Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 27 (4.7.1919)
- Date
- 1919-07-04
- Page
- Seite 319 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 27 Das Jüdische Echo 319 haben so-11, verdient keine mehr Sympathie und Unterstützung: alter rechtlich) denkenden Menschen als die Forderung: des jüdischen Volkes, sein nationales Leben in Palästina wieder aufzubauen. Während 20 Jahrhunderten des Exils haben die Juden niemals die Hoffnung: auf die Rückkehr in ihr historisches Heimatland verloren, mit welchem der beste Teil ihrer besonderen Kultur und ihrer Hoffnungen verknüpft ist. Das ihnen zugefügte nationale Unrecht ist sicherlich das älteste, und bei dessen Berichtigrung' wird1 die Menschheit gleichzeitig: mit einer Tat der einfachen Gerechtigkeit eine Saat von unberechenbarer Verheißung für die Zukunft säen. Politisch wird die Wiederbesiedlung Palästinas durch die Juden und seine Entwicklung zu einem jüdischen Gemeinwesen einen notwendigen Faktor von Stabilität und geordnetem Fortschritt in das Leben des nahen Ostens bringen. Nicht weniger wichtig für die höchsten Interessen der Menschheit ist unserer Ansicht nach der Gewinn, den das menschliche Bewußtsein und die sozialen Ideale von der freien Entfaltung des jüdischen Genius in seiner nationalen Stätte zu ziehen hoffen dürfen. Die Großmächte. die sich in dem Krieg für Gerechtigkeit und Freiheit vereinigt haben, haben versprochen, die Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu erleichtern. Wir sind überzeugt, daß dieses Versprechen voll und unzweideutig verwirklicht werden muß, wenn die Ordnung der Welt den Idealen der Alliierten und der Vereinigten Staaten ensprechen soll.“ Die rote Hand. Herr Ost-Petersen ist Reklame-Fachmann und vielseitig wie er ist. sieht er offenbar in der Politik eine Angelegenheit der Geschäftskonjunktur. Gehen die anderen Unternehmungen schlecht, dann probiert mans eben mit der Politik. Nur schade, daß der gute Geschmack, von dem Herr Ost-Petersen in seinem Reklame-Lehrbuch so viel redet, sich bei ihm in der politischen Betätigung nicht bemerkbar macht. Seit einiger Zeit „macht“ Herr Ost-Petersen in München die „rote Hand“, die er eine „satyrisch-politische parteilose Zeitung“ nennt. Satyre . . na, man verstand bisher in der Stadt, die die guten Zeiten des Simplizissimus erlebt hat. etwas ganz anderes, als die trockenen, geistlosen Witze der roten Hand. Das scheint Herr Ost-Petersen selber zu fühlen und um seinem Blatt die Zugkraft zu geben, die der mangelnde innere Wert nicht aufzubringen vermag, macht er in jeder Nummer frisch-fröhliche Judenhetze. Immerhin recht heruntergekommen, der Reklame- Lehrer des guten Geschmacks, daß er sich so zum Lakai des Pöbelinstinkts degradiert. Aber was tut man nicht alles fürs Geschäft — die vierseitige Nummer zu 30 Pfennig! Dies alles wäre aber schließlich Sache dieses Herrn, von dem man nicht mehr Geschmack und Takt verlangen kann, als er eben aufbringt. Man muß aber fragen, mit welchem Recht wirft sich Herr Ost-Petersen. der Russe, zum Sprecher der bayerischen Politik auf. Er macht hämische Bemerkungen über eine „russich-jüdische“ Glanzperiode. Wir sind Gegner der politischen Tätigkeit der jüdischen Revolutionsführer in München, aus Gründen, die hier nicht zu erörtern sind. Aber sie alle sind bis auf Axelrod. deutsche Staatsbürger, und wie kommt der Russe Ost-Petersen dazu, Bayern zu schützen, das ihn dazu gewiß nicht braucht. Mit welchem Recht mischt er sich in die bayerische Politik, mit seiner hetzerischen roten Hand? Mit welchem Recht spricht e r, der Russe, von fremdem Gesindel? Wohl um die Reichhaltigkeit des russischen Exports zu zeigen? Um därzutun. daß man aus Rußland nicht bloß Revolutionäre, sondern auch Judenhetzer Ia Oualität beziehen kann?! Man möchte Herrn Ost-Petersen raten, sich auf die herrenlosen Gebiete seiner früheren Tätigkeit zu beschränken! Die Landespolitik ist Sache der Bürger des Landes und wir sind gleichermaßen Gegner jeder politischen Betätigung des Ausländers, ob das nun der Revolutionär Axelrod oder der Judenhetzer Ost-Petersen ist. J. DANiELosocüto Swn man DANIEL-BUND GESELLSCHAFT FÜR ETHISCHE ERNEUERUNG DES JUDENTUMS \/ SiMuirrrQMai« t w. chavkih. Aufruf zur Gründung jüdischer Kleingärten. Als den ersten praktischen Schritt zur ethischen Erneuerung der Judenheit durch allmähliche Umschichtung der Berufe hat der Daniel-Bund die Gründung jüdischer Schreber- oder Kleingärten für Obst- und Gemüsezucht nach Muster der städtischen Mietgärtenanlagen in München unternommen und zu diesem Zweck einen Fonds gebildet. Diese Gärten sollen auch jedem im Erwerbsleben tätigen Juden die Möglichkeit geben, einen Teil seiner berufsfreien Zeit der für Körper und Geist nützlichen Bodenkultur zu widmen und in engere Berührung mit der Natur zu kommen. Die Kleingärten sollen in der nächsten Umgebung der Stadt unter bewährter sachkundiger Leitung angelegt und mit der Straßenbahn ohne erheblichen Zeitverlust zu erreichen sein. Es ist hierfür die Pacht eines geschlossenen Terrains für eine längere Zeitdauer in Aussicht genommen. Die Vorbereitungsarbeiten für diese Anlage sollen noch in diesem Sommer beginnen, damit die Gärten schon anfangs nächsten Jahres bezogen werden können. Die Kosten für jeden Gartenpächter werden umso geringer sein, je mehr Teilnehmer sich finden. Die einzelnen Pachtflächen sollen 100 bis 300 qm betragen. Wir bitten diejenigen, die für dieses Unternehmen Interesse haben, dies an den Schriftführer des Daniel-Bundes. Herrn Nathan Chavkin, Bergmannstr. 7, mitzuteilen und ihm ev. diesbezügliche Anregungen und Vorschläge zu machen. Herr Chavkin. der bereits einen Garten in der städtischen Mietgärtenanlage Westendstraße gepachtet hat, ist jederzeit bereit. Interessenten durch diese Mietsgärten, die u. a. auch die beste Erholungsgelegenheit für die Familienglieder der Gartenpächter in der schönen Sommerzeit bieten, zu führen. Unterstützungen für den jüdischen Kleingärtenfonds wie auch sonstige Beiträge für den Daniel- Bund sind an den Kassenverwalter des Bundes Dr. Sigbert Feuchtwanger, Residenzstr. 27, Postscheckkonto Nr. 14333. zu senden. Die Vorstandschaft des Daniel-Bundes Vorsitzender*. Hofrat Dr. med. Adolf Theilhaber.