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Das jüdische Echo · 1919-08-22 · 34 (22.8.1919) · p. Seite 401

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
34 (22.8.1919)
Date
1919-08-22
Page
Seite 401 (sequence 5)
Language
German
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Nr, 34 Das Jüdische Echo 401 Dies wird die erste Sitzung: des Großen Aktionskomitees sein, an der wieder alle Mitglieder des Großen Aktionskomitees teilnehmen können. Diese Sitzung wird die in Verbindung mit dem Aufbau Palästinas unmittelbar zu unternehmenden Schritte erwägen. Der Zionismus In der französischen Kammer. Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: Im Laufe der Debatte über die Beziehungen zwischen Frankreich und dem Vatikan in der französischen Kammer kritisierte der Abgeordnete de M o n z i e die Haltung des Ministeriums des Äußern gegenüber dem Zionismus. Der Abgeordnete wandte sich persönlich an den Minister und fragte: „Glauben Sie. daß es eine richtige Politik ist, den Zionismus zu ignorieren, wie Sie es getan haben, und sich mit einer Vorrede zu den Schriften des Herrn Sokolow zu begnügen und den Fußspuren des Herrn Balfour oder anderer Förderer eines jüdischen Staates zu folgen? Sie wissen, daß Völker und insbesondere die jetzt entstehenden neuen Völker sich nicht mit Manifestationen von Gefühlen begnügen. Glauben Sie. daß die Elite der Juden, wenn sie das Land ihrer Sehnsucht wiedererlangt haben, zögern wird in der Wahl zwischen der eloquenten Vorrede, die Sie zum Buche des Herrn Sokolow geschrieben haben, und der praktischen und wirksamen Hilfe, die die amerikanischen Zionisten in Übereinstimmung mit Oberrichter Brandeis und: Präsident Wilson der Errichtung eines jüdischen Staates oder einer jüdischen Heimstätte zuteil -werden ließen? Die Zionisten werden sagen: Frankreich hat gesprochen. aber nicht gehandelt. Sie haben zwar einen Vertreter in der Kommission, die mit der Organisierung einer jüdischen Heimstätte in Palästina beauftragt worden ist. Aber wer ist dieser Vertreter? Ein ehrenwerter aber unbedeutend— Herr, ein naturalisierter Bulgare, ein sehr braver Mann, der aber gegenüber den bedeutenden Persönlichkeiten, durch die England und Amerika vertreten sind, den Eindruck hervorrufen wird, daß Frankreich die Schulden des Herzens, zu deren Anerkennung es sich verpflichtet hat, nur mit Abzügen bezahlen will.“ Der Minister gab keine Antwort. Die Ostjuden in Deutschland. Von Ben Joseph. Aus einem Aufsatz in der „Neuen Jüdischen Presse“: Die Zahl der Ostjuden in Deutschland beträgt z. Z. ungefähr 100 000 bei einer Gesamtzahl von 6 bis 700 000 deutscher Juden. Die Ostjuden, deren überwiegende Zahl aus Kongreßpolen, zum kleineren Teil aus Litauen, vereinzelt aus Rumänien und Südrußland stammt, sind z. T. vor dem Kriege eingewandert, z. T. erst während desselben. Die Einwanderung begann trotz aller Absperrungsmaßregeln in den achtziger Jahren, als die berüchtigten Ignatiewschen Maigesetze größere Scharen jüdischer Auswanderer aus Rußland und Polen über den Ozean trieben. Vereinzelten russisch-polnischen und galizischen Juden, welch letztere durch die wirtschaftliche Notlage und die skrupellose polnische Wirtschaftspolitik in Galizien aus dem Lande getrieben wurden, gelang es. sich in Deutschland festzusetzen, z. T. sogar ihre Naturalisation zu erlangen. Mit welchen Schwierigkeiten diese Einwanderung zu kämpfen hatte, möge ein Beispiel erhellen: In Ostpreußen wurde russischen Juden die Einwanderung nur gestattet, wenn sie unverheiratet waren; heirateten sie, so wurden sie erbarmungslos ausgewiesen. Die Folge war. daß sie sich mit der jüdischen Trauung, die sie selbst oder ein Freund jenseits der Landesgrenze Vornahmen, begnügten und ihren Kindern damit den Stempel der offiziellen Illegitimität aufdrückten. In unseren Ausführungen war bisher nur von den vor dem Krieg nach Deutschland eingewanderten Ostjuden die Rede. Während des Krieges ist eine starke Zuwanderung, bezw. eine starke Einführung ostjüdischer Arbeiter aus den ehemaligen besetzten Gebieten erfolgt. Trotz aller Abneigung gegen die Ostjuden seitens der deutschen Regierungsbehörden sahen sich diese durch den Arbeitermangel in Deutschland1 dazu genötigt, ostjüdische Arbeiter entweder anzuwerben oder sie zwangsweise nach dem Muster der berüchtigten belgischen Deportationen zum Arbeitsdienst abzutransportieren. Wer Näheres über diese schmachvollen Vorgänge wissen will, sei auf die Ausführungen von Julius Berger im 2. Band des „Juden“ und im Heft 27 von „Land und! Volk“ verwiesen; hinsichtlich ihrer Lebensführung und selbstgeschaffenen Organisationen gibt die Arbeit von Eschelbacher im 3. Jahrgang des „Juden“ Aufschluß. Die deutsche Judenheit hat dazu geschwiegen, die Presse, weil sie geknebelt war. die dazu berufenen Organisationen, weil sie nicht den Mut fanden, diese Dinge der Öffentlichkeit zu unterbreiten. Die Zionistische Organisation hat, so weit sie dazu in der ^Lage war, das Los dieser Unglücklichen zu lindern versucht. Auch vereinzelte Rabbiner und Privatpersönlichkeiten, lokale Hilfsorganisationen haben ihr Bestes getan, um durch werktätige Hilfe das größte Elend zu beheben. Aber dennoch lastet eine schwere Blutschuld auf der deutschen Judenheit, die gutzumachen ihre erste und wichtigste Aufgabe ist. Es hat Zeiten gegeben, in denen der sephardische Jude voll Verachtung auf den deutschen herabgeblickt hat; der deutsche Jude hat während des ganzen letzten Jahrhunderts dem östlichen Juden gegenüber nicht anders gehandelt. Es ist höchste Zeit, daß dies Verhalten endlich aufhöre, und es soll im folgenden dargelegt werden, warum und wie wir deutsche Juden in unserem eigensten Interesse zu einer wirklichen Verbrüderung mit den in Deutschland lebenden Ostjuden gelangen müssen. Die Ostjuden in Deutschland haben bisher kaum in nahen persönlichen und gesellschaftlichen Beziehungen zu den Westjuden gestanden. Man betrachtete sie bestenfalls als Objekte der Wohltätigkeit. und höchstens orthodoxe Kreise machten eine Ausnahme, indem sie die zugewanderten Ostjuden nicht als „Schnorrer“ behandelten, sondern sie als Aurach (Gast) an ihrer Tafel sitzen ließen. Zu einem besseren Verhältnis werden wir erst gelangen, wenn wir uns darum bemühen, in die Psyche und das Milieu des Ostjuden einzudringen, und wenn der Ostjude sieht, daß wir ihn als menschlich gleichwertig ansehen. Wir dürfen uns dabei durch einen Mangel an gewissen gesellschaftlichen Formen nicht abschrecken lassen, zumal dieser Mangel gewöhnlich in der zweiten Generation nicht mehr vorhanden ist. Die deutschen Juden sollten ferner nicht vergessen, daß

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