Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 6 (1919)
- Issue
- 23 (6.6.1919)
- Date
- 1919-06-06
- Page
- Seite 267 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 23 Das Jüdische Echo 267 Aus der Tätigkeit der innerhalb der Zentralwahlfahrtspflege bestehenden Waisenkommission sed erwähnt, daß ein Verband der jüdischen Waisenhäuser und Erziehungsanstalten gegründet worden ist, dem sich fast ausnahmslos alle in Betracht kommenden Anstalten angeschlossen haben, Zweck des Verbandes ist, die jüdischen Waisenhäuser und Erziehungsanstalten den Forderungen der Zeit entsprechend, von jüdischem Geist erfüllt, auszugestalten. Eine weitere wichtige Aufgabe des Verbandes ist die Schaffung von Ausbildungsstätten jüdischer Beamtinnen für wirtschaftliche und erzieherische Betätigung. Auf die Arbeiten der Vormundschaftskommission sei hingewiesen, die zurzeit das Material über die in den einzelnen Gemeinden vorhandenen unehelichen. verwaisten und sonst hilfsbedürftigen Kinder beschafft. Es haben bereits 176 Gemeinden Vertrauenspersonen für die Bearbeitung dieser Angelegenheit benannt, denen kürzlich sorgfältig ausgearbeitete Fragebogen und Merkblätter übermittelt wurden. Das eingehende Materiall wird die Grundlage für die weiter zu treffenden Maßnahmen bilden. Die sich häufende Zahl von Anfragen, wo jüdische Nerven- und' Geisteskranke untergebracht werden können, hat die Zentralwohlfahrtsstelle veranlaßt, sich mit diesem bisher stark vernachlässigten Gebiet jüdischer Wohlfahrtspflege eingehend zu beschäftigen. Als praktisches Ergebnis schwebt ein Vorschlag der Zentralwohlfahrtsstelle an den Deutsch-Israelitischen Gemeindebund, die Israelitische Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder in Beelitz so auszugestalten, daß Jugendliche bis zur Grenze der Minderjährigkeit aufgenommen und für den Beruf eines Handwerkers ausgebildet werden können. Die Zentrale wohlfahrtsstelle hat ihre Unterstützung bei der Ausführung dieses Vorschlages zugesagt. Die Schaffung einer Anstalt für erwachsene Nerven- und Gemütskranke ist zwar geplant, zurzeit aber mit großen Schwierigkeiten verknüpft. Die Wünsche der Rabbiner. Berlin, 13. Mai. Der Rabbinerverband für Deutschland führt in einem Rundschreiben an die Vorstände der Synagogengemeinden Deutschlands aus: „Die Neugestaltung der politischen Verhältnisse in unserem Vaterlande wird auch weitgreifende Veränderungen in der Organisation der jüdischen Gemeinden hervorrufen. Welchen Einfluß die in dieser oder jener Form zu erwartende „Trennung von Staat und Kirche“ auf das Schicksal und die Lebenskraft unserer Gemeinden ausüben wird, ist mit Sicherheit noch nicht zu erkennen. Eins steht fest: Die Heranziehung und Zusammenfassung aller verfügbaren Kräfte wird jetzt dringendstes Erfordernis. Vor allem wird der Rabbiner nach der Trennung von Staat und Kirche als der Vertreter der Religion in das Lebenszentrum der entpolitisierten Religionsgemeinden gestellt werden müssen. Von seinem Wirken wird in vielen Fällen noch weit mehr als bisher geradezu der Bestand der Gemeinden abhängig sein. Daher muß er auch im dringendsten Interesse unserer heiligen Sache an allen Angelegenheiten des Gemeindelebens und zumal an der Leitung und Verwaltung derselben teilnehmen. Zur unerläßlichen Durchführung dieser Forderung muß dem Rabbiner die Stellung eingeräumt werden, die ihm ein solches Arbeiten ermöglicht. Dem Rabbiner muß im neuen Gemeindestatut Sitz und Stimme im Vorstand eingeräumt werden. Ein verehrlicher Gemeindevorstand wird darum gebeten, bei der bevorstehenden notwendigen Neuorganisation dieser sachlichen Forderung zu ihrem Rechte zu verhelfen und zunächst Sorge zu tragen, daß der zuständige Rabbiner (gegebenenfalls der dienstälteste oder zur Vertretung beider Richtungen die beiden dienstältesten) Mitglied der dortigen vorbereitenden Organisationskommission werde.“ Das Rundschreiben weist zum Schlüsse darauf hin, daß in verschiedenen Gemeinden diese Bestrebungen bereits in die Wege geleitet, zu einem Teil auch schon erfüllt sind. Die Volksnahrung des biblischen Judentums.1) Von Nathan C h a v k i n , München. Beim Studium der Bibel ersehen wir, daß das jüdische Volk in seiner klassischen Periode vorwiegend vegetarisch gelebt hat und daß das Fleisch nur ausnahmsweise, besonders bei Festlichkeiten mit Opferdarbringungen genossen wurde. Für die Volksernährung der Juden in Palästina wurde außer Brot sehr viel Obst und geröstete Körner verwendet. Die Baumfrüchte, wie Feigen, Rosinen, Mandeln u. dgl. wurden ähnlich dem Brote zu Kuchen gefertigt und bildeten nebst Most die Hauptnahrung und den Trank der niederen, wie auch der angeseheneren Klassen der jüdischen Bevölkerung. An zweiter Stelle verwendete man Öl. Honig und Milchprodukte für Nahrungszwecke. So begegnen wir in der Bibel der fast ausschließlichen Pflanzennahrung bei den Juden zur Zeit Davids, da der verderbliche Luxus der jüdischen Könige noch nicht um sich gegriffen hat. Jischai sendet den Hirtenknaben David zu seinen im Heeresdienst bei Saul sich befindlichen Söhnen und gibt ihm für sie mit auf den Weg: 1 Maß geröstete Körner und 10 Brote. Für den obersten Heerführer sendet er jedoch als Geschenke zehn Milchkäse (1. Sam. 17. 17—18). Als sich David mit seinen Leuten auf der Flucht vor Absolom befand, bekam er von seinem treuen Diener Ziba auf einem Paar gesattelter Esel folgende Nahrungsmittel: 200 Brote. 100 Rosinenkuchen, 100 Kuchen aus getrockneten Früchten2) und einen Schlauch Wein (2. Sam. 16. 1). Hier deckt sich die Zahl der Brote genau mit der Menge der Fruchtkuchen. Von Fleischsendung ist hier ebensowenig wie im vorigen Fall die Rede. Als freiwilliger Beschützer der Viehherden des Großgrundbesitzers Nabal bekam David mit seinen Angehörigen von Nabals Frau Abigail: 200 Brote, 2 Schäuche Wein, 5 zubereitete Schafe, 5 Maß geröstete Körner, 100 Rosinenkuchen und 200 Feigenkuchen (1. Sam. 25. 18) Hier befanden sich also Fruchtbrote noch mehr an der Zahl als gewöhnliche Brote. Daß die Obstkuchen nicht zu klein dem Umfange nach waren, geht aus der Bibelstelle hervor, wonach ein ägyptischer Knabe *) Aus dem 1. Flugblatt des Daniel-Bundes. Dieses sowie die weiteren Flugblätter sind durch den 1. Schriftführer des Bundes Herrn Nathan Ghavkin, Bergmannstr. 7, unentgeltlich zu beziehen. 2) rp kann auch 100 Maß oder Bündel Früchte heißen (Vergli Jes. 16, 9; Jer. 40, 10—12). Jedenfalls haben die alten Israeliten verschiedene Verfahren für die Herstellung von haltbarem Fruchtbrot angewandt, wie sie neuerdings von einigen Spezialgeschäften ausgeübt werden.