Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 35 (29.8.1919)
- Date
- 1919-08-29
- Page
- Seite 414 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9072829-9102975-9140169--02994-9075814- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
414 Das Jüdische Echo Nr. 35 den Grundstücken des N.-F. in Ben Schemen und Hulda die Pflanzungen begonnen; zunächst wurden nur ölbäume gepflanzt, seit 1912 auch Fruchtbäume (Mandel, Aprikosen, Feigen) und Nutz- und Zierhölzer (Zypresse. Pinie). Von den Nutzhölzern ist insbesondere der Eukalyptusbaum wichtig, der von den Juden nach Palästina eingeführt wurde; er besitzt die Eigenschaft, viel Feuchtigkeit an sich zu ziehen, und ist daher für die Austrocknung der Sümpfe von besonderer Bedeutung. So ist es z. B. gelungen, durch den Eukalyptuswald bei Chedera diese Kolonie von der Malaria zu befreien. Von den bis vor dem Kriege gestifteten über 100 000 Bäumen waren in Ben Schemen und Hulda 38 000 Bäume angepflanzt, davon 2h Ölbäume; 100 000 Bäume soll der Herzlwald betragen. Die Aufforstung Palästinas ist eine Aufgabe der jüdischen Gesamtheit. Es handelt sich dabei um Anlagen, die nicht sofort Erträgnisse geben, sondern erst nach einer Reihe von Jahren die aufgewandte Arbeit und das Kapital lohnen. Solche Aufgabe kann nicht der Einzelne durchführen, sondern nur die Gesamtheit. Nach Ablauf einiger Jahre aber werden diese Anpflanzungen von größtem Nutzen sein. Die Waldungen werden einen günstigen Einfluß auf die sanitären Verhältnisse des Landes ausüben, sie werden gewisse Industriezweige ins Leben rufen und gute Einnahmequellen schaffen. So insbesondere der Ölbaum, dessen Früchte, die Oliven, als solche konsumiert werden und mit dem aus ihnen gewonnenen öl den Grundstock für viele Industrien, z. B. die Seifenindustrie. schon früher geliefert haben und in Zukunft noch mehr liefern werden. Auch als Einnahmequelle für kulturelle Aufgaben werden die Erträgnisse der Baumspenden in Betracht kommen; man rechnet damit, daß sie mit dazu beitragen werden, die jüdische Universität in Jerusalem — zu der während des Krieges der Grundstein gelegt wurde — zu unterhalten. Nach den Plänen des bekannten Agronomen Oettinger. des landwirtschaftlichen Sachverständigen des Nationalfonds für die Palästinakolonisation, wird man in Zukunft die Waldpflanzungen besonders auf Ödländereien. Sümpfen und Bergabhängen anlegen. um so den Boden, der für Getreide und Fruchtpflanzung nicht brauchbar ist, voll auszunutzen. Wenn in weitem Umfang dadurch Nutzhölzer produziert werden, so wird auch das für die wirtschaftliche und industrielle Entwicklung Palästinas von Bedeutung sein, denn das Nutzholz wird als Bauholz und zu Fabrikation, z. B. von Kisten für den Export der Früchte, dringend gebraucht werden. In weitestem Maße werden dann auch die Sanddünen längs der palästinensischen Küste durch Baumpflanzungen zu befestigen sein, damit sie nicht weiter in das Land Vordringen. Wie sehr solche Maßnahmen vonnöten sind, ergibt sich daraus, daß roch während des Krieges die türkische Regierung der jüdischen Kolonie Risehon le-Zion umsonst die benachbarten Sanddünen zur Anpflanzung überlassen hat. A. B. Zur israelitischen Lehrerirage. Der jüdische Monat Aw. der Monat der Nationaltrauer des jüdischen Volkes, hat uns eine Enttäuschung mehr gebracht. — Was man nach den politischen Umwälzungen in Deutschland und speziell in Bayern nicht hoffen mochte, hat sich jetzt verwirklicht; die fortgesetzte Zurücksetzung der jüdischen Bürger hat sich um eine neue vermehrt. — Die Tagespresse berichtet allgemein den Sieg des Zentrums, der Bayerischen Volkspartei, die israelitischen Lehrer werden an Simultanschulen nicht verwendet. — Die bangste Sorge um die Zukunft mag wohl dieser Tage die jüdischen Lehrer erfüllen: was wird mit uns geschehen. Sollte unsere ganze Existenz mit diesem allen Menschenrechten widersprechenden Gesetze in Frage gestellt werden? — Es muß dem rechtlosen jüdischen Lehrer förmlich die Schamröte ins Gesicht getrieben werden. wenn er seinem christlichen Kollegen oder sonst einem anständigen Menschen entgegentreten muß! — Alle Menschen — ob Arbeiter oder Beamte — streben dem Zeitgeiste entsprechend nach Unabhängigkeit und wir allein sollen rechtlos bleiben! Gegen eine solche Zumutung müssen wir mit dem Ausdrucke größter Entrüstung Sturm laufen!! — Soll der Taufschein allein zur Daseins¬ und Gleichberechtigung sanktionieren? Die Zurücksetzung jüdischer Lehrer ist nicht nur eine Ungerechtigkeit und Unduldsamkeit gegen diese allein, sondern gegen alle jüdischen Bürger — dem Judentum in Bayern ein Schlag ins Gesicht! Welche Maßregeln werden nun von Seiten der jüdischen Lehrerschaft und den jüdischen Korporationen getroffen werden gegen diese Behandlungsweise? — Sind die Juden gut genug gleich den Staatsbürgern anderer Konfessionen im Kriege ihre Schuldigkeit zu tun, Steuern zu zahlen usw.* so sollten sie auch in Bezug auf Rechte gleich behandelt werden. Jedenfalls ist es unaufschiebbare Pflicht unserer jüdischen Lehrervereine in Verbindung mit den Rabbinern und den jüdischen Gemeindeverbänden, sowie aller rechtlich denkenden Mitmenschen protestierend vorzugehen und für eine ehrenvolle Behandlung der verdienten jüdischen Lehrerschaft einzutr-eten, die während des Krieges auch an christlichen (konfessionellen) Schulen, wie mir vor einigen Tagen erst ein pfälzischer Kreisschulinspektor versicherte, in zufriedenstellender Weise gewirkt haben. Nocheines: sind bei der Verstaatlichung der Religionslehrer auch die jüdischen Religionslehrer mit einbezogen; oder bezieht sich dieser Antrag des Zentrums auch wieder nur auf die Verstaat- Jftündjner Jlcueffe Jladjn'djten <9rbjjte,fagl.2mal erftfjemenbe 3eitun$ <5üb* unb 2Jtitte(beutfcf>- lonbl. ftouffräftiger.€eferfreil unb über ©eutfdjlanblörensen hinaul* gehenbe Verbreitung. <55roüerfaufmänn.u.getoerbl.fefeflenmarft Slnerfannt fefyr erfolgreich für Sin$eigen oller Slrf. feigen* prell unb 3tadjlafj nach 2arif. »esuglpreil mono«. 2ttf. 2.75 bei öden beuffchen poftonffoiten ■*“'Säglid)e2Cuftüge 2mof I60000<5|emplcire/Über V» :0iiUion£efer ~m