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Das jüdische Echo · 1919-08-22 · 34 (22.8.1919) · p. Seite 402

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
34 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
Seite 402 (sequence 6)
Language
German
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402 Das Jüdische Echo Nr. 34 sie in sehr beträchtlicher Zahl selbst aus den Provinzen stammen die wieder in nächster Zeit zum polnischen Reiche gehören werden. Man sehe sich nur die Listen der Vorstandsmitglieder einer beliebigen jüdischen Großgemeinde an und wird sicher darunter eine überwiegende Zahl von Juden finden, deren Namen auf die Herkunft aus Warschau. Kalisch. Lissa, Kempen u. a. hinweist. Vielleicht trägt der Krieg dazu bei, daß viele, die im Felde in enge Berührung mit den Ostjuden gekommen sind, dort ihre Eigenart so nahe kennen gelernt haben, daß sie leicht die Brücke zum Verkehr mit ihnen in Deutschland finden. Versuche in dieser Richtung sind erst in allerjüngster Zeit unternommen worden, z. B. durch Gründung des jüdischen Volksheimes in Berlin, einer ebenso neuartigen wie erfolgversprechenden Schöpfung, die die zionistische Jugend aus eigenem Impulse geschaffen hat. Eine ähnliche Einrichtung soll neuerdings auch in Frankfurt am Main geschaffen werden, und es wird der Prüfstein für das Verständnis der leitenden Persönlichkeiten der dortigen Gemeinde sein, inwieweit sie selbst und die von ihnen beeinflußten Kreise sich nicht bloß materiell, sondern auch durch tätige Mitarbeit an diesem Brüderbau zwischen Ost- und Westiuden beteiligen werden. Wir wiesen auf die Bestrebungen von Seiten der Ostjuden, sich selbst zu organisieren und durch eine zentrale Organisation die Regelung der sie insbesondere betreffenden Fragen in die Hand zu nehmen. Den Kenner der Verhältnisse wird dies nicht Wunder nehmen; denn überall, wo Ostjuden, sei es auch in kleinster Zahl, zusammen sind, begründen sie ebensowohl Wohltätigkeitswie Geselligkeitsvereine. von denen die letzteren durch das starke Interesse der Ostjuden am Theater ihre besondere Note zu erhalten pflegen. Trotz des organisatorischen Sinnes, der sich darin bekundet, besteht dennoch vielfach eine Zersplitterung und ein Zuviel an Vereinen, so daß die geplante Zentralisierung und ein straffer organisierter Aufbau nur zu begrüßen wäre. Viel wichtiger aber scheint uns, daß in allen jüdischen Unterstützungs- und Wohltätigkeitsvereinen, die die Ostjuden bisher nur als Unterstützungsobjekte kannten, Ostjuden in die leitenden Stellungen gewählt werden, weil sie ja die Bedürfnisse der Ostjuden viel besser kennen. Die wirtschaftliche Verschiebung, die während des Krieges stattgefunden hat. wird es mit sich bringen, daß die Ostjuden in vielen Gemeinden ihren redlichen Anteil an jüdischen Gemeindesteuern tragen werden, und nichts wäre berechtigter, als diesen gleichen Pflichten auch gleiche Rechte gegenüber zu stellen. Nur eine kurzsichtige jüdische Politik könnte sie ihnen verweigern, denn die Söhne derer, die heute noch vom Gemeindewahlrecht ausgeschlossen werden, werden infolge ihres raschen Aufstieges wahrscheinlich bereits als Rechtsanwälte oder Kaufleute von Ruf eine führende Rolle im Gemeindevorstand’ spielen. Aber nicht bloß unklug wäre es, sondern auch unsittlich, es würde gegen den Geist des Judentums verstoßen, wenn wir. denen Gastlichkeit gegenüber dem Fremden höchstes religiöses Gesetz ist. soweit an die Engherzigkeit deutschen Spießbürgertums assimiliert wären, daß wir uns scheuten, sie als Brüder zu begrüßen. .Arbeitsbeschaffung für jüdische Flüchtlinge. Die Pogromflut in Polen zwingt zahlreiche dortige Juden, ihre Wohnstätten unter Zurücklassung von Hab und Gut zu verlassen und Zuflucht in Deutschland zu suchen. Diese unglücklichen Flüchtlinge befinden sich hier zumeist in größter Not und es ist eine dringende Aufgabe, ihnen Hilfe zu leisten. Das wichtigste Erfordernis ist, ihnen Arbeit und Beschäftigung zu verschaffen. Unsere östlichen Brüder hegen den heißesten Wunsch, durch fleißige Arbeit eine anständige Existenzmöglichkeit zu erhalten und es ist ein soziales und brüderliches Gebot, ihnen nach Kräften dazu zu verhelfen. Wir möchten daher die Aufmerksamkeit der jüdischen Arbeitgeber in allen 1 eilen des Reiches auf diese dringliche Aufgabe lenken und an sie das Ersuchen richten, nach Maßgabe der lokalen Verhältnisse und statthaften Möglichkeiten im Bedarfsfälle ostjüdische Flüchtlinge, unter denen sich auch gelernte Arbeiter befinden, zu beschäftigen. Unser Verband ist mit Hilfe seiner über das ganze Reich ausgedehnten Organisation in der Lage und bestrebt bei der Beschaffung und Vermittlung von Arbeitnehmern in systematischer planmäßiger Weise mitzuwirken. Ein einheitliches Vorgehen der be- "Rauilhallmai'er München fheatinerür.ld. \er tJ^cmzoüarm

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