Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 24 (13.7.1919)
- Date
- 1919-07-13
- Page
- Seite 283 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 24 Das Jüdische Echo 283 dieses Blatt wirklich deshalb gründen zu müssen, um. wie es so schön aber nicht immer so wahr heißt, „einem dringenden Bedürfnis abzuhelfen“. Die Fertigstellung der ersten Nummer wird in wenigen Tagen erfolgt sein. Gegen Einsendung von 50 Pfennig in Marken senden wir dieses erste Heft portofrei zu und hoffen daß schon diese erste Probe genügen wird, um recht Viele zu dem Entschluß gelangen zu lassen, ihren Kindern mit dem Blatt eine Freude zu machen. Und dann bitten wir um Mitarbeit. Wir wissen, daß viele jüdische Eltern bereits zur Selbsthilfe gegriffen haben und aus Eigenem heraus sich das schufen, was ihre Kinder entbehrten. Wir bitten dringend, uns dieses so überaus wertvolle Material, — zu dem wir natürlich auch Bifder zählen. — zu Verfügung zu stellen. ZUm Schluß sei noch erwähnt, daß wir es für eine Ehrenpflicht halten, unserer Zeitschrift auch eine hebräische Beilage zu geben, deren Redaktion in den Händen eines der bewährtesten Lehrer an der hebräischen Sprachschule in Berlin liegen wird. Briefe und Anfragen, die wir in sehr großer Zahl erwarten, wolle man richten an den ..Weitverlag“, für Jugendzeitschrift. Berlin NW. 7. Dorotheenstraße 35/36. Aus der jüdischen Welt Die Soziallstenkonferenz zur rumänischen Judenfrage. Die in Amsterdäm tagende Internationale Sozialistenkonferenz hat einstimmig folgende Resolution angenommen: Die Konferenz protestiert auf das Entschiedenste gegen die schmachvolle Behandlung der Juden in Rumänien und fordert die Regelung der Judenfrage dieses Staates sowie der ihm etwa zufallenden Gebiete im Sinne voller bürgerlicher Gleichberechtigung und nationaler Selbstverwaltung unter internationaler Garantie. Sie fordert weiter die uneingeschränkte und ausnahmslose Naturalisierung und Gleichberechtigung aller Juden Rumäniens und legt Verwahrung ein gegen jeden Versuch der rumänischen Regierung, durch einschränkende Maßnahmen, wie Verhandlungen, Vorlegung von Akten und sonstigen Beweisen der Geburt im Lande und dergleichen den Zustand der Rechtlosigkeit eines großen Teiles der Juden zu einem dauernden zu machen. Der Völkerbund muß darüber wachen, daß eine Wiederholung des Vertragsbruches seitens der rumänischen Regierung unmöglich gemacht wird. Weizmann geht nach Palästina. Kopenhagen, 29. Mai. Das Kopenhagener Zionistische Büro gibt offiziell bekannt: Dr. Chaim Weizmann wird sich zusammen mit den Herren J. A. Rosoff und David Jellin dieser Tage nach Palästina begeben. Das Jaffaer Gymnasium. Das Jaffaer Gymnasium ist wieder in seinem alten Gebäude untergebracht worden, das bisher von den Militärbehörden als Hospital benutzt worden war. Literarisches Echo Jticfische Flugschrift Heft 1: Soeben ist eine Broschüre von Dr. Josef R u f e i s e n unter dem Titel: „Nationale und soziale Judenfragen“ erschienen, welche in kurzer, aber klarer und prägnanter Darstellung die Probleme des Nationalismus, der Religion und des Sozialismus in Beziehung auf die zionistische Idee darstellt. Die hübsch1 ausgestattete Broschüre ist zum Preise von 50 Heller durch das zionistische Distriktskomitee. Mähr. Ostrau. Postfach 35, zu beziehen. GomaliMtanu. Vereins-Echo (U«Mr« Um nlnA zur ElntnnAiing vonEfttnllnngnn not mointftfi unA VnrAlnnu onA von Poroonalnnohrfoliton, Alt Hi Aleoon SpoKtn |*mo AnfAolHno AnAon, httfllohot üngelaAon.) Herzt und Achad Haant. Uber dieses Thema referierte Dt. Gg. Krojanker am 10. ds. in der Zionistischen Ortsgruppe München. Der Vortrag galt im wesentlichen einer scharfen Kritik des kulturellen. geistigen und ethischen Zionismus, wie er in den Lehren von Achad Haam. Martin Buber u. a. zum Ausdruck kommt, gegenüber dem rein nationalistischen Zionismus, dessen typischer Vertreter Dr. Herzl ist. Ausgehend von dem Standpunkt. daß das Wesen der Nation nicht im Inhalt, sondern in der Form bestehe, daß jedes Volk sich in gewisser Hinsicht als auserwählt betrachte, bezeichnete der Referent den Glauben an den besonderen Geist oder an eine spezifische Ethik des Judentums als Dogmen und gefährliche Götzen, die nur Verwirrung in den Köofen der jüdischen Jugend anstiften und die nationale Sache schädigen. Es gäbe keine Judentums-, sondern eine Judenheitsfrage, deren Lösung in der Pflege größerer und engerer Gemeinschaftlichkeit mit den üblichen nationalen Mitteln zu suchen sei. Sozialismus, Vegetarismus und andere ethische Bestrebungen. die man neuerdings mit dem Judentum zu verquicken sucht, seien nur fremde Werte, denen man jüdische Mäntelchen umhängt. Die Juden hätten die Religion, die sich in der Pflege nationaler Gemeinschaftskultur äußere, verloren, behielten aber noch das religiöse Gefühl, das dem Judentum fremde Werte und Inhalte andichte. — Von den Diskussionsrednern wurde dem Referenten u. a. entgegengebalten. daß man die Juden doch nicht mit dem gleichen Maßstabe wie andere Völker messen könne und daß das Gefühl der Auserlesenheit bei den Juden eines der stärksten Merkmale ihrer Gemeinschaftlichkeit und die Ursache ihrer Sonderstellung in der ganzen Welt sei; daß die Juden zwar die Ethik nicht selbst geschaffen und vielfach Vorbilder von der uralten ägyptischen u. a. Kulturen für die jüdische Gesetzgebung benutzten, daß aber die ethische Kultur durch das jüdische Volk eine weitere und höhere Entwicklung erfahren habe und in der Zukunft, besonders beim Wiederaufbau des jüdischen Palästina, noch erfahren werde; daß es zu allen Zeiten starke ethische Persönlichkeiten unter den Juden gegeben habe, von denen man durchaus nicht sagen könne, sie hätten fremde Werte in jüdische Mäntelchen gehüllt, sondern umgekehrt, reine jüdische Werte unter fremder Maske gezeigt. — In seinem Schlußwort rechtfertigte sich der Referent, daß er keineswegs die spezifischen Werte des Judentums leugnen wollte, daß er aber seinen Vortrag unter dem Eindruck des gegenwärtig in den jüdischen Kreisen in Berlin tobenden Streits bezüglich des Wesens und des Inhalts des Judentums gehalten habe, daß ein großer Teil der jüdischen Jugend durch die Lehren vom geistigen Judentum verwirrt, sich massenhaft in das sozialistische Fahrwasser begebe, und dem nationalen Judentum verloren gehe. Wenn Dr. Krojanker glaubt, daß diesem Zeitübel abgeholfen werden könne, indem man dem Judentum jeden spezifischen ethisch-sozialen und religiösen Inhalt, außer dem rein nationalen Zusam-