Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 28 (11.7.1919)
- Date
- 1919-07-11
- Page
- Seite 331 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28 Das Jüdische Echo 331 zu lassen, ist es gelungen, den amerikanischen Gesandten in Warschau, Gibbons, dazu zu bewegen, einen in diesem Sinne gehaltenen Bericht an seine Regierung abzufassen. In diesem Bericht behaupt tet Gibbons, daß die von den polnischen Truppen unter den Juden Litauens. Polens und Galiziens angestifteten Metzeleien mit Judenpogromen nichts gemeinsames gehabt hätten, sondern nichts anderes gewesen wären, als die Unterdrückung bolschewikischer Unruhen. Dieser der Wahrheit ins Gesicht schlagende Bericht wird vom Komitee der jüdischen Delegationen in Paris mit aller Entschied denheit zurückgewiesen. Louis Marshall, der zweite Vorsitzende des Komitees, händigte den Vertretern der amerikanischen Presse in Paris genaue Informationen ein, die aus zuverlässigen Quellen zugegangen sind. Unter diesen Informationen befinden sich auch mehrere die Polen schwer belastende Berichte von prominenten Persönlichkeiten, die Augenzeugen der Geschehnisse waren. In den diplomatischen englischen und amerikanischen Kreisen wurde der antisemitische Bericht von Gibbons mit Mißtrauen aufgenommen. Hochstehende Beamte äußerten sich dahin, daß Gibbons auf seinem Posten unerfahren und polnischen Einflüssen unterlegen sei. In den politischen jüdischen Kreisen glaubt man. daß Gibbons, der sich seiner Mission so wenig gewachsen gezeigt hat, von seiner Stellung wird bald zurücktreten müssen. Die Zionisten beim englischen Botscbaiter in Warschau. Warschau. Namens der Zionistischen Organisation in Polen sind kürzlich die Herren F a r b - stein und Dr. K1 u m e 1 beim englischen Botschafter in Warschau erschienen, um auf diesem Wege dem englischen Volk und der königlichen Regierung die Gefühle der Verehrung und Dankbarkeit für ihre wohlwollende Förderung des Zionismus zu übermitteln. Auf die polnische Rede Farbsteins und die hebräische Dr. Klumels erwiderte der Botschafter mit folgender Ansprache: „Mit großem Vergnügen habe ich Ihren Besuch und den Ausdruck Ihrer Sympathie und Verehrung für den König und meine Regierung entgegengenommen. Ich muß Ihnen auch für Ihren freundlichen Empfang gelegentlich meiner Ankunft in Warschau aufrichtig danken. Ich bin besonders gerührt darüber, daß Sie der Kriegshelden und der englischen Führung gedachten, die das Glück hatten, Jerusalem vom türkischen Joch zu befreien und den Weg für die Errichtung eines Jewish State in Palästina zu bahnen. Das britische Imperium, das während! seiner ganzen Geschichte die Freiheit undl Gerechtigkeit verteidigte, verdankt seine Macht der Freiheit, die es den verschiedenen Rassen und Religionen in seinen Herrschaftsgebieten gewährte. Diese Taktik hat ihre Bestätigung gefunden in der Ergebenheit und in dem Patriotismus, den die großen jüdischen Gemeinden sowohl vor als auch während des Krieges bekundeten. Ph glaube aufrichtig. daß dieser Geist der Eintracht, der in meinem eigenen Lande so gute Früchte zeitigte, auch der führende Geist Polens sein wird und daß die jüdische Gemeinde, des Genusses der vollen religiösen und sozialen Freiheit sicher, an dem Aufbau eines glücklichen und blühenden Polen nach Kräften mitwirken werde.“ Der Botschafter ersuchte auch um Einhändigung des Originaltextes der hebräischen Rede Dr. Klumels zum Zwecke der Übersendung desselben an seine Regierung. Ungeheure Judenpogrome in der Ukraine. Stockholm, 25. Juni. Dem Jüdischen Preßbureau wird aus London telegraphiert: Der Korrespondent der Londoner „Times“ in Jekaterinodar sagt in einem Bericht über Südrußland, daß dort Zustände wie im 17. Jahrhundert herrschen. Das Land sei von Banden überschwemmt, die von verschiedenen Häuptlingen geführt werden, wie Grigoriew, Seliony. Trepow usw. Sie kämpfen teilweise gegen die Bolschewisten, teilweise werfen sie sich auf die Zivilbevölkerung. Am meisten werden die Juden von ihnen heimgesucht. Alle Banden, sagt der Korrespondent, ohne Unterschied, ob sie unter bolschewikischer oder ukrainischer Flagge auf treten, gleichen sich in einer Hinsicht, nämlich in der Inszenierung von Judenpogromen ungeheuren Umfanges. Ein zweiter Rabbiner iür München. In seiner Sitzung vom 9. Juli hat der Verwaltungsausschuß der Kultusgemeinde München Herrn Dr. Eugen Gärtner als Rabbinatssubstituten gewählt. Herr Dr. Gärtner ist 1885 in Schweinfurt geboren, hat das Gymnasium in Nürnberg absolviert und seine Studien an der Universität Berlin und der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums absolviert. Dr. Gärtner wurde im Jahre 1910 an der Universität mit einer Arbeit über „Das Buch der Weisheit“ zum Dr. phil. promoviert. Sein Rabbinerexamen hat Dr. G. 1915 abgelegt. Er war als Religionslehrer an den jüd. Gemeinden Berlin und Dresden, dort zuletzt auch als Vertreter des Rabbiners tätig, während des Krieges längere Zeit auch als Feldrabbiner. — Herrn Dr. Gärtner, dem ein guter Ruf vorausgeht, erwarten hier in München wichtige Aufgaben, vor allem auf dem Gebiete des Unterrichts und der Jugendbildung. Wir begrüßen Herrn Dr. Gärtner als zweiten Rabbiner und hoffen, daß seine Wirksamkeit sich als segensreich für die Gemeinde erweisen wird. Jsraelitische Lehrerbildungsanstalt in Würzburg. Das „Kuratorium der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt Würzburg“ bitte uns um Abdruck folgender Erklärung: In Nr. 21 u. 22 des „Israelit“ vom 29. Mai 1919 ist ein Artikel von N. 0. unter der Überschrift „Renaissance der Thora“ erschienen, der sich mit der zukünftigen Gestaltung der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg befaßt. Es wird darin ausgeführt, daß nach der wahrscheinlich erfolgenden Aufhebung der Konfessionsschule in Bayern es nicht mehr als die Aufgabe der israelitischen Lehrerbildungsanstalt betrachtet werden könne, für die allgemeine Volksschule jüdische Lehrer heranzubilden. Das sei Sache des Staates. Infolgedessen werde sich die Notwendigkeit ergeben, der Israelitischen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg ein ganz neues Ausbildungsziel zu stecken. Die beiden Vorbereitungsanstalten Burgpreppach und Höchberg müßten mit dem Seminar zu einem einheitlichen Ganzen verbunden