Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 24 (13.7.1919)
- Date
- 1919-07-13
- Page
- Seite 279 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 24 Das Jüdische Echo 279 Die jüdische Minorität in Tschechoslovakien setzt ihre Hoffnung auf eine gerechte Regelung ihrer wirtschaftlichen und! kulturellen Frage in Paris. Die Rechte der Juden in der Diaspora« Wie der Reuterkorrespond^nt aus Paris telegraphiert. hat der Viererrat bei der Friedenskonferenz ein kleines Komitee ernannt bestehend aus Berthelot. als Vertreter von Frankreich. Headlam Morley, Großbritannien. Miller. Amerika, und Martino, Italien, zum Zwecke der Ausarbeitung von Verträgen für den Schutz von Minoritäten sowohl nach ihrer Rasse, als nach ihrer Religion in den neuen Staaten, welche als Ergebnis des Krieges geschaffen worden sind, und in denjenigen alten Staaten, zum Beispiel Rumänien, die ein größeres Territorium erworben haben. Der erste dieser Verträge ist bereits fertiggesteltt und an die polnische Regierung gesandt worden. Er enthält zunächst die allgemeine Bestimmung. daß allen regulär in Polen wohnenden Personen die polnische Staatsangehörigkeit zuerteilt wird, ferner verschiedene Bestimmungen zur Verhinderung der Anwendung irgend einer speziellen Unterscheidung nach Rasse oder Religion. Der Vertrag enthält einen besonderen Hinweis auf die Juden, deren Behandlung in Polen vom Viererrat mit besonderer Aufmerksamkeit betrachtet worden ist. Die Paragraphen bezüglich der Juden sind dazu bestimmt, sie absolut gegen die in Polen bisher gebräuchliche unterschiedliche Behahdlung zu schützen. Der Vertrag garantiert den Juden den Gebrauch ihrer eigenen Sprache und die Ausübung ihrer eigenen religiösen Bräuche, ferner das Bestehen ihres eigenen Erziehungswesens. Die Abhaltung von Wahlen am Sonnabend ist in Polen verboten. Der Völkerbund wird die Ausführung der Vertragsbestimmungen garantieren. Ähnliche Verträge sind in Vorbereitung bezüglich Tschechoslovakien. Jugoslavien und Rumänien. Der Korrespondent der „Times“ ir Paris telegraphiert über diesen besonderen Vertrag zwischen den Alliierten und Polen: Der Vertrag sieht vor, daß alle tatsächlichen Einwohner des polnischen Staates das polnische Bürgerrecht bekommen. Der Vertrag sichert allen Einwohnern Schutz von Leben und Freiheit ohne Unterscheidung von Geburt, Rasse oder Nationalität. Sprache und Religion zu. Der Vertrag bestimmt, daß kein Unterschied inbezug auf öffentliche Beschäftigung, auf Ausübung von Ämtern, auf Verteilung von Ehrenämtern. auf die Freiheit in Berufen und Gewerben gemacht werden soll. Der Vertrag garantiert den jüdischen Schulen und dem Gebrauch der jiddischen Sprache vollen Schutz. Für iede Änderung dieses Vertrages ist das Einverständnis des Rates des Völkerbundes notwendig. Vom Zionismus In Spanien. Der bekannte Dozent an d'er Madrider Universität, Prof. Dr. A. S. Yahuda, hat einem Mitarbeiter des „Jewish Ghronicle“ folgende Angaben über den Zionismus in Spanien gemacht: Praktisch wußte man in Spanien vor der Balfourschen Erklärung nichts vom Zionismus. Als diese erfolgte, begann die progermanische Presse einen Feldzug nicht so sehr gegen die Juden wie gegen Großbritannien, protestierte gegen ein jüdisches Palästina und verlangte, daß Palästina dem Papst gegeben werde. Diese Presse ging sogar soweit, zu behaupten, daß der Kaiser beabsichtige. Jerusalem dem König von Spanien als Geschenk zu übergeben. Die liberale Presse nahm die Sache auf. publizierte einige Interviews mit mir. und bald kam diese Preßkampagne zu Ende. Im großen ganzen ist die öffentliche Meinung in Spanien dem Zionismus jetzt günstig gesinnt. Von führenden Spaniern wurden einige Artikel geschrieben. welche enthusiastisch die Befreiung des größten und ältesten Märtyrervolkes begrüßten. Unter den Madrider Juden wurde eine Zionistische Vereinigung gegründet, welche den Namen unseres größten spanischen Dichters „Jehuda Halewi“ führt und in Barcelona wird es bald eine noch größere Vereinigung geben. In Tetuan, Centa und Larache gibt es bereits Gesellschaften von einiger Bedeutung, welche in Verbindung mit der Madrider Vereinigung arbeiten, so daß sie zusammen etwa eine ..Spanisch-Marokkanische Zionisten-Föderation“ bilden. Hauptversammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. In Berlin tagte am 29. Mai die Generalversammlung des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüd. Glaubens, zu der sich Delegierte aus allen Teilen Deutschlands eingefunden hatten. Der Vorsitzende. Geheimrat Fuchs, gedachte in der Begrüßungsansprache der schweren Zeit, die wir durchleben, und hob dabei hervor, daß man hätte annehmen sollen, die gemeinsam durchkämpften Kriegsjahre sowie die Einführung der Republik hätten den Haß der Volksgenossen untereinander zum Schweigen gebracht. Dagegen sei in letzter Zeit eine antisemitische Welle hochgewachsen, die zu Befürchtungen Anlaß gäbe, da sie die Schuld an der Zertrümmerung Deutschlands den Juden zuschriebe. Die antisemitischen Drahtzieher scheuten selbst vor Pogromen nicht zurück, und wenn nicht eine starke Regierung die antisemitischen Aufreizungen zu dämpfen vermöge, so müsse man auf schlimme Dinge gefaßt sein. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: Unsere Lage und unsere Arbeit führte Justizrat Dr. Holländer-Berlin aus: Die um sich greifende nationalistische Welle hat ein starkes Anwachsen der antisemitischen Bewegung zur Folge gehabt. Der Deutsche Schutz- und Trutzverband, sowie eine Reihe anderer Vereinigungen schüren in Versammlungen und Flugblättern den Haß gegen die Juden. Es ist ein besonderes Zeichen der Zeit, daß jetzt auf den Straßen auch Handzettel verteilt werden, die die ärgsten Beschuldigungen gegen die Juden enthalten. Merkwürdig erscheint dabei, daß die Behörde von solchen Aufreizungen keine Kenntnis hat. da sie doch sonst einschreiten müßte. Deshalb ist es notwendig, daß alle uns bekannt gewordenen geheimen Organisationen, die den Antisemitismus pflegen, der Behörde mitgeteilt werden, weil wir nicht ruhig hinnehmen wollen, daß man uns für alles mögliche verantwortlich machen will. Unsere Aufgabe muß es aber sein, unsere Organisation so auszubauen, daß auch der letzte Mann im fernsten Winkel erfaßt wird, dann muß es uns gelingen, die volle Gleichberechtigung zu erzwingen. (Stürmischer Beifall.) Das Hauptinteresse des Delegiertentages lenkte sich auf den geplanten jüdischen Kongreß. Hierüber wurde fünf Stunden lang verhandelt.