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Das jüdische Echo · 1919-08-15 · 33 (15.8.1919) · p. Seite 391

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
33 (15.8.1919)
Date
1919-08-15
Page
Seite 391 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 39t vielen Fällen der einzige Verdienst, den die Mädchen finden konnten. Im Ganzen besitzt der Verband drei Ateliers im Lande. Er läßt den Mädchen da auch hebräischen Unterricht erteilen, was den sehr verschiedenen Elementen die gegenseitige Verständigung erleichtert. Auch Turnen gehört zu den Unterrichtsgegenständen. Auf sanitärem Gebiet begann der Verband mit der Unterstützung des Krankenhauses Jaffa. Sehr bald entstand die Wöchnerinnenstube an diesem Krankenhause. Auch eine Schwester wurde dort angestellt. Dann trat das Haifaer Spital an den Verband heran. Auf diese Weise wurde der dortigen Bevölkerung die Möglichkeit gegeben, den Vorteil eines jüdischen Instituts zu genießen. Früher mußten sie die Missionsspitäler aufsuchen. Leider mußte der Leiter des Hospitales, Herr Dr. Auerbach, während des Krieges nach Deutschland zurück und das Haus wurde geschlossen. Jetzt besteht allerdings die Aussicht, daß es durch die Baronin Rothschild1 in Paris neu aufgebaut wird. Eine weitere Gründung des Verbandes war die landwirtschaftliche Mädchenfarm. Der Leiterin. Frau Dr. Maisel-Schochat, ist es zu danken, was aus der Farm wurde. 70 Dunam Land und das Haus hat der Verband selbständig übernommen. Durchschnittlich konnten 14 Mädchen untergebracht werden. — Der Kursus war zweijährig und umfaßte Gartenbau, Hauswirtschaft, Geflügel- und Viehzucht. Etwa 80 Mädchen waren im Laufe der Jahre ausgebildet worden. Die ausgebildeten Mädchen vereinigten sich nun teils in selbständige, gemüsebauende Gruppen auf genossenschaftlicher Basis, teils gingen sie in die Kolonie, wo sie die Bewirtschaftung der Arbeiterhäuser und den dazu gehörenden Gemüsebau übernahmen. Die tüchtige Bauernfrau ist die erste Bedingung für eine erfolgreiche Kolonisation. Alle Fachleute bestätigen das. Herr Dir. Auhaven sagt z. B., daß die deutschen Behörden bei anzusiedelnden Kolonisten zuerst immer nach der Frau sehen. Nur wenn die tüchtig ist, hat die Wirtschaft Aussicht auf Erfolg. Die meisten Frauen kommen aus den Städten und haben keine Ahnung von den ländlichen Arbeiten, von den Notwendigkeiten und Bedingungen der neuen Lebensweise; es fehlt an Gelegenheit zum Lernen und zum Sammeln von Erfahrungen. So steht die jüdische Frau meist hilflos vor den Anforderungen, die an sie gestellt werden. Jetzt stehen wir am Beginn des Neuaufbaues und ein großer Menschenstrom wird nach Palästina kommen. Die wichtigste Aufgabe wird es sein, wenn die Bedingungen für die Einwanderung geschaffen sind, das Land und die Menschen vorzubereiten. Wieviel Arbeit da dem Verbände jüdischer Frauen zufallen wird, kann man leicht ermessen. Es bleibt daher die Pflicht der jüdischen Frau durch Zusammenschluß aller ihrer Schwestern. ihre Forderungen anzumelden. An uns ist es, für die Entstehung der Einwandererheime, für die Einrichtung von Stellungs- und Arbeitsnachweisen, für die Erziehung der Frau zur Haus- und Landwirtschaft zu sorgen. Dazu gehören Wanderlehrerinnen, die von Kolonie zu Kolonie ziehen und die Frauen und Mädchen in Wirtschaftsdingen belehren. Unter den städtischen Mädchen hat der Krieg viel Unheil angerichtet. Die Spitzenateliers brauchen einen Betriebsfonds zum weiteren Ausbau. Arbeitsbeschaffung für dieses Element wird eine ernste Aufgabe des Verbandes sein. Eines der ernstesten und wichtigsten Gebiete sind die sanitären Verhältnisse des Landes. Da wird der Verband1 durch Ausbildung von Schwestern und Krankenpflegerinnen tätig eingreifen müssen. Besonders verheerend wirkt im Lande das Trachom, welches rechtzeitig bekämpft, zu heilen ist. Der Verband1 hat einen kleinen Anfang mit der Bekämpfung der Seuche gemacht, indem er in seinen Ateliers eine ärztlichen Augenuntersuchung eingeführt hat. Ein schlimmes Kapitel ist die Hebammenfrage. Eine Stadt wie Haifa z. B. hat auf 25 000 Einwohner nur drei geschulte Hebammen aufzuweisen. Herr Dr. Auerbach erachtet es als eine Pflicht des Verbandes da einzugreifen und zwar sollte die wirtschaftliche Lage der Hebammen durch Zuschüsse verbessert werden, daß sie der armen Bevölkerung unentgeltlich Hilfe leisten können. Auch die Wohnungshygiene wird vom Verband nicht übersehen werden dürfen. Es darf nicht Vorkommen, daß Häuser gebaut werden, die zwar von außen schön aussehen aber innen jeder sanitären Einrichtung, jedes wirtschaftlichen Nebenraumes entbehren. Die größte Notwendigkeit, die zur Verwirklichung unseres Programmes unumgänglich ist. bleibt die finanzielle Grundlage. Dafür zu sorgen.. Mitglieder zu werben. Aufklärung über Palästina zu verbreiten, jeder jüdischen Frau die Pflicht ans Herz zu legen, tätig mitzuarbeiten, das ist die Aufgabe von allen, die sich Jüdinnen nennen. Dieses sind in großen Zügen die einzelnen Punkte des Programms: Einwandererheime und Stellennachweise, Eingliederung der Frau in ländliche und städtische Berufe, Sorge für Kinder. Kranke und Verlassene. Aus Almosenempfängern sollen arbeitsfrohe Menschen geschaffen werden. Und indem wir dieses Programm in die Tat Umsetzen, eröffnen wir allen jüdischen Frauen einen Weg zu gemeinsamer, nutzbringender Arbeit. Wir bauen auch auf die Hilfe der Männer, denn wir wissen was unser Stolz und unsere Stärke durch all die Jahrhunderte war und was nur in gemeinsamer Arbeit von Mann und Frau entstehen kann — das glückliche „jüdische Heim“. Seit dem Palästina-Delegiertentag wurde dem Verband ein Berufsamt angegliedert, welches allen Frauen und Mädchen, die nach Palästina übersiedeln zur Vorbereitung und Ausbildung verhilft. Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina. Burgstr. 27. Büro 22. Aus der jüdischen Welt Posen. Oberrabbiner Dr. F r e i m a n n. der mit anderen angesehenen Juden von den Polen interniert war, wurde wieder freigelassen. England. Aus London wird berichtet, daß die Palästinafrage schon kommende Woche von der Friedenskonferenz entschieden werden dürfte. In den zionistischen Kreisen werden die letzten Vorbereitungen für diesen entscheidenden Moment getroffen. Die Stimmung ist optimistisch. Auch die Forderung, daß dem englischen Kabinett ein jüdischer Minister für Palästina angehören soll, ähnlich wie es für Indien der Fall ist. hat Aussicht auf Verwirklichung. Kandidat der Zionisten für diesem Posten soll Nahum Sokolow sein. literarisches Echo „Schlemiel“ Jüdische Blätter für Humor und Kunst (Welt-Verlag Berlin) hat dieses Jahr zu erscheinen begonnen. Künstler wie

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