Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 24 (13.7.1919)
- Date
- 1919-07-13
- Page
- Seite 280 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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280 Das Jüdisch« Echo Nr. 24 und als schließlich ein Schlußantrag angenommen wurde, standen noch ein Dutzend Redner auf der Rednerliste. Den Reigen eröffnete Dr. Strauß (Frankfurt a. M.), der ausführte: Die Zionisten haben den Kongreßgedanken zuerst aufgegriffen, der im Judentum schnell Wurzel faßte, weshalb der Delegiertentag dazu klare Stellung nehmen muß. Zu entscheiden wäre erst die Frage, wer zu dem Kongreß zugelassen werden soll. Schon hierbei kann es zu einem Zusammenstoß mit den Zionisten kommen, da diese jeden zulassen wollen, der sich als Glied des jüdischen Volkes bekennt. Dieser Volksbegriff trennt uns. Deshalb müßten wir auf dem Kongreß jede deutsche und ausländische jüdische Politik ablehnen. Ein Kongreß kann uns nur erwünscht sein. Wir werden den Wahlkampf nicht scheuen und auf der Zusammenkunft unsere Unlösbarkeit vom deutschen Volke besonders zum Ausdruck bringen. (Beifall.) Der folgende Redner, Rechtsanwalt Wertheim (Berlin), erklärte, daß es bei der Behandlung der Kongreßfrage wesentlich auf die Punkte ankomme: 1. Wer darf wählen und teilnehmen? 2. Was darf behandelt werden? 3. Wann soll der erste Kongreß stattfinden? Meinungsverschiedenheiten würden auf treten bei der Feststellung, ob die Ausländer an den Wahlen zum Kongreß teilnehmen dürften oder nicht. (Rufe: Nein, nein!) Es gehe nicht an, daß ausländische Juden bei Forderungen in der inneren Politik in Preußen mitreden könnten. Zur Erörterung müsse auf dem Kongreß jede Frage zugelassen werden, die die Juden interessiere. Die augenblickliche Zeit sei aber nicht geeignet für die Einberufung, sowie für die Behandlung großer jüdischer Probleme. Geheimrat Fuchs führte aus. daß die Mehrheit der deutschen Juden, namentlich aber die Jugend, auf die Abhaltung eines Kongresse dränge. In den letzten Tagen hätte der Verbands Vorstand mit den Führern der Zionistenbewegung mehrfache Unterredungen gehabt mit dem Ergebnis, daß die Einberufung eines Vorkongresses, der für den Hauptkongreß^ die Wahlen und vieles andere vorbereiten solle, nötig sein werde. Die Zionisten seien für die Zulassung der Ausländer, was aber nur unter gewissen Einschränkungen zugegeben werden könnte. — Justizrat Josephthal (Nürnberg) verwarf die Zulassung von Ausländern sowie alles Kompromissein mit den Zionisten. Den gleichen Standpunkt vertrat Dr. Goldmann (Leipzig). Rabbiner Dr. Lange (Essen) hob hervor, daß Tausende junger Männer, die dem Zentralverband zuneigten, klipp und klar verlangten, daß der Verband eine klare Formulierung seiner Forderungen festlege. Im Interesse der Jugend müsse davor gewarnt werden, ddn Zionisten Konzessionen zu machen. (Beifall.) Gegen die Abhaltung eines Kongresses sprach sich Justizrat Auerbach (Frankfurt a. M.) entschieden aus. Es handle sich dabei um eine Frage von großer politischer Bedeutung. Politische Gründe ließen es nicht ratsam erscheinen, jetzt einen Wahlkampf zu entfesseln. Er beantrage Ablehnung sämtlicher Anträge, die bisher zur Kongreßfrage eingebracht worden seien. Nachdem dann noch mehrere Redner teils für, teils gegen die Einberufung des Kongresses gesprochen hatten und Schlußanträge wiederholt abgelehnt worden waren, kam Dr. Paul Nathan (Berlin) zu Wort. Zwei Gründe, sagte er. sind es. die gegen das hier viel erörterte Projekt sprechen, der unglückliche Ausgang des Krieges und die gereizte Stimmung der Antisemiten gegen das Judentum. Wir sind nicht sicher vor schlimmen Erlebnissen in der nächsten Zeit. Einen Kongreß unter diesen Umständen einzuberufen und die Gegensätze innerhalb der Judenschaft hervorkehren, würde uns nicht nur schädigen, sondern auch dem Antisemitismus zum Vorteil gereichen. Die Ausführung des Planes könnte in der Jetztzeit zu Explosionen führen, weshalb ich gegen ihn sehr skeptisch bin. Er ist weder von zionistischer, noch von antizionistischer Seite aus wünschenswert. Wenn eine Garantie geschaffen werden könnte, daß schroffe Auseinandersetzungen nicht zu erwarten ständen, könnte man sich mit dem Plane befreunden, anderenfalls aber könne das gesamte Judentum großen Schaden davon haben. Die hier geäußerten Bedenken wurden von dem Vorsitzenden sowie von dem Professor Falkenheim (Königsberg) und den beiden Berichterstattern Wertheim und Dr. Strauß zu zerstreuen versucht, worauf endlich der Schluß der Debatte eintrat. Zur Annahme gelangten dann folgende beiden Anträge: „Die Generalversammlung des Zentralverbandes begrüßt 1. Die Schaffung jüdischer Kongresse in Deutschland, auf denen die die deutschen Juden bewegenden Fragen von den gewählten Vertretern aller deutschen Juden behandelt werden. Die General- "RbuThallmder München TfieaünecÜr. 18. mum <5laser C/jbttZGÜanjQ.