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Das jüdische Echo · 1919-07-25 · 30 (25.7.1919) · p. Seite 363

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
30 (25.7.1919)
Date
1919-07-25
Page
Seite 363 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 30 Das Jüdische Echo 353 öffentlichen Einrichtungen eine Ausnahme von der Regel der allgemeinen Schule nicht gewähren. Sie übersehen dabei völlig, daß damit die wirkliche Freiheit des Einzelnen, selbst mit den Seinen ohne Schädigung des allgemeinen Ganzen „nach seiner Fasson selig“ werden zu können, aufs tiefste beeinträchtigt wird. Die religiös-konservative Zentrumspartei kommt zum Schutze ihrer geistigen und kulturellen Interessen zu einem viel freiheitlicheren Ergebnis, indem sie die Zulassung der Privatschulen durchzusetzen sich bemüht. Allerdings spielt hiebei ihre baverisQhe Tochterpartei eine höchst merkwürdige Rolle: In Bayern, wo sie nicht für „Toleranz“ zu kämpfen hat, beansprucht sie die Staatsschule für ihre konfessionellen Sonderzwecke. Sie hat im Landtagsausschuß, zusammen mit dem Bauernbund die Stimmenmehrheit bildend, im offenen Widerspruch zu dem Ministerpräsidenten und; den Linksparteien. die vor der Umwälzung als religionslos verlästerte Simultanschule als eine „christliche“ Einrichtung erklärt und die Zulassung jüdischer Lehrer (selbst aushilfsweise!) verhindert. Damit hat sie der gesetzlichen Gleichberechtigung aller Staatsbürger eine Absage erteilt. Gleichzeitig hat die „Bayer. Volkspartei“ damit aber auch die Notwendigkeit der Zulassung von Privatschulen aufs deutlichste bewiesen. Das sollte den aus Doktrinarismus dieser Forderung der Gerechtigkeit widerstrebenden Parteien der Linken zu denken geben! III. Es liegt daher im Interesse nicht nur der jüdidischen Erziehungsberechtigten und ihrer Pflege, sondern auch der jüdischen Eltern, daß die Zulassung von Privatschulen (also auch jüdischer Schulen) in das politische Programm der maßgebenden Parteien aufgenommen wird. Es ist offensichtlich, daß das Ansehen der jüdischen Lehrkräfte und infolgedessen auch die Wirkungskraft der jüdischen Lehrfächer in stärkstem Maße litte, wenn hinfort nur mehr in untergeordneter Weise der jüdische Lehrer Verwendung finden würde. Die weiteren Kreise und insbesondere die Zöglinge würden bei der nebensächlichen Rolle, die dem Religionsunterricht an den Schulen zugewiesen sein wird, zu dem Bewußtsein einer Minderwertigkeit des jüdischen Lehrinhalts gedrängt werden, wenn den jüdischen Lehrern der Unterricht in den allgemeinen Fächern unmöglich gemacht würde. Deshalb müssen bei der oben genugsam dargestellten Richtung der bayerischen Landtagsmehrheit (in kulturellen Fragen) Sicherungen für die wahre Gleichberechtigung geschaffen werden. Der Kompromiß zwischen den Hauptparteien im Verfassungsausschuß der Nationalversammlung, der die Zulassung von Privatschulen im Reiche vorsieht, bietet nun die beste Handhabe zur Erreichung dieses Zieles. Die jüdischen Werte dürfen nicht der Gefahr ausgesetzt werden, in noch stärkerem Maße als bisher aus dem Erziehungsstoff der zukünftigen Jugend ausgeschaltet zu werden. Die Trennung von Staat und Schule wird die erziehungshemmende Gleichmacherei von der heranwachsenden Generation fernhalten und einen gesunden Aufbau auf den überkommenen Werten ermöglichen. DeT von der modernen Demokratie längst für billig erkannte Schutz der Minderheiten muß auch in kulturellen Fragen zum Grundsatz gemacht werden. Dann wird zum allgemeinen Wohl eine Durchtränkung des gesamten Volkes mit wahrhaft freiheitlicher Gesinnung die erstrebte Folge sein. Die MinderheitsschiitZ"Debatte auf der Friedenskonferenz. Über die geheime Vollsitzung der Friedenskonferenz vom 31. Mai, in der die Bestimmung über den Schutz der nationalen Minderheiten zum ersten Male im Vertrag mit Deutsch-Österreich festgelegt wurde, ist bisher naturgemäss nichts Näheres bekannt geworden. Es geht uns nunmehr folgender von beteiligter amerikanischer Seite herrührender Bericht zu. Den Haag, 25. Juni. Die geheime Plenarsitzung der Friedenskonferenz vom Sonnabend den 31. Mai d. Js. darf als ein großer Erfolg für die Sachen der Juden Osteuropas und darüber hinaus aller Volksgruppen betrachtet werden, die in den neu entstandenen Staaten Polen, Tschecho- Slowakien, Jugoslawien und in Rumänien Minderheiten bilden. Dank der festen Haltung Clemenceaus und Wilsons, die in den Verhandlungen dieser entscheidenden Sitzung Hand in Hand gingen, gelangte im Vertrag mit Österreich ein besonderer Punkt zur Festlegung, der die Rechte der Juden in allen neuen Staaten gewährleistet. Die Geheimsitzung der Friedenskonferenz wurde anberaumt zur Entgegennahme des Protestes der Abgeordneten der europäischen Oststaaten, namentlich Rumäniens, gegen denjenigen Punkt im Vertrage mit Österreich, der die religiösen und sprachlichen Rechte aller Volksminderheiten sichert und dessen Unterzeichnung allen neuen Staaten auferlegt wird. Diese Bestimmung mißfiel den Diplomaten der erwähnten Staaten im höchsten Maße. Besonders erregt war der rumänische Premierminister Bratianu, der seinem Befremden darüber Ausdruck gab, dass die Alliierten den Kleinstaaten ihr Verhalten gegen die Juden und die anderen fremdnationalen Minderheiten diktieren wollen. Bratianus Empörung richtete sich namentlich gegen denjenigen Teil der Bestimmungen, der die nationalen Minderheiten unter den Schutz des Völkerbundes stellt. Dies, meinte er, bedeute eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Rumäniens, Polens und der anderen Staaten, und dass die Grossmächte die Unabhängigkeit der erwähnten Staaten aufheben wollen. Ihm erwiderte zuerst Präsident Wilson, der ausführte, dass die Verbündeten das stärkste Interesse daran hätten, dass Frieden in Europa herrsche. Daher müsse die Nationalitätenfrage dieser Länder bereits in Paris eine endgültige Lösung erfahren. Einen noch schärferen Ton schlug Clemenceau ein. Er erklärte den Wortführern der osteuropäischen Kleinstaaten gerade heraus, dass der Krieg von den Grossmächten gewonnen worden wäre und die kleinen Länder zufrieden sein können, dass sie überhaupt zur Friedenskonferenz zugelassen werden. Die Grossmächte wünschen, dass die jüdischen Rechte und die Minderheitsrechte überhaupt garantiert werden, und so wird es geschehen. . 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