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Das jüdische Echo · 1919-07-13 · 24 (13.7.1919) · p. Seite 277

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
6 (1919)
Issue
24 (13.7.1919)
Date
1919-07-13
Page
Seite 277 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 24 Das Jüdische Echo 277 über jenem Teile der Presse möglich sein, mit dem die Ämter durch Herausgabe des Amtsblattes oder sonstwie in geschäftlicher Verbindung stehen. Es wird aber auch gegenüber der übrigen Presse sich ein geeigneter Weg finden lassen. Wenn bei den Flugblättern, wie behauptet wird, vielfach die nach dem Preßgesetze erforderlichen Angaben über Druck und Verla? fehlen, so berechtigt auch diese Unterlassung eine Handhabung zum Einschreiten.“ Der Protest der amerikanischen Juden gegen die Pogrome. Massenmeeting in New York — Scharfe Protestresolutionen — Empfang Louis Marshalls durch Präsident Wilson. Das Kopenhagener Zionistische Büro berichtet: Die gewaltigste Demonstration in der Geschichte der amerikanischen Judenheit waren die riesigen Veranstaltungen, die am 21. Mai in New York als Protest gegen die Pogrome in Polen und Galizien stattgefunden haben. 300 000 jüdische Arbeiter verließen an diesem Tage zum schweigenden Protest bereits mittags ihre Werkstätten. Sämtliche jüdischen Läden und Theater wurden in den ersten Nachmittagsstunden geschlossen. Jüdische Soldaten und Veteranen der früheren Kriege Amerikas zogen in feierlichem Aufzug mit Trauerbinden an den Armen durch die Straßen. Eine ungeheure Massenversammlung von Delegierten aller jüdischen Organisationen in Madison Square Garden beschloß die Demonstration dieses Tages. „New York World“ und „Herald“ schätzen die Zahl der Menschen, die zu dieser Versammlung Einlaß suchten, auf 200 000. In der gewaltigen Halle hörten 15 000 Delegierte der Organisationen die Reden von Nathan Straus, dem früheren Botschafter in der Türkei Abraham Elkus, dem republikanischen Kandidaten bei den letzten Präsidenten-Wahlen Charles Hughes, ferner von Rabbi Wise, Jacob Schiff, dem Bürgermeister von New York Hylan und anderen. Die Redner drückten ihren tiefsten Kummer über die Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung in Polen und Galizien aus und forderten, daß Amerika seine Hand erhebe, um diesen Massakres sofort ein Ende zu machen. Charles Hughes erklärte: „Diese Ausschreitungen sind ein Verrat an der Sache, für die wir gekämpft haben, ein Verrat an dem Siege, den wir errungen haben. Es ist gut, daß ein Protest, und ein gewaltiger Protest von dem unterdrückten Vok ausgeht, aber ein solcher Protest sollte auch von allen Völkern und von jeder Rasse im Namen der Menschlichkeit erhoben werden.“ Bürgermeister Hylan protestierte im Namen aller Christen gegen diese Abschlachtungen. Rabbi Wise sagte: „Die Fortdauer derartiger Ereignisse würde beweisen, daß Polen unwürdig ist, ein Mitglied der großen Alliance der freien, sich selbst regierenden Völker der Erde zu sein.“ Jacob Schiff sagte: „Ich appelliere an die amerikanische Regierung daß sie sofort handelt und verlangt, daß Polen nicht frei wird und nicht in die Liga der Nationen eintritt. bevor es wirksame Garantien dafür gibt, daß es in Zukunft Juden und Nichtjuden in gleicher Weise Schutz gewähren wird.“ Der Schwiegersohn des Präsidenten Wilson, ferner Senator Calder. Gouverneur Smith und viele andere hervorragende Amerikaner drückten in Protesttelegrammen an die Versammlung ihren Unwillen über die Judenpogrome aus. Die Versammlung nahm eine Resolution an, die wie folgt endet: „Diese Massenversammlung von 15 000 Delegierten, die eine Million fünfhunderttausend Juden von New York vertritt, drückt ihren tiefsten Unwillen über die vorher erwähnten unsagbaren Grausamkeiten aus und ersucht die Amerikanische Regierung, allen ihren Einfluß aufzubieten um dieselben zu einem sofortigen Ende zu bringen, ihre Wiederkehr in Zukunft zu verhindern und Schritte zu tun, damit diejenigen, die für die Fortdauer dieser Grausamkeiten verantwortlich sind, ihrer gerechten Strafe zugeführt werden.“ Ferner wurde beschlossen, den Präsidenten Wilson und die Friedenskonferenz aufzufordern, Schritte zu tun, die der jüdischen Bevölkerung von Polen, Rumänien und anderen osteuropäischen Ländern unbedingt wirksame Garantien bieten für ihre volle bürgerliche, religiöse und politische Gleichberechtigung und für die Gewährung solcher Minoritätsrechte, wie sie von den übrigen nationalen Gruppen der betreffenden Länder genossen werdei^. Ferner wurde beschlossen, eine Abschrift dieser Resolution durch das Staatsdepartement an den Präsidenten Wilson und die amerikanischen Friedensdelegierten, ferner durch den Präsidenten des Senats und den Sprecher im Abgeordnetenhaus an den Kongreß der Vereinigten Staaten zu übermitteln. Alle großen amerikanischen Tageszeitungen, wie „Globe“, „Evening Post“, „World“, „Times“, „Sun“, „Herald“ usw. veröffentlichten Leitartikel und ausführliche Berichte und schlossen sich mit warmer Sympathie diesen Protesten an. Paris. Am Montag, den 26. Mai, wurde Louis Marshall vom Präsidenten Wilson empfangen. Marshall überreichte dem Präsidenten die Resolutionen der New Yorker Protestversammlung und erbat seine Intervention gegen die Judenpogrome in Polen. Er trug dem Präsidenten gleichzeitig die jüdischen Forderungen für die Diaspora-Länder vor. Präsident Wilson drückte sein volles Mitgefühl mit den Leiden der Juden in Osteuropa aus und1 versprach alles zu tun, um neue Katastrophen zu verhindern. Wilson drückte ferner seine volle Sympathie mit den jüdischen Forderungen aus. Von den Pogromen. Ein wichtiger Tag im Warschauer Stadtrat war der 16. April, der zweite Tag des Pessachfestes, als den jüdischen Deputierten bekannt geworden war, daß in den Vorstädten Warschaus und den benachbarten Dörfern Judenpogrome stattfanden, die von den eingerückten polnischen Truppen aus Posen veranstaltet wurden. Die Stadträte Grünbaum, Jahrblum. Goldeberg eilten zum Tatort und fanden Judenplünderungen, von betrunkenen polnischen Posener Soldaten organisiert und ausgeführt. Sie wandten sich sofort an den Stadtkommandanten Anusch um Hilfe, der umgehend ein Maschinengewehr schickte. Für eine kurze Zeit wurde in der Tat die Plünderung eingestellt. Als aber das Maschinengewehr zurückgezogen wurde, brachen die Plünderungen von neuem aus. Am selben Tage brachten die jüdischen Stadträte im Warschauer Stadtrat eine Interpellation über diese Judenplünderungen ein. Grünbaum begründete die Dringlichkeit der Anfrage. Es fehlte auch nicht an polnischen Rednern, die lan? und breit auseinandersetzten, die Juden machten absichtlich die pol-

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