Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 30 (25.7.1919)
- Date
- 1919-07-25
- Page
- Seite 365 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 30 Das Jüdische Echo 355 fliesst?, nichts fliesst!, und was schickt der Moses um uns?, wie kommt er dazu?, wir werden uns hüten!, wir gehen nicht hinauf!, soll er herab!, warum wir?, warum nicht er?“ Diese Rotte Korahs, mit der sich Jehova selbst schliesslich nicht anders zu helfen wusste, als indem er den Schlund der Erde auftat und sie verschlang, mit allen ihren Häusern, die zu Korah gehörten, und der ganzen Habe, diese Rotte Korahs kennen Sie, Herr Baron! Das ist das einzige, was sich heute iu Europa von den Juden sehen lässt! Die Rotte Korahs schlägt ja die Brücke zwischen dem Orient und der abendländischen Zivilisation, es is die einzige Art geistiger Gemeinschaft zwischen uns und Ihnen 1 Wir aber brauchen diese Rotte Korahs, grad um unserer Vervollkommnung, um unserer Heiligung willen brauchen wir sie, zum Abfluss der schlechten Säfte und alles verborgenen Gifts in uns brauchen wir sie, sie ist die Senkgrube für uns und Ihr holt Euch dann da — die gesellschaftsfähigen Juden! Nein, Baron, kommen’s mit nach Palästina, da können’s dann Juden sehen, wirkliche! . . . . . . „Ich bleib schon lieber hier,“ sagte Ferdinand leichthin. „Geben Sie sich keine Mühe!“ Beer fuhr auf. „Sie glauben doch nicht am End> ich will Ihnen Zureden? Wer sagt Ihnen denn, dass Sie mit dürften? Das is mir noch sehr fraglich, Herr Legationssekretär! Wer auch nur noch überlegen kann, wem es überhaupt noch denkbar scheint, hier fortzuwursteln, wem Europa noch nicht unerträglich ist, der bleibt wirklich besser hier. Wir könnten ihn doch nicht brauchen. Wir können nur den brauchen, für den es gar keine Wahl mehr gibt, für den hier nur der Tod, für den Leben nur dort ist . . . ... In diesem Europa, wo alles zum Ceschäft geworden ist, finden sich unter einem Volk, dem ja seit Jahrtausenden nichts geblieben is als das Geschäft, Männer, die für eine von vornherein verlorene Sache, an die sie selbst nicht glauben können, ihr Leben einsetzen, bloss aus Pflichtgefühl, bloss um ihrem Volk ein Zeichen zu geben oder wenn Sie wollen: einen Mythus, an dem es seine gesunkene Kraft wieder aufrichten kann, bloss in dem Gefühl, dass ein so ungeheures Opfer, so rein dargebracht, ja nicht vergeblich sein kann, 'dass ihm das Wunder antworten muss. Wenn Sie’s ganz genau wissen wollen: ich glaub an unsere Unternehmung nicht, gar nicht, aber ich glaube fest, sie wird der Anlass sein, dass ein Wunder mit uns geschieht. An dieses Wunder glaub ich! Um das freilich zu verstehen, muss man ein gelernter mystischer Skeptiker sein, doch dazu haben Sie kaum jüdisches Blut genug . . Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnaohrlohten, die In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höffiohst eingeladen.) München. Herzl-Gedenkfeier der zionistischen Vereine. Am Abend des 10. Juli vereinigten die „Zionistische Ortsgruppe“ und der Verein „Ahavath Zion“ ihre Mitglieder zu einer Feier anläßlich der 15. Wiederkehr von Herzl’s Sterbetag. In formvollendeter Rede brachte Herr Dr. Gustav Krojanker das heute und ständig Lebendige an unserem großen Führer den Versammelten zum Bewußtsein. Das Leben des Mannes, der vom Kosmopolitismus seine Tage, von der quälenden Vielgeschäftigkeit des Schriftstellertums den Weg zurückfand zu seinem Volkstum, entflammte hinreißend die weitesten Kreise zur Begeisterung. Nicht sein Glück, sondern sein Werk allein (an dem er seine Schaffenskraft völlig verbrauchte), war der Leitstern seines Tuns. So war er Erzieher und Vorbild unseres Volkes; aber auch sein Ziel war erzieherisch wirksam und dadurch über sein Leben hinaus von Dauer: die Gleichstellung der jüdischen Nation mit allen andern, die Zurückführung der jüdischen Geistigkeit auf die reale Grundlage des Daseins. Im Gegensatz zu seinen Vorgängern und auch im Gegensatz zu der zionistischen Entwicklung nach ihm bemühte er sich, den ursprünglichen und naiven Lebenswillen unseres Volkes, der zu seiner Rechtfertigung noch keiner metaphysischen Teleologie bedarf, zum Ausdruck zu bringen. Nach der eindrucksvollen Rede bot Herr Dr. Alexander Eliasberg eine unveröffentlichte Novelle von Perez („Die Schwalben“) zum dankbar aufgenommenen Genuß. Herr Schauspieler Geldern vom Nationaltheater erfreute darauf durch die wirkungsvolle Wiedergabe von Rilkes „Josuas Landtag“ und einer Szene aus^ Beer-Hoffmanns neuestem Werk „Jaäkobs Traum“. Die durch das Zusammenwirken solcher wertvollen Darbietungen erzielte einheitliche Stimmung fand ihren gefühlsmäßigen Abschluß in emigen hebräischen Liedern, die die „Blau-Weißen“ sangen. Z’bi. Stuttgart. Die hiesige Ortsgruppe veranstaltete am 9. ds. eine Generalversammlung zur Neuwahl des Vorstandes. Es kam auf derselben das Bestreben nach einer Verjüngung des Vorstandes stark zum Ausdruck, ebenso der Wille nach intensiver innerer Arbeit. Es entspann sich eine längere Debatte über die Aufgaben der Ortsgruppe, die sich hauptsächlich gegen das einseitige Betonen der äußeren Arbeit richtete und es wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, einen Vorstand zu wählen, der seine Arbeitskraft mehr auf die innere Belebung wende. Von dem Vorstand wurde nur Schriftführer, Kassier und N. F. Sekretär wiedergewählt, während die übrigen Mitglieder neu gewählt sind. Der Vorstand setzt sich jetzt zusammen ans Dr. W. Cohn. Vorsitzender, N. Goldstein, Kassier, Joseph Preßburger. Sekretär, Friedrich, N. F. Kommissär, Mosche Pariser, Versammlungen, Schiff u. Horowitz als Beisitzer. Dem Bedürfnis nach intensiverem jüdischen Leben entspringend! hat sich hier vor mehreren Wochen ein Jüdischer Jugendverein Hatchija gebildet. dem etwa 60 Mitglieder angehören. Ziel des Vereins ist die Erziehung der Mitglieder zu bewußtem Judentum und Vermittlung von jüdischem Wissen. Zu diesem Zwecke wurde aus einigen größeren Spenden eine schöne jüdische Bibliothek angeschafft und mehrere Zeitschriften abonniert, die in dem Vereinslokal aufliegen; außerdem veranstaltet der Verein im Sommersemester wöchentliche Vorträge, die bisher immer gut besucht waren. Es sprachen u. a. Herr Lichtinger über Zionismus und Sozialismus. Jakobowitz über Jugendbewegung. M. Broser über Tschernikowski, Jakobowitz über Chassidismus. Für das Wintersemester sind Kurse in Hebräisch. Geschichte und Literatur vorgesehen. Vorige Woche sprach Herr Kurt Blumenfeld aus Berlin über: Der Antisemitismus und seine Überwindung. Die eindrucksvolle Rede rief bei der großen Zuhörerschaft lebhaften Beifall hervor. Regensburg. Die zionistische Ortsgruppe veranstaltete in den letzten Wintermonaten Lese- und Diskussionsabende, die einen regen Besuch aufwiesen. Vorgelesen würden Novellen von