Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1919-08-08 · 32 (8.8.1919) · p. Seite 381

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
32 (8.8.1919)
Date
1919-08-08
Page
Seite 381 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9072829-9102975-9140165--02958-9075778
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 32 Das Jüdische Echo 381 stand, und die Männer der Stadt eilten ihm erregt entgegen, denn sie sahen, dass es der Gutsherr war. Die Verwandten hörten auf, sich an dem Brautpaar zu erfreuen und fielen nieder vor ihm und zeigten ihm ein lächelndes Gesicht, die Diener brachten ihm Kuchen und Wein, und sie sprachen zu ihm: „Erhebe, Herr, das Licht deines Antlitzes zu uns und nimm unseren Gruss, auch Fleisch und Fisch ist vorhanden. Wir feiern Hochzeit. Ein angesehener Mann verheiratet seine Tochter an einen tlrorabeflissenen, gottesfürchtigen Jüngling, der vor dir steht, um sich in deinem Antlitz zu sonnen.“ Der Gutsherr aber schaute nicht auf sie und ihre Worte. Er sah die Braut, die zur Rechten des Bräutigams stand, und fast wäre er von seinem Ross herabgeglitten, als ihre Schönheit sein Herz traf und das Blut seiner Adern sich verwirrte. Der Degen an seinen Hüften pendelte hin und her und schlug an seine Sporen. Und der Gutsherr sprang auf, als ob ihn der Wein übermannt hätte. Er schwang den Degen und erschlug den Bräutigam, die Braut aber führte er von ihrem Brauthimmel weg und schleppte sie nach seinem Hof. Der Bräutigam ist zur Erde gestürzt und ein trauriges Lächeln sbhwebt auf seinen Lippen. Er streckt seine Arme nach seiner Braut aus, um mit ihr zu tanzen. Ein süsses und mildes Röcheln kommt aus seiner Kehle. Aber plötzlich schrumpft die Haut seines Halses ein und aus seinem Halse rinnt Blut. Das Lächeln seiner Lippen hört auf, seine Zunge ist zwischen seinen Lippen eingezwängt, still erhebt er seine Augen nach der Braut, aber die Braut sieht er nicht mehr. Seine Augen sind von Blut verklebt und sein ganzer Körper wälzt sich im Blute. Der Bräutigam ist tot. Vor dem Gotteshaus liegt er tot. Aus seinem Halse fliesst das Blut über seine weissen Kleider und über sein Hochzeitsgewand. Die Braut ist nicht da, denn der Gutsherr hat sie genommen. Sie hatte geschrien, aber niemand war ihr zu Hilfe gekommen. Die Stützen des Brauthimmels sanken aus den Händen der Brautführer und der Schrecken Gottes fiel über alle Menschen, in deren Atem noch Geist des Lebens war. Der Herr hat’s gegeben, er hat’s genommen. Was tun? Zum Hochzeitsmahl versammelte man sich nicht. Man versammelte sich nur zum Leichenbegängnis des Toten. Sie legten die Stützen des Brauthimmels hin und brachten Schaufel und Grabscheit. Und sie machten sich auf und nahmen die Leiche des Bräutigams und beerdigten sie an dem Ort, wo sein Blut vergossen worden war, dort neben dem grossen Gotteshaus begruben sie ihn: sie begruben ihn in seinen Kleidern: in seinen Hochzeitskleidern und dem weissen Kittel, die mit lebendigem Blute befleckt waren, und mit seinen Schuhen, um den Grimm zum Himmel steigen zu lassen und die Rache zu beschwören. Und den blutgetränkten Staub gruben sie mit Schaufel und Grabscheit und beerdigten ihn mit ihm. So ward ihm sein Brauthimmel zum Grabe und seine Freude zu ewiger Trauer. Und sie gingen die ganze Nacht und weinten. Und sie trauerten um ihn und seine Braut viele Tage. . Aber auch seine Braut lebte nicht lange im Palaste des Gutsherrn. Sie ging verstört im Palaste umher, Finster und vergrämt. Und als einmal der Gutsherr auf die Jagd ging, setzte sie sich ans Fenster, das nach dem Städtchen ging, und blickte auf das Gotteshaus, wo einst ihre Hochzeit war. Sie gedachte der Anmut ihrer Jugend am Tage ihrer Hochzeit, da sie zur Rechten des Bräutigams stand, neben dem Gotteshaus. Ein Reiter reitet auf seinem Pferde. Er galoppiert auf den Brauthimmel zu. Ein Bote des Kronrabbiners ist es, mit dem Rabbinertitel für ihren Bräutigam. Die Brautführer klatschen in ihre Hände und rufen: Eine schöne und anmutige Braut! Die Brautjungfern klatschen mit ihren Broten und rufen: Der Bräutigam gleicht einem König! Und sie schlägt ihre reinen Augen zur Erde. Wer reitet auf dem Pferd? Wie der Schatten eines schweren Steines legt es sich auf ihr Herz. Sie sank in die Knie, denn ihre Kräfte hatten sie verlassen. Und in der Stunde ihres Sterbens sprachen, die bei ihr standen: Siehe, der Herr kommt von der Jagd; und sie antwortete nicht und beachtete es nicht. Sie rief der Magd und sagte: Bring mir mein Hochzeitsgewand, das ich anhatte, als ich hierher kam. Und sie zog das Hochzeitsgewand an. Und während sie sich bemühte, aufzustehen und den Brauttanz zu tanzen, kam der Gutsherr blutbespritzt von seiner Jagd. Entsetzt Hess er die Beute fallen, denn sie hauchte ihre Seele aus. Sie hauchte ihre reine Seele aus, und der Gutsherr Hess im fremden Gottesacker ein Grab bereiten. Und Nacht für Nacht, um die Mitte der Nacht, wenn der Hahn zum zweitenmal kräht und die Sterne am Firmament einander ablösen, öffnet sich eines der Gräber auf dem fremden Gottesacker und eine verhüllte Frau steigt empor im Dunkel der Nacht, bedeckt ihr Antlitz mit dem Schleier aus Furcht vor den Wächtern der Nacht und schreitet schmerzvoll dem Gotteshaus zu. Dort steigt aus seinem einsamen Grab der Bräutigam, dessen Blut unter seinem Brauthimmel vergossen worden war. Im Dunkel der Nacht streckt er seine Arme aus und im Schmerze umfasst er seine Braut und sie tanzen vereint den Totentanz. Daher betritt keines priesterlichen Ahronsprosses Fuss den Hügel neben dem grossen Gotteshaus und Trauhimmel bauen sie dort nicht auf bis zu diesem Tag. Gemeindenu. Vereins-Echo München. Jüdischer Turn - und Sportverein. Zwecks Gründung: einer Alt-Herrenriege wollen Herren über 30 Jahre ihre Adresse einsenden an Apotheker L e w i n, Rosendrogerie, Bayerstraße 8. Wien. Unter allen Veranstaltungen, durch die das jüdische Wien den 15. Todestag Herzls feierte machte der Gang zum Grabe des Führers den großartigsten Eindruck. 20 000 Menschen nahmen an demselben teil, eine Kundgebung, die auch heute, wo Wien an Massendemonstrationen nicht arm ist, imposant wirkte. Die „Wiener Morgenzeitung“ bemerkt hiezu, daß selbst seinerzeit am Begräbnis Herzls und anläßlich des XI. Kongresses im Jahre 1913 die Beteiligung nicht so stark war, ein Beweis, wie tiefe Wurzeln seither der Gedanke des großen Toten in unserem Volke geschlagen hat. Frankfurt a. M. Die verschiedenen zionistischen Vereine haben hier ein jüdisches „Volksheim“ gegründet, das für die jüdische Jugend eine Pflegestätte der jüdischen Kultur sein soll. Berlin. Die zionistische Föderation „Misrachi“ hat die s. Z. von Dr. Hirsch Hildesheimer geleitete „Jüdische Presse“ in Berlin erworben und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.