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Das jüdische Echo · 1919-06-27 · 26 (27.6.1919) · p. Seite 305

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
26 (27.6.1919)
Date
1919-06-27
Page
Seite 305 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 26 Das Jüdische Echo 305 Die Palästinafrage im Friedens» vertrag mit der Türkei. Paris. 22. Juni. Der Friedensvertrag mit der Türkei ist bereits fertiggestellt. Der Palästinafrage sind darin 50 Punkte gewidmet, die fast alle Prooositionen der zionistischen Friedensdelegation enthalten. Im übrigen enthält der Vertrag auch Bestimmungen über die Stellung der Araber und Englands als Mandatar über Palästina. Eine Älien»Bül in England. Havas meldet aus London: „Dem Unterhause wird ein Reglements-Entwurf zugehen, wonach, kein Ausländer ohne Erlaubnis eines Auswanderungsbeamten in Großbritannien wird landen dürfen. Die Erlaubnis zum Betreten des britischen Bodens wird Mittellosen sowie aus Gründen der Gesundheit unerwünschten Ausländern verweigert werden, ebenso denjenigen fremden Staatsangehörigen, die wegen eines Vergehens verfolgt werden, das die Auslieferung erheischen würde. Das Verbot erstreckt sich nicht auf Ausländer, die mit einem Fahrschein nach einem anderen Lande versehen, durch Großbritannien reisen.* Das Reglement sieht ferner die Schließung der von verdächtigen Elementen besuchten Klubs und; Wirtschaften vor.“ Diese Havasmeldüng ist nicht die erste Nachricht, die einen Ausschluß der „Fremden“ oder wenigstens bestimmter Kategorien von ihnen in England als beabsichtigt erscheinen läßt. Auch in Kanada und den Vereinigten Staaten von Amerika machen sich ähnliche Tendenzen geltend, gegen die sowohl vom kanadisch-jüdischen Kongreß als auch von Einzelpersonen protestiert wurde. Diese Anzeichen bedürfen der ernstesten Beachtung der Leiter der jüdischen Politik. Ein Grenzschluß gegen „mittellose“ Ausländer würde für die meisten jüdischen Auswanderer verhängnisvoll sein und1 würde zu einem gerechten Frieden im Sinne der Völkerbundpolitik in krassem Gegensatz stehen. Die Verhältnisse in Osteuropa lassen eine große jüdische Auswanderung nach Öffnung der Grenzen als durchaus möglich erscheinen. Es ist bekannt, daß Palästina nicht imstande sein wird, diese Auswanderung aufzunehmen. Deshalb muß unter allen Umständen erreicht werden, daß die Haupteinwanderungsgebiete, vor allem Amerika und England ihre Häfen für diese Einwanderung nicht sperren. Ostgalizlen unter polnischer Herrschaft. Dem Pressedienst der Delegation des Jüdischen Nationalrates für Ostgalizien wird gemeldet: Seit der polnischen Herrschaft in Ostgalizien nehmen die Bedrückungen der jüdischen Bevölkerung kein Ende. Die dort herrschenden Zustände sind unerträglich und die Ausschreitungen der polnischen Truppen gegen die Juden geradezu grausam. Sogleich nach dem Einmarsch der polnischen Armee wurden die jüdischen Nationalräte, die erst vor kürzester Zeit auf Grund des allgemeinen Wahlrechtes vom jüdischen Volke gewählt worden sind, aufgelöst. Bei der von den polnischen Behörden vorgenommenen Konskription wird die jüdische Nationalität nicht anerkannt und die Juden gezwungen, sich als „Polen“ zu bekennen. Die jüdischen Beamten, die unter den Ukrainern Dienst machten, wurden entfernt. Während den ukrainischen Beamten eine Wiederanstellung in Aussicht gestellt ist, werden die Juden von derselben völlig ausgeschlossen. Die jüdischen Schulen wurden geschlossen und die Wiederaufnahme der jüdischen Schuljugend in die allgemeinen Schulen den ärgsten Beschränkungen unterworfen. Zahreiche Juden werden von der Straße, von Bethäusern zu schweren Arbeiten, jüdische Frauen vom Hause in die Kasernen zum Kartoffelschälen und dergleichen selbst an Samstagen und jüdischen Feiertagen geschleppt. Hiebei werden die Leute ihrer Kleidung, ihres Geldes und ihrer Wertsachen beraubt. Die Soldateska drangsaliert unaufhörlich die Juden und schneidet jüdischen Passanten die Bärte ab, wobei viele an Blutvergiftung sterben. Als am 11. Juni die Ententemission in Stanislau weilte und deren Leiter den Wunsch äußerte, jüdische Vertreter über die gegenwärtige Lage der Juden zu befragen, wurden von den polnischen Behörden keine Nationaljuden zugelassen, sondern drei Assimilanten. Dr. Halpern iun., Dr. Atlas und Rabbiner Horowitz als Vertreter der Judenheit vorgeführt. Die Genannten überreichten auf eigene Faust ein Memorandum, in welchen} sie den Wunsch äußerten, daß ganz Galizien dem polnischen Reiche einverleibt werde, da die Lage der Juden unter polnischer Herrschaft eine gute sei (!). Trotzdem die jüdische Bevölkerung erst vor einigen Wochen den Jüdischen Nationalrat als ihre vertretende Körperschaft eingesetzt hatte, versuchen die Assimilanten noch immer gegen den Willen der Massen die alte verräterische Moschkopolitik zu betreiben. Eine Kundgebung der jüdischen Nationalratdelegation für Ostgalizien. Die Wiener Delegation des ostgatizischen Nationalrates hat nach Anhörung der Referate über die jetztige Lage in Ostgalizien folgende Resolution angenommen: I. Die jüdische Neutralität. Anknüpfend an die feierliche Entschließung des ersten jüdischen Nationalrattages für Ostgalizien vom 18. bis 20. Dezember 1918 „im nationalen Streit zwischen beiden das Land bewohnenden slawischen Völkern nach wie vor volle Neutralität zu wahren“, erhebt das jüdische Volk gegenüber beiden kämpfenden Völkern den Anspruch auf Respektierung seiner nationalen Sonderheit und verlangt die Weiterbelassunv der von ihm nach dem Zusammenbruch der Monarchie geschaffenen nationalen Vertretungen und Institutionen. II. Protest gegen die polnischen Rechtsbrüche. Die Delegation des Jüdischen Nationalrates für Ostgalizien protestiert: a) gegen die von den polnischen' Behörden angeordnete Auflösung der aus breitester demokratischer Wahlordnung hervorgegangenen jüdischen Nationalräte, sowie auch gegen die Wiederberufung der alten, vom jüdischen Volke einmütig abgelehnten israelitische Kultusgemeindevertretungen: b) gegen die Verfolgung der gewählten Vorstände der jüdischen Nationalräte, von denen unter anderen Dr. Rottenstrejch, Präsident des jüdischen Nationalrates in Sambor, unrechtmäßig verhaftet und vor ein Kriegsgericht gestellt wurde;

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