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Das jüdische Echo · 1919-08-15 · 33 (15.8.1919) · p. Seite 392

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
33 (15.8.1919)
Date
1919-08-15
Page
Seite 392 (sequence 8)
Language
German
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392 Das Jüdische Echo Nr. 33 Menachem Birnbaum. Friedmann u. a. arbeiten in hervorragender Weise mit. Von dem Witz wie von der Gutmütigkeit seines Humors sollen einige Proben zeugen: Jossel, der Schuster, rühmte sich gerne seiner Beziehungen zu hohen Herren. „Wenn ich komm zum Präsidenten“, sagte er. „laßt er alles stehen und liegen und schmeißt mich raus.“ Literatur-Unterricht im besetzten Gebiet. Ich unterrichtete einige junge Damen in deutscher Sprache und Literatur. Es ergab sich bei der Besprechung eines Dramas folgende Auseinandersetzung: „Wie nennt man also das Gespräch zweier Personen auf der Bühne?“ „Dialog!“ „Richtig! — Und wie nennt man es, wenn eine Person mit sich allein ein Gespräch führt?“ „Meschuggeü“ war die im Chorus gegebene Antwort. Edom. Berichte jüdischer Zeugen und Zeitgenossen üb er die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge. Jüdischer Verlag, Berlin 1919. 80 S. geb. M. 6.—. Nur äußere Ursachen, die vorzugsweise in der Kriegszeit und ihrer Wirtschaftslage zu suchen sind, waren es, die das Erscheinen dieser erschütternden Zeugnisse vergangener Zeiten bisher verhinderten. Und doch ist in diesen Blättern die aktuellste Geschichte unserer Tage niedergelegt. Das alte Judenleid, die erbarmungslose Verfolgung unseres Stammes ist uns jetzt wieder so recht fühlbar, da in dem Lande, wohin nach den blutigen Begleiterscheinungen der Kreuzzüge aus den rheinischen und oberdeutschen Landschaften Juden sich flüchtend wandten, mit Schwert und Feuer und den so viel „humaneren“ Mitteln der Neuzeit, dem Boykott und der Aushungerung ein unerbittlicher Kampf gegen die Nachkommen der damals Bedrängten geführt wird. Mit der Eindringlichkeit und Größe, die den an hergebrachtem Sprachgut geschulten hebräischen Darstellungen eigen ist, wird das Entsetzliche geschildert, das sich im Anschluß an den ersten Kreuzzug im Jahre 1096 und dann in der Mitte des 12. Jahrhunderts in hunderten von blühenden Gemeinden am Rhein, in Oberdeutschland, in Frankreich und anderwärts abspielte. Wenn auch zweifellos Furcht und Haß die Verfasser der verschiedenen Berichte zu Übertreibungen veranlaßten — eine Erscheinung, die bei den mit einem anderen geschichtlichen Maßstabe rechnenden Chronisten der damaligen Zeit allgemein zu beobachten ist (es sei nur auf den Anonymus der „Vita Heinrici IV.“ hingewiesen) —, tritt uns in diesen lebensvollen Bildern die ganze, düstere Glut jener Tage entgegen, da die Menschheit in Erwartung des tausendjährigen Reiches in einer Orgie von Blut und Brand die innere Erneuerung erstickte. Daneben leuchtet als ewiges Fanal die Glaubenstreue und die Opferwilligkeit jener jüdischen Geschlechter. Mit der natürlichen Schlichtheit, die das unverkennbare Zeichen echten Erlebens ist. wird aber auch auf gezeigt, mit welchen Mitteln die Verfolgten ihren Bedrängern entgegentraten. Ihre Machtlosigkeit mußte immer wieder Zuflucht nehmen zur Habsucht ihrer Feinde. Daß daneben im Prälatenstand, als dem gebildetsten jener Tage, auch Männer auftraten, die aus menschlicher Anteilnahme ihnen halfen, wird nicht verschwiegen. Auf dem ganzen von Juden damals bewohnten Gebiete Europas war durch die Welle der Kreuzfahrer den Kindern Jakobs Totschlag und Plünderung zum unentrinnbaren Schicksal geworden. Die Schwäche gegen den übermächtigen Fein# konnte sich nur in Äußerungen ohnmächtigen Rachegefühls entladen, die in dem schwungvollen Stil der Darstellung einer gewissen Größe nicht entbehren. Es ist das Verdienst der Übersetzer. Nathan Birnbaum und Hugo Herr mann, ihre Auswahl aus den Quellen zu einem abgerundeten Bilde gestaltet zu haben und dem sprachlichen Charakter getreu geblieben zu sein. So eignet sich das von Joseph B u d k o verständnisvoll geschmückte Büchlein, dem in Druck und Ausstattung der Verlag besondere Sorgfalt widmete, in hohem Maße zu Geschenkzwecken für Bar-Mizwah-Gelegenheiten und bei sonstigen Anlässen. München. Theo Harburger. (Eine Probe aus dem Buche enthält das Feuilleton dieser Nummer. D. Red. d. .,J. E.“) Feuilleton Aus dem Buche „Edbm“. Berichte jüdischer Zeugen und Zeitgenossen über die Judenverfolgungen während der Kreuzzüge (Berlin, Jüdischer Verlag 1919), das wir an anderer Stelle dieser Nummer eingehend gewürdigt haben, entnehmen wir folgende Schilderung: Was in Trier, Metz und Regensburg geschah und was den Kreuzfahrern nachmals widerfuhr. Folgendes ereignete sich, wie mir erzählt ward* ln Trier. Am 15. Tage des Nissan, am 1. Tage des Pesachfestes (1. April 1096). kam ein Abgesandter aus Frankreich zu den Kreuzfahrern, ein Mönch, namens Petron. den man Peter Prälat, nannte. (Peter von Amiens.) Als er mit großem Gefolge in Trier eintraf, um nach Jeruschalaiim zu ziehen, hatte er ein Schreiben der französischen Juden bei sich, daß ihm die Juden aller Orten Wegzehrung geben möchten. Er würde zugunsten Israels sprechen, und1 seine Worte würden als die eines Mönches Beachtung finden. Da ergriff uns ein großes Bangen und unser Fest wandelte sich in Trauer. Denn ehe diese Abscheulichen gekommen waren, hatten die Bürger gar nicht daran gedacht, der Gemeinde etwas Böses zuzufügen. Der Mönch wurde beschenkt und zog mit den Seinen davon. Aber nun traten die Bürger hervor. Sie hatten mit Neid gehört, was sich in den übrigen Gemeinden von Lothringen zugetragen hatte, wie viel Unheil dort über die Juden verhängt worden war und daß man ihnen ihr Vermögen genommen hatte. Man gab ihnen Geld, jedem Einzelnen für sich. Doch alles half nichts am Tage des göttlichen Zornes. Denn es war ein Verhängnis von Gott über jenes ganze Geschlecht, das er sich ausgewählt hatte, seine Gebote zu erfüllen. Die Feinde hatten bemerkt, daß die Gemeinde zu Trier ihre Thorarollen in ein festes Haus gebracht hatten. Sie gingen noch am selben Tage hin, brachen durch das Dach ein. raubten die Mäntelchen wie auch das Silber, womit die Walzen beschlagen waren, warfen die Rollen selbst zu Boden, zerrissen sie und traten sie mit Füßen. Die Juden waren inzwischen zum Erzbischof geflohen; sie gingen nun mit einigen seiner Beamten und Diener — er selbst war gerade abwesend — nach dem Hause, wo sie die Thorarollen geborgen hatten. Als sie selbe zerstreut fanden, zerrißen sie ihre Kleider und klagten: „O Herr, siehe an mein Elend, wie der Feind sich erhob!“ dann ho-

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