Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 24 (13.7.1919)
- Date
- 1919-07-13
- Page
- Seite 284 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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284 Das Jüdische Echo Nr. 24 mengehörigkeitsgefühl. abspricht so irrt er sich gewaltig. Mit der Leugnung des jüdischen Ursprungs der über das nationale Bewußtsein emporsteigenden Kräfte eines Juden, muß in diesem auch der innere nationale Wert des Judentums sinken. Nathan Chavkin. Martin Buber über Gustav Landauer. Als Gast der Sozialistischen Arbeitsgemeinschaft Frankfurter Studenten entrollte am Mittwoch Abend im überfüllten Saale des Hochschen Konservatoriums Dr. Martin Buber ein eindruckvolles Bild seines Freundes Gustav Landauer, der in München durch die Regierungstruppen seinen Tod fand. Keiner Partei, so ungefähr führte Buber aus, schloß sich Landauer an. Denn die Parteien erschienen ihm als des verrotteten Staatswesens verrottetster Teil. Die herrschende sozialistische Partei vor allem war ihm ein Greuel w^il sie aus allen Menschen Wirtschaftsbeamte des Staates machen wolle. Diesen mechanischen Scheinsozialismus verwarf er. Allein er predigte tauben Ohren. Wohl war er ein mächtiger Redner, doch, erschütterte er nur die wenigen, die innerlich bereit waren, zu hören. Denn er forderte Unerhörtes: Nicht nur Bekenntnis, sondern auch Ernst zu machen. Nicht den Sozialismus von dann und dort, sondern von jetzt und hier. Längst sagte er den Untergang der bestehenden Ordnung voraus. Im Gegensatz aber zu andern — Buber vermied den Namen Karl Marxens auszusprechen, der für Landauer als das Sinnbild aller Irrlehre galt — wußte Landauer, daß hinter dem Brüchigen nichts Neues, Lebenskräftiges wirke. Einst tauchten neue junge Völker 'empor, wenn die alten zusammenbrachen; heute ist die Annäherung zu groß, als daß man auf diese neuen rechnen könnte. Und darum bleibt nur die Rettung aus uns selbst. Wird die möglich sein? Wir wissen es nicht. Aber wir müssen es versuchen. Sozialismus heißt Umkehr. Landauer hat in seinem „Sozialist“ seit 1909 den Krieg als unvermeidlich vorhergesagt als Folge der heutigen Staaten. Darum rief er zum Kampf gegen den Staat. Die Massen, in der Parteitaktik gefangen, hörten nicht. „Keiner ist schuldig, wir alle sind schuldig.“ Dieses seither so oft nachempfundene Wort sprach Landauer schon 1914 aus. — Im besiegten Deutschland brach die Revolution aus oder etwas, was man Revolution nannte, in Wahrheit aber eine Zahl von Revolten war. Landauer wußte, daß eine Revolution unfähig ist, soziale Probleme mit ihren Mitteln zu lösen. Nur der Geist vermag sie auszulösen, der hinter dem Staate gefangen ist. Ganz erfüllt von der Tragik aller bisherigen Revolutionen waren die Gefühle Landauers in den Novembertagen weit entfernt von der damals geläufigen Hoffnung. Er wußte: man müsse sehr klug zuwege gehen, wenn der Segen der Revolution nicht durch ihren Fluch erdrückt werden solle. Nicht seine Schuld war es, daß es jetzt so gekommen. Und unter dem allzuvielen Falschen, was über Landauer geschrieben wurde, ist (nach Bubers Anschauung) das Falscheste, ihm gewissermaßen eine tragische Schuld an all dem Schrecklichen aufzubürden. Frei von Illusionen, voll von Pessimismus, stellte er sich Kurt Eisner zur Verfügung. Er sah zwei Grundgefahren heraufziehen: Parteiversumpfung und Gewalttat. Ihnen entgegenzuarbeiten, Unheil zu verhüten, das war der Grund seiner aktiven Beteiligung. Deshalb sprang er in die Bresche und deckte mit seinem Leibe die gefährdeten Güter. Freilich, auch nach Buber hat der Verstorbene unrecht getan, aber unter einem ganz anderen Gesichtspunkt, als jene Zeitungsschreiber mit ihrem Maße annehmen. Es wäre die Aufgabe Landauers gewesen, jenes echte Bild, von dem er erst Bruchstücke geschaffen hatte, zu vollenden. Kein Mensch aber ist reiner dahingegangen. Die Qual um das Zugrundegehen der Revolution zwang ihn zum Eintritt in die Regierung, gewiß* eine Verfehlung gegen die Vernunft zur Verbindung mit ungeeigneten Menschen. E. K. Stuttgart. Vor zahlreich erschienenen Eltern und Gästen fanden hier am 25. V. und 1. VI. a. c. die ersten Prüfungen in der Talmud-Tora-Schule statt, eingeleitet mit einer kurzen Ansprache des Leiters, über die besondere Bedeutung der hebräischen Sprache in der Gegenwart. — Trotz der Störungen der unruhigen Zeit konnten die Schüler für die kurze Lehrdauer von einem halben Jahr fast überraschende Kenntnisse aufweisen. — Die Prüfungen haben einen tiefen Eindruck bei den meisten Anwesenden hinterlassen. Zionistische Ortsgruppe München — Ähavas- Zion München. Mittwoch, den 18. Juni, abends präzise 8 Uhr im Bierstüberl des Hotel Roter Hahn, Karlsplatz. Versammlung. Thema: Berichterstatung über den Palästinadelegiertentag. Aussprache. Jüdischer Turn- und Sport-Verein München. Sonntag nachmittags 2.30 Uhr Traininig der Fußballabteilung auf dem Sportplatz der „Turnerschaft“ in Freimann. Spendenausweis Münchner Spendenausweis. N a t i o n a l f o n d sr Familie Lazarus Spielmann grat. Farn. Botie z. Verlob, ihres Sohnes 10.—, Dr. Elias Straus und Frau Dr. Rahel Straus grat. Zahnarzt Singer Nbg. z. Verlob. 2.—, Edith Schwarz u. Leo Cohn z. Verlob. 2.—, Dr. Alfred Maaß u. Frau z. Vermählg. 2.—, Jakob Fränkel grat. Zahnarzt Singer Nbg. z. Verlob. 2.—, Markus Levinger 5.—. Gold. Buch Lisi Koronczyk s. A.: Heinrich Wetzlar 30.—. Frau Helene Koronczyk u. Fr. Cäzilie Löwin spenden anl. d. Jahrzeit ihrer sei. Mutter u. Schwester je 10.— — 20.—. Gold. Buch Praktikantenbund Blau- Weiß München-Land: Erna u. Steffi Holzmann grat. ihrer lb. Tante Edith herzl. 3.—, Familie Kutten grat. Edith Schwarz 3.—. Gold. Buch Richard Fränkel s. A.: Anny Fränkel grüßt alle Münchner Bekannten und sagt den Blau-Weißen herzl. Schalom 3.—. zur Gründung der Chewrah weatem thacharischun der Fränkelschen Cousinen 10.—, erste Buße 9.—. Hch. Auerbach z. Verlob, s. Cousine Else Fränkel mit Dr. Breuer 15.—. Gold. Buch Raphael Hirsch Grünbaum: Paul Grünbaum Thora Neder 10.—, Fanny u. Paul Grünbaum grat. herzl. Farn. Botie z. Verlob, ihres Sohnes 2.—. grüßen herzl. Leo Rosenberg, ein Schreiben mit Inhalt folgt 2.—. Frau Klara Fränkel s. A. Garten. Hugo Fränkel z. Andenken a. s. sei. Mutter Frau Klara Fränkel 1 B. 6.—. Büchsensammlung: J. Postowsky 10.30, Emil Gerstle, Ichenhausen 29.—, Josef Mysliborsky 20.—.