Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 32 (8.8.1919)
- Date
- 1919-08-08
- Page
- Seite 380 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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380 Das Jüdische Echo Nr. 32 in Hülle und Fülle, um Braut und Bräutigam zu erfreuen. Auch bemühte er sich beim Rosch-hamdina, dass er seiner Tochter erlaube, Seide und den bräutlichen Schmuck am Tage ihrer Hochzeit anzulegen, was in jenen Tagen nach den jüdischen Landesverordnungen verboten war, weil es zu Untergang und Ruin führte und auch, um das jüdische Geld zu schonen. Der Gemeindeschreiber verfasste im Verein mit dem Vertrauensmann der Gemeinde ein passendes Schriftstück und zusammen mit den Steuern und Abgaben, die sie nach dem Ermessen der „Vierländersynode“ an die Schatzkammer des Königs zu entrichten hatten, und den kostbaren Perlen, die sie gleich ihren anderen Brüdern in Polen der Königin alljährlich freiwillig schenkten, schickten sie an den Rosch-hamdina auch das genannte Schriftstück mit und warteten sehnsüchtig auf die Erlaubnis. Aber die Erlaubnis kam nicht. Die Frauen schmerzte das sehr und sie sagten, dass man sich bei den Vorstehern und Führern der Vierländersynode beschweren müsse. Auch die Braut empfand es schmerzlich. Aber der Vater betrachtete sie und ihre keusche Schönheit und sagte: „Meine Tochter ist eine schöne und anmutige Braut auch in einfachen Kleidern gleich den übrigen Töchtern Israels. Wegen der Kleider verschiebt man keine Trauung.“ Und bei Eintritt des Vollmonds liess er den Trauhimmel bereiten und das Geld, das er für die Kleider auszugeben dachte, gab er als Spende zur Ausstattung armer Bräute. Und die Hochzeit fand in aller Herrlichkeit und Pracht statt, nach dem Masse des Guten, das Gott an ihm getan hatte. Kurz, man führte Braut und Bräutigam unter den Trauhimmel. Die Angesehenen der Stadt breiteten einen Schleier über dem Haupte der Braut aus und sagten zu ihr: „Unsere Schwester, werde zu Tausenden und Abertausenden!“ Die Brautführer zogen dem Bräutigam den weissen Kittel an, damit er sich an den Todestag erinnere und Busse tue. Dann gaben sie Staub auf sein Haupt an der Stelle, wo man die Tefillin anlegt, damit er vor aller Freude der Trauer Jerusalems gedenke. Die Eltern und Verwandten, die Vornehmen und Angesehenen beglückwünschten Braut und Bräutigam und beteten für sie, dass ihre Ehe gut sein möge. Darauf führten sie den Bräutigam unter den Trauhimmel, stellten ihn mit dem Gesicht gen Osten und der Gemeindevorbeter sang, wie es Brauch war. Die Brautjungfern führten die Braut und die Brautführer und angesehene Männer gingen ihr entgegen; als sie ihr nahe waren, wandten sie sich um zum Trauhimmel und die Brautjungfern führten die Braut und umkreisten dreimal mit ihr den Bräutigam, und der Gemeindevorbeter sang nach dem Brauch; sie stellten die Braut zur Rechten des Bräutigams und, der den Segen sprach, wandte sich gen Osten. Eine grosse Menschenmenge kam von allen Stadtteilen zusammen, um das Brautpaar zu sehen und den Bräutigam mit seiner Braut zu ergötzen. Sie waren unter dem Trauhimmel, da erhob sich am äussersten Ende der Stadt eine leichte Staubwolke, das Schnauben eines Rosses wurde gehört; ein Reiter galoppiert auf dem Rosse. Und sie erhoben ihre Augen und siehe, er eilt auf sie zu. Die Verwandten sprachen zum Schwiegervater: „Sicher sandte der Rosch-hamdina einen Eilboten, um das Antun der kostbaren Kleider zu erlauben.“ Aber der Schwiegervater antwortete: „Das ist kein Bote vom Rosch-hamdina; er hat schriftlich erklärt, ,auf dass keine Bresche geschlagen werde4, und verweigerte seine Zustimmung. Aber wenn dieser Mann zu mir kommt, so ist es sicher ein Bote des Kronrabbiners, der dem Bräutigam den Rabbinertitel zu seiner Hochzeit verleiht.“ Und er wurde still. Er sah seine zarte Tochter, die zur Rechten des Bräutigams stand, und ihre keusche Schönheit und dachte bei sich: Eine schöne und anmutige Braut auch in ihren einfachen Kleidern wie alle Töchter in Israel. Und er sprach: „Meine Tochter, werde zu Tausenden und Abertausenden!“ Und der Bräutigam nimmt den Ring in seine Rechte und die Braut streckte den Finger aus. Der Bräutigam steckt den Ring an ihren Finger und sagt: „Wohlan, du bist mir angeheiligt!“ Und alle Dastehenden rufen: „Viel Glück!“ Und der Bräutigam zerbricht ein Glas: eine Erinnerung an Jerusalems Zerstörung. Und die Gäste wenden sich zum Haus des Brautvaters. Das Haus des Brautvaters ist nicht weit vom Gotteshaus. Die Frauen heben die Füsse im Tanz. Und die Männer stehen und warten auf ihn, den Reiter, dass er komme. Sicher ist es ein Bote vom Kronrabbiner mit dem Rabbinertitel für den Bräutigam zu seinem Hochzeitstage. Er wird kommen und sie werden im Hause der Freude einkehren. Er wird kommen und sie werden im Hause der Freude mit dem thoragekrönten Bräutigam einkehren, um sich an leiblichen Genüssen zu ergötzen und sich an der Hochzeitsrede des Bräutigams zu erfreuen. Und zwei züchtige Frauen springen ins Haus, nehmen zwei Laib Brot und gehen damit dem Brautpaar entgegen. Sie heben die Füsse im Tanz, schlagen die Brote aneinander und rufen: „Der Bräutigam ist wie ein König!“ Alle die vornehmen Gäste antworten darauf: „Schöne, anmutige Braut!“ Und die Frauen gehen auf die Braut zu und sagen zu ihr: „Viel Glück, viel Glück!“ Und die Braut schlägt ihre reinen Augen zur Erde. Wer reitet auf dem Pferd? Wie der Schatten eines schweren Steins legt es sich zwischen ihr und den Bräutigam. Der Reiter kam bis zum Ort, wo der Trauhimmel 3ttöndjner 3Ieueffe 3ladjndjfen <3röjjfe,tägl.2mol erfdjetnenbe 3eitung ©übunb Vhttefbeutfdjlanbd. wauffräftiger&ferfreid unb über ©eutjdjfanböOrensen pinoudgepenbe Verbreitung. ©rofierfaufmonn.u.gett>erbl.©tenenmörft Slnerfannf fepr erfolgreich für Sfojeigen oller 2lrt. 2fa$elgen* preid unb 3?a<plafj nach $orif. Vejugdpreid monatf.2ttf.2.75 bei ollen beufftpen poflonjiolten ar $äglid)e2(uftage 2mat leooooGgemptare/tfbetVjlBWUonXefer“»