Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 30 (25.7.1919)
- Date
- 1919-07-25
- Page
- Seite 364 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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354 Das Jüdische Echo Nr. 30 Paderewski, der anfangs Bratianu unterstützte, vollzog nach den Reden Wilsons und 06menceaus einen plötzlichen Frontwechsel und erklärte, dass Polen gegen diesen Punkt nichts einzuwenden habe und bereit sei, ihn zu unterzeichnen. Damit schloss die entscheidende Sitzung. Aus der jüdischen Welt Die rumänische Anleihe und die Judenfrage. Paris, 3. Juli. Seit mehreren Monaten werden zwischen Rumänien und der Entente Verhandlungen bezüglich einer Anleihe geführt, jedtoch ohne Erfolg. Die rumänischen Staatsmänner sind darüber ungehalten. Sie betreiben in der Presse eine Kampagne und weisen dabei auf den Tiefstand ihres Geldkurses hin. der um 50 Prozent niedriger als der serbische ist. obgleich Serbien ökonomisch schlechter steht als Rumänien. Die Ursache dieses Mißerfolges ist in dem rechtlosen Zustand der Juden Rumäniens zu erblicken. Ein bedeutendes französisch-amerikanisches Finanz-Syndikat machte Andeutungen, daß insolange die Lage der Juden in Rumänien nicht radikal geändert werden wird, Rumänien keine Aussicht habe, eine Anleihe zu erhalten. Austritte aus dem Judentum in München. In den Monaten Mai und Juni 1919 sind folgende Personen aus dem Judentum ausgetreten: Herbert Einstein, cand. hist. art.. Sternwarstr. 2, Frau Johanna Drey. Heinrich Guggenheimer. Verwalter, Seidlstr. 22. Frau Lilly Kirsch, geb. Einstein, Widenmayerstr. 36. Fräulein Irma Blättner, Franz Josefstr. 15, Julius Bach, Diplomingenieur, Herzog Rudolfstr. 34. Sitzung des Verwaltungsausschusses der Kultusgemeinde München. Aus den Verhandlungen des Ausschusses vom 3. Juli ist hervorzuheben: Ein Legat Eduard Baumann, das der Gemeinde zur beliebigen Verwendung überwiesen war, wurde gemäß Antrag des Ausschusses dem Fonds der Lipschützschen Versorgungsanstalt zugeführt. 77 Die Kultusgemeinde ist von dem verstorbenen Herrn Gabriel Löwenstamm, einem Sohn des früheren Kantors der Gemeinde, zur Alleinerbin eingesetzt worden mit dem Aufträge zur Errichtung einer Stiftung für die Erziehung blinder und krüppelhafter Kinder. Das Kapital dürfte sich auf etwa 120 000 Mark stellen. Die Erbschaft wurde angenommen und der Vorstand beauftragt, die vorbereitenden Schritte zur Erlangung der staatlichen Genehmigung für die Stiftungserrichtung zu unternehmen. Am 9. Juli wurde die Sitzung fortgesetzt. Als Rabbinatssubstitut wurde gewählt Herr Dr. Eugen Gärtner, z. Zt. zweiter Rabbiner in Dresden. Auf Antrag der Vorstandschaft wurde einstimmig beschlossen, eine Revision des Gemeindestatuts vorzunehmen und die hiefür erforderlichen Ergänzungswählen von 9 Mitgliedern des Verwalitungssausschusses sofort nach den Feiertagen anzusetzen. Ferner wurden einige bauliche Veränderungen in den Gebäuden der Ritterstiftung und der Lipschützschen Versorgungsanstalt beschlossen. — Der Rest der Sitzung diente der Beratung von Personalfragen. Feuilleton Aus Die Rotte Korahs.*) . . . Beer fuhr auf: „Was wissen Sie? Wen kennen Sie von uns? Was haben Sie von unserem Volke gesehen? Ich will Ihnen sagen, was Sie kennen! Die Juden? Nein, nein lieber Herr Baron f Woher sollen Sie die Juden kennen? Woher? Ich bitte! Bis ein Jud in Ihre Gesellschaft kommt, is er längst keiner mehr! Die gesellschaftsfähigen Juden! Tut sich ein ordentlicher Jud das an? Was kennen Sie von den Juden? Nichts kennen Sie von den Juden! Ich will Ihnen sagen, was Sie kennen! Die Rotte Korahs kennen Sie! Wissen Sie?, die schon dem Moses so viel Übelkeiten bereitet hat! Die sich gegen Moses und Aaron gerottet hat, murrend: bestehet nicht die ganze Gemeinde aus lauter Geheiligten? Die Rotte Korahs, die Rotte der Anmassenden, der Höhnenden, der ewig Missvergnügten, der Gleichmacher, der Ehrfurchtslosen, die an keinen Unterschied in den Menschen glauben — „warum der Moses? warum der Aaron?, wieso? warum grad er?, warum nicht wir?, und was is mit dem Land von Milch und Honig?, wo?, was *) Hermann Bahr’s neuer Roman: „Die Rotte Korahs“. Siehe Besprechung in unser vorigen Nummer. "RauTfhallmai'er München ThßaünßvkrAÖ. O^ynzellanj®. WiMP