammlung in Berlin. Der Redner, ein Generalsekretär der preußischen konservativen Partei, erläuterte und demonstrierte dieses Hilfsmittel, und es entpuppte sich als ein dicker Gummiknüppel, der, wie lobend erwähnt wurde, gefährlicher ist als der englische Polizeiknüppel und wie dieser ständig im Rockärmel versteckt getragen werden soll. Die praktische Vorführung des „dicken Kohn“ hat denn auch nicht lange auf sich warten lassen. Ein jüdischer Herr, der eines der jetzt zahlreich in Berlin angeklebten antisemitischen Plakate abreißen wollte, wurde von wachsamen „zuverlässigen Personen“ mit besagten Gummiknüppeln jämmerlich verhauen. Das ist ..Abwehr des jüdischen Geistes“. Einst galt der Korporalstock als bestes Erziehungsmittel, will man etwa jetzt die Juden mit dem Gummiknüppel zu besseren Menschen erziehen? Korea. Mr. Kwanyong Lee, Mitglied der Koreanischen Friedensdelegation in Paris, hatte die Freundlichkeit, dem Vertreter der „Jüdischen Preßzentrale Zürich“, über die Juden in Korea folgende Einzelheiten zu geben: In Korea selbst leben nicht sehr viele Juden. Immerhin besteht in der Hauptstadt Seoul seit langem eine jüdische Kolonie, deren Mitglieder jedoch sowohl in Sprache als auch in der Kleidung nach völlig den Koreanern assimiliert sind. Sie haben sogar den koreanischen Typus angenommen, sodaß man auf der Straße einen Juden von einem Koreaner gar nicht unterscheiden kann. Das einzige Erkennungszeichen für die* Juden bildet ihr Namen. Im koreanischen oder im chinesischen gibt es nur einsilbige Namen. Wenn nur einer Sumon (= Simon) heißt, so weiß man, daß er ein Jude ist. Man hat den Grund der völligen Assimilation der koreanischen Juden: damit zu erklären gesucht, daß die koreanischchinesische Kultur der jüdischen durch ihren Rationalismus sehr nahe stehe. Die Juden Koreas beschäftigen sich ausschließlich mit dem Handel und werden als äußerst tüchtige Geschäftsleute geschätzt. Ein wesentlicher Teil der kaufmännischen Mittelklasse in Korea besteht aus Juden, die völlige Gleichberechtigung genießen. Die Juden nehmen auch den ihnen gebührenden Anteil am Staatsdienst, es gibt jüdische Soldaten und Offiziere, Richter, Ärzte Lehrer und Staatsbeamte. Es wird überhaupt kein Unterschied zwischen Koreanern und Juden gemacht und der Antisemitismus ist den Koreanern vollständig fremd. Die Koreaner, die selbst unter der Fremdherrschaft der Japaner zu leiden haben und sich: nach Selbständigkeit sehnen, wünschen dem jüdischen Volk aufrichtig die Verwirklichung seiner nationalen Bestrebungen. Beratung des Weltverbandes Poale-Zion. Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet über die Konferenz der Poale-Zion in Stockholm: Die Berichte der Vertreter der Landesparteien und der Bericht des Verbandsbureaus über seine Tätigkeit im Laufe der Kriegszeit, der von Chasanowitsch erstattet wurde riefen eine leidenschaftliche Debatte hervor. Die Versammlung konstatierte dann mit Genugtuung daß die Tätigkeit des- Verbandsbureaus in dieser schwierigen und verantwortungsvollen Zeit erfolgreich und energisch war, bedauerte aber, daß es dem Verbandbureau nicht gelungen war, die Einheit des Verbandes und aller seiner Teile zu wahren und daß es sich manchmal zu Schritten habe hinreißen lassen, die' nicht den Tendenzen der Bewegung entsprechen. Einen besonderen Dank sprach die Konferenz den Herren Chasanowitsch, Kaplanskv und Locker aus,, die in dieser Zeit die Bewegung geleitet haben. Der Antrag der auf dem Boden des Kommunismus stehenden Wiener Delegation aus der zweiten Internationale auszutreten und sich der dritten Internationale anzuscließen. wurde von der Versammlung einstimmig abgelehnt. Die Beratung erklärte. daß sie nach wie vor auf dem Boden der zweiten Internationale stehe und widmete eine Reihe von Sitzungen der Behandlung derjenigen Fragen, die auf der Tagesordnung der demnächst in Luzern stattfindenden Sitzung des Permanenzausschusses der Internationale stehen werden. Die Vertreter des Verbandes in dieser Permanenzkommission, die Herren Kaplansky und Chasanowitsch, begaben sich noch vor Schluß der Konferenz nach Luzern, um an den Sitzungen der Kommission teilzunehmen und dort im Sinne der lier gefaßten Beschlüsse zu wirken. Nach einem eingehenden Vortrag über die Aufgaben eines jüdischen Arbeiterkongresses beauftragte die Konferenz das Verbandsbureau, entsprechende Schritte einzuleiten, welche die Einberufung dieses Kongresses ermöglichen. Die letzten zwei Tage der Konferepz waren den Fragen der Palästinatätigkeit gewidmet. Über die Prinzipien und* Formen _der Palästina-Aufgaben referierte eingehend Ingenieur