Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 27 (4.7.1919)
- Date
- 1919-07-04
- Page
- Seite 320 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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320 Das Jüdische Echo Nr. 27 Jüdische Lehrer an bayerischen Volksschulen. In dem Entwurf des Lehrergesetzes, der gegenwärtig dem LandtagsausschuB zur Beratung vorliegt, war vorgesehen, daß jüdische Lehrer an öffentlichen Simultanschulen angestellt werden können. Über diese Bestimmungen sind nunmehr im Ausschuß lebhafte Debatten entstanden, wobei die Anstellung jüdischer Lehrer seitens der Vertreter der Bayerischen Volkspartei und des Bauernbundes heftig bekämpft wurde als im Widerspruch stehend mit dem „christlichen Charakter der Volksschulen“. Trotzdem von dem Ministerpräsidenten und den Vertretern der demokratischen und sozialdemokratischen Partei diese Einwände zurückgewiesen wurden, fand die Gegnerschaft gegen den Vorschlag der Regierung im Ausschuß eine Mehrheit, sodaß, wenn es bei diesem Beschluß bleibt, auch in Zukunft jüdische Lehrer von den allgemeinen Volksschulen in Bayern grundsätzlich ausgeschlossen bleiben. Wir haben demnach auch im Freistaat Bayern, wie im alten Königreich, keine Simultanschule im wahren Sinne des Wortes, sondern ausschließlich christliche Schulen, in denen zwar auch, wie der Ministerpräsident bemerkte, atheistische Lehrer, aber keine jüdischen Lehrer angestellt werden dürfen. Inwiefern dies mit den Grundprinzipien der vorläufigen und der gegenwärtig in Beratung befindlichen endgültigen Verfassung des Freistaates Bayern zu vereinbaren ist. darüber sollten die politischen Führer doch Rechenschaft ablegen. Für uns ergibt sich daraus vor allem eine Forderung: Wir müssen mit aller Kraft dafür eintreten, daß die bestehenden jüdischen Schulen erhalten bleiben, und daß da. wo sich die Möglichkeit dazu bietet, neue jüdische Schulen begründet werden. Es ist dies eine Forderung, die wir im Interesse unserer Selbstachtung und im Interesse der Erhaltung des jüdischen Lehrerstandes immer wieder erheben müssen. Aus der Jüdischen Welt Spaltung in der ..Alliance“? Aus Paris wird gemeldet, daß es in den Reihen der „Alliance Israelite Universelle“ infolge einer Meinungsverschiedenheit in Bezug auf die Forderung nationaler Rechte für die Juden in den Diasporaländern zu einer Spaltung gekommen wäre. Maschinenbau. In Haifa ist die Gründung einer genossenschaftlichen Maschinenbauwerkstätte im Gange, welche von einer kleinen Gruppe tüchtiger Ingenieure eingeleitet wird. Das bescheidene Anfangskapital von 1000 Pfund Sterling ist durch ein Darlehen der A.P.C. gesichert und die Vorarbeiten werden bald aufgenommen werden. Dr. Karl Meiseis gestorben. Am 18. Juni starb in Graz nach langer Krankheit der ehemalige Sekretär der Sammelstelle des Jüdischen Nationalfonds in Wien, Dr. Karl Meiseis, im jugendlichen Alter von 26 Jahren. Dr. Meiseis hat sich um das Aufblühen der österreichischen Sammelstelle große Verdienste erworben. Seit früher Jugend begeisterter Anhänger der nationalen Idee, arbeitete er unermüdlich mit größter Aufopferung für die zionistische Sache. In stiller rastloser Kleinarbeit, allem Pathos und aller Deklamation abhold, vermochte er große Erfolge zu erzielen. Durch sein bescheidenes, liebenswürdiges Wesen war Dr. Meiseis in der Partei geschätzt und beliebt und sein tragisches Ende wird nicht nur in den Kreisen der österreichischen Zionisten, sondern insbesondere auch in seinem Heimatland Galizien, die lebhafteste Trauer auslösen. Literarisches Echo Eine iiidische Kinderzeitschrift. Soeben erschien die erste Nummer von Barkochba, Blätter für die heranwaöhsende jüdische Jugend, herausgegeben von C. Z. Klötzel. Das einfach aber gut ausgestattete Heft bringt u. a. den Beginn eines jüdischen Jugendromanes, einen hebräischen Unterhaltungstext, eine jüdische Sage, sowie eine Menge kurzer Beiträge über die jüdische Gegenwart, ferner Rätsel. Von den Bildern erwähnen wir die wohlgelungenen Aufnahmen des jüdischen Sportfestes in Berlin. Probenummern sind erhältlich durch den Welt-Verlag. Berlin NW. 7. Dorotheenstraße 35/36. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unser« Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Qemelnden und Vereinen und von Psrsonalnaohrlohten, dl« In diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höfllohst eingeladen.) Geschäfts-Jubiläum. Herr Benno Heller feierte am; 1. Juli sein 40jähriges Berufs- und Geschäftsjubiläum, Wir bringen dem Jubilar unsere allerherzlichsten Glückwünsche dar und benützen gern diese Gelegenheit, Herrn Heller für die großzügige, verständnisvolle Förderung unseres Blattes und für den Dienst, den er dadurch der jüdischen Allgemeinheit leistet, unseren besonderen Dank auszusprechen. Die Red. dl „J. E.“ München. Der uns vorliegende Bericht des Kinder-Spar-Vereins pro 1918/19 weist bei einer Einnahme (inklusive Kassabestand vom Vorjahre) von ungefähr 10 000 Mark einen Betrag von ungefähr 3000 Mark für Milchlieferung und Verpflegungsbeiträge an arme und kranke Kinder aus. Die Vereinsleitung machte in diesem Jahre daher eine Erübrigung von nahezu 6900 Mark und doch find'en wir im Berichte die Bemerkung: „So bleibt für erstrebenswerte andere Zwecke nicht allzuviel“. Und weiter heißt es: „Möge es uns vergönnt sein, eine weitere Steigerung unserer Leistungen zu erleben; um aber allen helfen zu können, dazu brauchen wir die Hilfe jedes Einzelnen.“ Es sei daher die Frage gestattet, ob bei einem Einnahmeüberschuß von 6900 Mark eine „weitere Steigerung der Leistungen“ nicht möglich gewesen wäre? Hapo«I Hazai'r München. Anhänger des Hapoel Haza'fr, alle diejenigen, die ihm nahestehen und alle, die in irgend einer Form für die volkssozialistische Bewegung arbeiten wollen, werden gebeten, ihre Adresse Herrn Dr. Stahl, München, Lachnerstraße 39, bekannt zu geben. — Arbeitsgemeinschaft Nicht-Incorporierter Jüdischer Akademiker. Montag, den 7. Juli, abends 8.15 Uhr im Nebenzimmer des Wittelsbacher Garten, Theresienstraße, Versammlung. Gäste willkommen. Zionistische Ortsgruppe u*Ahavas Zion München. Donnerstag, den 10. Juli abends 8 Uhr. im kleinen Saal des Hotel Union, Barerstraße, Gedenkfeier zur Erinnerung an den 15. Todestag von Theodor Herzl. Programm: Gedenkrede von Dr. Gustav Krojanker. Musikalisch-literarische Darbietungen. Um vollzähliges Erscheinen unserer Mitglieder wird gebeten. Gäste herzl. willkommen. Haschachar München. Nächster Vereinsabend1 Donnerstag, den 10. Juli, abends 7 Uhr. Giselastraße 16. Hebräisch Lekt. 28; Referat: Das Zeitalter von Jochanan ben Sakkai und Gamliel II.